Oberbürgermeister Martin Wilke (parteilos) findet bei der Veranstaltung für ein buntes und vielfältiges Frankfurt deutliche Worte: "Frankfurt (Oder) hat sich zu wehren gegen Fremdenfeindlichkeit und den Versuch, mit ausländerfeindlichen Parolen eine Pogromstimmung zu erzeugen." Er spielt auf die Initiatoren der anderen Demonstration an. Die Gruppe "Frankfurt/Oder wehrt sich" hat für den Sonnabend eine Kundgebung mit dem Motto "Stopp den Asylwahn" angemeldet. Beide Gruppen treffen sich etwas zeitlich versetzt nur wenige Meter voneinander entfernt auf dem Marktplatz.
Gemeinsam mit dem Bündnis "Kein Ort für Nazis" hat die Stadt zu der Gegenkundgebung eingeladen. Neben Vertretern der Parteien, Kirchen, der Viadrina und verschiedener Initiativen sind auch zahlreiche syrische Flüchtlinge gekommen, die mit Trommeln für lautstarke Stimmung sorgen. "Ich bin hier, damit die da drüben meine Stimme hören", sagt Mahmoud Al Jadaad. "Sie sind viele und sie mögen uns nicht, aber wir sind nur Menschen, die ihre Länder wegen des Kriegs verlassen haben", sagt der Syrer, der seit zwei Monaten in Frankfurt lebt, auf Englisch. Angst hätten die Flüchtlinge angesichts der ausländerfeindlichen Stimmung auf der anderen Seite des Platzes nicht, meint Raef El-Ghamri vom Integrationsrat der Stadt. "Sie haben schon viel schlimmeres erlebt."
Die Polizei spricht später von 200 Gegendemonstranten, ein Teil der Initiatoren gibt die Zahl wesentlich höher an. Dem Aufruf der Gruppe "Frankfurt/ Oder wehrt sich" sind laut Polizeiangaben anfangs 180 Anhänger gefolgt. Unter ihnen auch etwa 20 Slubicer Teilnehmern, die die Polizei als Anhänger des Fußballvereins Polonia Slubice identifiziert und zurück zur Grenze bringt. Im Verlauf der Demonstration werden zwei Verstöße gegen das Versammlungsgesetz sowie eine Beleidigung angezeigt. Drei Demonstranten wird ein Platzverweis erteilt.
Dass die Demonstrationen friedlich bleiben, liegt auch an der Strategie der Polizei, die zwei Gruppen zu trennen. So wird auf dem Marktplatz durch Absperrungen ein großer Abstand gewahrt. Als die rechten Demonstranten sich dann auf den Weg durch die Innenstadt machen, sind die umliegenden Straßen und Plätze derart großflächig abgesperrt, dass es nur sehr wenigen Gegendemonstranten gelingt, an der Strecke ihren Unmut auszudrücken.
Die Route führt über die Karl-Marx- und die Rosa-Luxemburg-zur Franz-Mehring-Straße. An der Kreuzung Heilbronner Straße findet eine abschließende Kundgebung statt, bevor die Demonstranten zum Bahnhof gehen. Lediglich an Kreuzungen geraten die gegnerischen Parteien in Hörweite. Eine Gruppe der Antifa wird kurz vor Ende der Demonstration von Polizisten und laut bellenden Hunden in der Spiekerstraße zurückgehalten.
Mehrere Beobachter des Demonstrationszuges bemerken, dass neben bekannten Gesichtern aus der rechten Szene der Region sowie Vertretern der rechtsextremistischen Partei "Der III. Weg" auch sehr junge Frankfurter mitlaufen, die bisher nicht in der Szene auffielen.