Mit Betroffenheit und Unverständnis habe Fritsch zur Kenntnis genommen, dass die neonazistische NPD am Sonnabend einen Aufmarsch veranstalten will. "Allein der Antrag ist eine Schande und eine Beleidigung für alle anständigen Bürgerinnen und Bürger", schreibt Fritsch. Frankfurt sei keine Plattform für Feinde der Demokratie. Auch Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) unterstützt den Protest gegen den Nazi-Aufmarsch: "Frankfurt ist eine internationale Stadt im Herzen Europas und wir treten für Toleranz und Fremdenfreundlichkeit ein." Dafür werde er am Sonnabend demonstrieren, kündigt Wilke an.
Anders als im März, als eine rechte Demonstration aufgehalten wurde, demonstrieren die Stadt und das Anti-Nazi-Bündnis diesmal Einigkeit in ihrer gemeinsamen Protestveranstaltung. "Wir begrüßen es sehr, dass wir gemeinsam ein Zeichen setzen", kommentiert Janek Lassau die Einigkeit. Der Sprecher des Bündnisses "Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder)" kündigt an, dass ab 9 Uhr Redner und Musikgruppen ein buntes Programm an der Heilbronner Straße veranstalten. Anschließend, bevor ab 12 Uhr die NPD-Demonstration beginnt, sind auch friedliche Blockaden geplant. "Wir wollen dass die Nazis keinen Meter weit laufen", betont Lassau die Motivation seines Bündnisses, in dem 87 Organisationen und 82 Einzelpersonen versammelt sind.
Der Polizei liegt eine Veranstaltungs-Anmeldung für 12 bis 20 Uhr am Sonnabend vor. Mit der Forderung "Grenzen dicht" will die NPD für einen EU-Austritt und geschlossene Grenzen demonstrieren. "Die Veranstalter erwarten mehr als 100 Teilnehmer", berichtet Polizei-Sprecher Peter Salender. Unterstützung erhalte die Polizei aus dem ganzen Land. So wird die Bereitschaftspolizei vor Ort sein. In Zügen und am Bahnhof ist die Bundespolizei verstärkt vertreten. Zur Marschroute der Neonazis, die sich um 12 Uhr am Bahnhofsvorplatz versammeln werden, wollte sich Salender nicht äußern. Auf jeden Fall müssten sich Frankfurter aber darauf einstellen, dass der Weg zum Bahnhof teilweise versperrt bleibt. Busse werden umgeleitet, die Straßenbahn fährt gar nicht (siehe Information Seite 13).
"Wir vertrauen auf die friedliche Art der Bürger zu protestieren", sagte Salender auf die Frage nach möglichen Eskalationen. Geplante Blockaden von Gegendemonstranten wollte er nicht bewerten. Im vergangenen Jahr hatten sich unter anderem auch Finanzminister Helmuth Markov (Linke) und Sozialminister Günter Baaske (SPD) an Sitzblockaden beteiligt und somit den Marsch der Rechten aufgehalten.
Für Janek Lassau ist besonders der Termin der NPD-Demonstration "perfide". Den Tag nach dem Gedenken an die Geschehnisse der Pogromnacht vor 74 Jahren hätten die Veranstalter sicherlich nicht zufällig gewählt, so seine Überzeugung. "Und damals konnte man sehen, wo eine solche Ideologie hinführt, nämlich zu Mord und Totschlag", warnt der Bündnis-Sprecher.