Für Rad-, Auto- und Lkw-Fahrer war es ein kurzes Vergnügen. Für gut einen Monat konnten sie einspurig die Karl-Marx-Straße in Richtung Slubicer Straße passieren; geradeaus durchfahren und rechts abbiegend.
Nachdem der Abschnitt wegen dem Bau der barrierefreien Haltestelle zuvor bereits vier Monate gesperrt war, ist er es nun wieder für drei Wochen. Denn: Die neue Pflasterung ist Murks. Bereits schon jetzt sind Pflastersteine abgesackt, schwarzer Reifenabrieb ziert die helle Oberfläche. Die Fahrbahndecke auf der östlichen Seite der Haltestelle, die im September in Verbindung mit der Asphaltierung der westlichen Fahrbahn erfolgen soll, ist schon jetzt dermaßen abgenutzt, dass sie wieder raus geholt werden muss.
Steine sollen in Gehwege
"Schon nach der ersten Woche haben wir die starken Abnutzungen entdeckt", sagt Andreas Rein vom städtischen Projekt- und Flächenmanagement. Die zuständige Betonfirma sei mit ihm vor Ort gewesen. "Sie haben uns bescheinigt, dass wir alles richtig gemacht haben", erzählt Rein. Die Firma verstünde auch nicht, wodurch die Pflasterung so stark abgenutzt worden sei. Die Steine seien für eine Verkehrsbelastung, wie auf der Magistrale, geeignet.
Nach vierwöchiger Beobachtungszeit zog Rein nun die Reißleine. "Ich musste jetzt nochmal sperren, da, technologisch bedingt, nur Schwarzdecke den Belastungen Stand hält", erläutert er das Herausreißen der Steine und das Aufbringen von Asphalt. Die Entscheidung für die Pflastersteine der Betonfirma – sowohl für Straße als dann auch für Gehwege – sei nach einem Wettbewerb, den die Stadt ausgeschrieben hatte, gefallen.
Drei Jahre lange Planungszeit seien für das "Denkmal" Karl-Marx-Straße aufgewendet worden, sagt  Baudezernent Jörg Gleisenstein (Grüne). Dabei seien für den Umbau absichtlich die Steine dunkler und dicker gewählt worden, erzählt er. Der einmonatige Praxistest aber zeige: "Der Bauhof hätte zukünftig einmal pro Woche die Pflaster-Fugen wieder auffüllen müssen", so Baudezernent Gleisenstein.
Frankfurt zähle zu den ersten Städten, die das Pflaster in einer hochbelasteten Fahrbahn eingebaut haben, betont Rein. Der Hersteller habe in schriftlichen Protokollen bestätigt, dass der Baubetrieb bei der Bepflasterung alles richtig gemacht habe. Klar sei die Situation nicht ideal, aber die jetzt geplante Asphaltierung unter diesen Umständen im Sinne der Wirtschaftlichkeit. Das Pflaster soll nun in die Gehwegbereiche der Magistrale untergebracht werden. "Logisch kostet das Rausholen extra", sagt Rein. Aber die Schwarzdecke sei günstiger in Einbau und Unterhaltung.
Zum 2. Mal neue Pflasterung
Die Stadt steht in Verhandlungen mit dem Betonunternehmen – möglicherweise erhält sie einen Rabatt für die abgenutzten Pflastersteine. Die Gewährleistungsansprüche der Stadt liegen dann auf den neuen Asphaltdecken.
Nach Informationen der MOZ ist es nicht das erste Mal, dass das neue Pflaster wieder entfernt werden muss. "Der Subunternehmer hat die Steine beim ersten Mal schlecht verlegt", antwortet der Projektverantwortliche. Der zuständige Bauleiter stoppte die weiteren Fahrbahnarbeiten; kostenneutral seien die Steine wieder raus genommen worden.
Ein Experte wird nun nachprüfen, ob der Einbau des Pflasters korrekt durchgeführt worden sei, so Gleisenstein. Bezüglich möglicher Mehrkosten verweist er auf die Wiederverwendung im Gehweg- und Parkplatzbereich in der Magistrale. "Konkrete Zahlen werden wir erst in der Endabrechnung haben."
Also rollen an der neuen Haltestelle in den nächsten Wochen erneut nur Busse vorbei. Die Ausfahrt aus der Kleinen Oderstraße in Richtung Słubicer Straße ist weiter möglich. Bis zum autofreien Sonntag am 21. September sollen, laut Stadtverwaltung, die beiden Fahrbahnen an der barrierefreien Haltestelle mit Schwarzdecke überzogen – und dann auch für die Öffentlichkeit wieder befahrbar sein.

Kommentar: Pfusch am (Straßen-)Bau


Aller guten Dinge sind drei. Frei nach diesem Motto scheint es auch beim Bau der modernen Haltestelle in der Karl-Marx-Straße zuzugehen. Beim Prestigeprojekt der Stadt reiht sich mit seiner erneuten Verzögerung eine Panne an die andere. Ja, historische Mauer- und Kellerreste unter der Magistrale sind ein Fall für Archäologen und Grund genug, um die Bauarbeiten zu stoppen. Beim zweiten Mal verlegte ein Subunternehmen das neue Pflaster an der barrierefreien Haltestelle schlecht. Und zu guter Letzt nun eine falsche Bepflasterung, die sich nach einwöchiger Benutzung bereits als unbrauchbar, weil zu abgenutzt erwies. Da packt sich so mancher Frankfurter nur an den Kopf. Wie kann so etwas passieren? Haben sich die Stadtplaner bei ihrer jahrelangen Beratung keinen reinen Wein hinsichtlich dieser Bepflasterung einschenken lassen? Dass die abgenutzten Platten für weniger belastete Flächen – wie beispielsweise für Gehwege und Parkplätze – wiederverwendet werden sollen, ist in dieser Situation nun wenigstens eine interessante Idee. Andererseits kann man nur zu gut die vielen genervten Autofahrer verstehen, die nun mal wieder im Berufsverkehr rund ums Stadtzentrum feststecken. Das nächste Mal, bitte, keine (Bau-)Experimente mehr. Jan-Hendrik Hnida