Frankfurt hat ein Drogenproblem. Und zwar ein sehr großes. Seit Monaten blüht im Lennépark der Handel mit Cannabisprodukten. Mehrere Männer bieten meist in den Abendstunden ab 18 Uhr Marihuana und Haschisch an. Spaziergänger fühlen sich belästigt.
"Sie fragen: Cannabis?", erzählt Markus* am Montag, "und wer was kaufen will, nickt kurz." Der 18-Jährige ist oft im Park, ihm wurde mehrfach Cannabis angeboten, er lehne das aber grundsätzlich ab. "Es sind immer erwachsene Farbige."
Anton*, 21 Jahre alt, hat schon bei den Drogendealern Marihuana gekauft. "Das wird einem abends überall von Schwarzen angeboten", berichtet er. Dass auch Kindern Drogen angeboten werden, empört Sophie* (19). "Ich habe selbst gesehen, wie diese Leute Kinder, die vielleicht zwölf Jahre alt waren, angesprochen haben", sagt die Seelowerin. "Es waren sechs Männer. Zum Glück haben dann mehrere Erwachsene nach kurzem Zögern eingegriffen und die Drogendealer verscheucht."
Abends könne man gar nicht mehr allein durch den Park gehen, "die lungern doch überall rum", schimpft eine Frau und erzählt von einer Razzia Mitte vergangener Woche. Von dieser berichtet auch Lukas* (14). "Zivilpolizisten haben unsere Taschen durchsucht, ob wir Drogen haben", bestätigt er. Natürlich wisse auch er aus dem Freundeskreis, dass im Lennépark mit Cannabis gedealt werde. Wie andere auch hat er zudem von angeblichen Vergewaltigungen gehört.
Auf Nachfrage der MOZ bestätigt Ingo Heese, Leiter der Pressestelle der Polizeidirektion Ost, dass es einen Übergriff gegeben habe. Eine 40-jährige Frau sei Anfang August nachts um 2.30 Uhr angeblich vergewaltigt worden. Nach jetzigem Erkenntnisstand habe sie mit mehreren Kumpels im Park sehr viel Alkohol getrunken, einer aus der Gruppe habe im Anschluss mit ihr Sex gehabt. Die näheren Umstände würden geprüft.
Der Polizei sind natürlich auch die Drogendealer bekannt. Polizeisprecher Stefan Möhwald erklärt, dass es sich vor allem um Kleindealer handle. Das heißt: Sie haben bei Kontrollen nie mehr als die straffreie Menge für den Eigenbedarf dabei. "Wir ermitteln seit längerem", sagt er, ohne Details nennen zu wollen. Denn die Polizei will vor allem der Hintermänner habhaft werden. Und er bestätigt die Aussagen mehrerer Zeugen, nach denen es sich bei den Drogendealern um Schwarze, und zwar sowohl deutsche Staatsbürger als auch Ausländer, die vor allem täglich aus Berlin kommen, handle.
Das Thema ist besonders brisant, da sich im Stadtzentrum auch viele Flüchtlinge aus Afrika, die in der hiesigen Außenstelle der Eisenhüttenstädter Erstaufnahmeeinrichtung (ZABH) in der Fürstenwalder Poststraße untergebracht sind, aufhalten. Und viele Frankfurter werfen diese Menschen mit den Drogendealern in einen Topf. "Wir wissen, dass es nicht die Asylbewerber sind, die hier mit Drogen handeln", betont Stefan Möhwald.
Philipp* ist selbst Afrikaner, lebt seit 14 Jahren mit seiner Familie in Frankfurt. "Ich finde das mit den Drogen Scheiße", sagt er. "Wenn ich hier laufe, gucken alle Leute und denken: Der ist schwarz, der verkauft Drogen." Er habe selbst gesehen, wie ein dunkelhäutiger Mann im Park Marihuana-Päckchen verkauft habe. "Ich habe ihm gesagt: Hau ab, wir brauchen das hier nicht. Und als er nicht gehen wollte, habe ich ihn mit der Faust geschlagen, dann ist er gegangen."
Der Haupt- und Ordnungsausschuss hat sich am Montagabend mit dem Thema beschäftigt. Die MOZ wird Mittwoch berichten.
*) Namen geändert
Dealer kommen abends aus Berlin nach Frankfurt