Auch sieben Jahre nach Beginn der Forschungen ist das, was über die beiden Schwestern bekannt ist, überschaubar. Immerhin wissen Marlies Zibolsky, die Vorsitzende des Heimatvereins, und ihre Mitstreiter, dass die beiden Schwestern in dem Haus in der Geschwister-Scholl-Straße ein Textilwarengeschäft, auch Weißwarengeschäft genannt, betrieben und dort auch wohnten.
Der Hinweis in der Ortschronik besagt, dass Malwine und Anna Blum am 9. 6. 1906 als Eigentümerinnen des Grundstücks eingetragen wurden und dass es von Gertrud Stoldt aus Berlin am 30. 6. 1942 gekauft wurde. Am Ende steht der Satz: "Malwine und Anna Blum wurden 03. 10. 1942 nach Theresienstadt ,umgesiedelt', ihr zurückgelassenes Vermögen ,zu Gunsten des Deutschen Reiches' eingezogen."
Wer dieses Blatt in der Ortschronik angelegt hat, weiß Marlies Zibolsky nicht. Es war aber Ausgangspunkt von weiteren Forschungen. Gefunden hat die Gruppe, der auch Marlies Degenkolb, Gerwald Bienert vom Gosener Heimatverein und Grundschul-Lehrerin Sabine Luksch angehören, einen Hinweis auf den Vater, Julius Blum. "Er taucht in der Gründungsurkunde der Feuerwehr von 1900 auf", sagt Marlies Zibolsky. Seine Lebensdaten sind aber unbekannt.
Die meisten Informationen, die die Heimatforscher sammelten, stammen aus dem Archiv des Centrum Judaicum in Berlin. Demnach ist Anna Blum am 19. August 1862 in Neu Zittau geboren, ihre Schwester Malwine am 8. November 1860 im pommerschen Mohrin. Beide wurden 1942 ins Lager Theresienstadt deportiert. Malwine Blum starb dort am 25. März 1943.
Ihre Schwester Anna überlebte. Im August 1945 füllte sie einen Fragebogen der Jüdischen Gemeinde zu Berlin aus; ihre Adresse war damals die eines Durchgangslagers im Wedding. Anna Blum gab an, aus Theresienstadt zurückgekehrt zu sein. Am 2. Mai 1950 starb sie in Berlin-Buch und wurde am 7. Mai 1950 auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee beigesetzt.
Sabine Luksch hat noch in den vergangenen Tagen versucht, etwas über dieses Grab in Erfahrung zu bringen. Es sei dort nicht bekannt, lautete die Auskunft, die Sabine Luksch erhielt - was nicht heißt, dass es das Grab nicht gibt. Die Lehrerin geht jetzt davon aus, dass niemals ein Grabstein für Anna Blum gesetzt wurde. Der Umstand, dass die beiden Schwestern bis zu ihrem Tode ihren Mädchennamen trugen, nährt die Vermutung, dass es keine Nachfahren gab.
Sabine Lukschs Schüler werden bei der Veranstaltung am 13. November einen Abriss der Lebensgeschichte der Schwestern verlesen, dann wird Demnig, der seit 1992 die kleinen Messingplatten mit den Namen und Lebensdaten von Opfern des nationalsozialistischen Massenmords in Gehwegen verlegt, Hand anlegen. Danach wird er im Gemeindeamt, zwei Häuser weiter, einen Vortrag über sein Projekt halten.
Es sind die ersten Stolpersteine, die in Neu Zittau verlegt werden. Bekannt ist, dass es ein weiteres jüdisches Ehepaar im Ort gab, Alfred und Ida Karfunkelstein. Sie betrieben ein Geschäft in Erkner, in der Friedrichstraße 9. Dort erinnern seit 2006 zwei Stolpersteine an das Ehepaar.