Die Stimmung war blendend, die Brandenburg-Halle proppevoll. So wie schon seit Jahren nicht mehr. 3000 Zuschauer waren am Ende begeistert, hatten in den Hauptkämpfen Profi-Boxsport vom Feinsten gesehen. Die Stars des Abends – Susi Kentikian und Christina Hammer – verteidigten in überzeugender Manier ihre WM-Titel und eroberten mit ihren Auftritten die Herzen der Frankfurter im Sturm. Dietrich Stulpe mischte sich unters Publikum und ging auf Stimmenfang.
Für den kleinen Artur Mayilyas ist sie die Größte: Susi Kentikian. Der elfjährige Frankfurter ist Fan der nur 1,55 Meter großen Boxerin. „Ich wusste, dass sie gewinnt, habe mit meinem Vater, Bruder und Onkel wie verrückt mitgefiebert, denn sie stammt wie wir aus Armenien“, erzählte der kleine Fußballer vom FC Union.
Susi Kentikian bedankte sichnach ihrem Sieg artig beim sachkundigen Frankfurter Publikum: „Die Stimmung war einfach unglaublich. Danke an alle, die gekommen sind.“
„Die Atmosphäre hier war fast wie in den Frankfurter Box-Glanzzeiten von Maske, Schulz und Häußler“, lobte auch Gabriele Venz, jahrelanger Boxfan aus der Oderstadt. „Ich bin total heiser und begeistert von der Stimmung. Wir sind das erste Mal live beim Boxen und das wird nicht das letzte Mal gewesen sein“, erklärte Martina Kutz, die zusammen mit Ehemann Günter und den Töchtern Doreen und Claudia aus Podelzig gekommen war.
„Susi hat einen sehenswerten Kampf gegen die zähe Thailänderin geboten, der das PrädikatFrauen-Power voll verdient hat. Das Frauenboxen hat sich in den letzten Jahren toll entwickelt“, gab es Lob aus berufenem Munde von Frankfurts Box-Trainer Michael Stachewicz. Und sein Kollege Andreas Schulze pflichtete ihm bei: „Ist mal wieder etwas anderes als nur Amateurboxen. Susi hatte eine starke Gegnerin, sie aber klar dominiert. Bei Christina Hammer haben mir ihre gute Führungshand und die Beinarbeit sowie ihr konsequenter Kampfstil gefallen.“
„Ich würde gern Kickboxen, hab mich sogar schon erkundigt, wo man das in Frankfurt machen kann. Leider fehlt mir beruflich jetzt die Zeit dafür“, gibt Nancy Zubeil (26) zu, dass der Auftritt der Box-Amazonen sie erneut dazu motiviert hat.
Vom Frauenboxen zeigte sich auch Sandra Dzewior beeindruckt. „Klasse Leistungen, die Susi und Christina geboten haben. Aber meine Tochter würde ich nie zum Boxen schicken, höchstens wenn sie es selbst unbedingt will.“
Respekt flößten auch Annika Nega und Lisa-Marie Preis die boxerischen Fähigkeiten der beiden Weltmeisterinnen ein. „Das Boxen ist mir aber doch zu hart. Da bleibe ich lieber beim Handball“, sagte Preis, und ihre FHC-Mannschaftskameradin nickte zustimmend.
„Jeder konnte hier sehen, dass Frauen genauso viel Power haben wie Männer. Ich bin für absolute Gleichberechtigung – ob beim Boxen, Ringen oder anderswo“, meinte OB-Ehefrau Christine Wilke, die zudem die große Spannung bis zum Schluss und das hohe sportliche Niveau der Frauenkämpfe lobte.
„Ich habe alle Maske-, Schulz- und Häußler-Kämpfe gesehen, die Glanzzeiten der drei Profis live miterlebt, da war ich gespannt auf Frauenboxen und habe mein Kommen nicht bereut“, erklärte Ex-OB Wolfgang Pohl.
Auch Rudolph Hendel(Manager beim Judo-Club 90) wollte den Boxfrauen seine Referenz erweisen. „Ich hatte zunächst ja auch meine Vorbehalte gegenüber dem Frauen-Judo. Doch die habe ich längst at acta gelegt und freue mich über die großartige Entwicklung der Damen in athletischer und technisch-taktischer Hinsicht.“
Bevor er bei der After-Show-Party im Bellevue seinen Auftritt hatte, schaute sich auch Sänger Mark Medlock einige Kämpfe an, konnte sich aber nicht so recht begeistern. „Mir gefällt das nicht so gut. Das ist schon grausam, wenn sich so hübsche Wesen wie Frauen auf die Fresse schlagen. Das ist brutal, aber die Stimmung hier in der Halle ist super.“
„Endlich mal wieder richtig was los hier in der Stadt“, freute sich Ralf-Dieter Schöne, auch als DJ Rally bekannt. Ich bin Fußball- und Boxfan. Das ganz spezielle Flair und das Drum und Dran mit VIP-Raum und After- Show-Party kommt gut an.“
Endlich mal wieder Profiboxen in Frankfurt. Zuletzt musste ich bis nach Rostock fahren, um das hautnah zu erleben“, freute sich Bodo Dumschat (66), der früher immer die von Uhrmacher Arlt organisierten Auswärtstouren mitgemacht hat.
Richtig gemeckert wurde aber auch. In den ellenlangen Schlangen nach einem Bierchen oder einer Bockwurst war oft genug zu hören: „Das ist ja wie zu tiefsten Ostzeiten.“ In dieser Hinsichthatte der Veranstalter wohl doch den Box-Enthusiasmus der Oderstädter gewaltig unterschätzt.
Rundherum zufrieden mit der Veranstaltung zeigte sich Ex-Boxprofi Axel Schulz als Mitorganisator. „Wir haben uns schon mit Hauptsponsor getgoods.de verständigt, möglichst einmal im Jahr solch ein Profi-Box-Event nach Frankfurt zu holen, zumal die Stadt uns dazu ihre Unterstützung zugesagt hat. Ich denke, dass mit dem neuen OB solche sportlichen Highlights eher möglich sind. Und dass sich auch das Frauenboxen enorm entwickelt und immer mehr Zuspruch findet, hat die volle Brandenburg-Halle gezeigt.“