Im Herrendegen der AK 50+ traf der Frankfurter USC-Fechter Dirk Müller auf zehn Konkurrenten. In einer großen Runde jeder gegen jeden auf fünf Treffer bei einer effektiven Kampfzeit von drei Minuten wurde um jeden Treffer gekämpft, denn bei Sieggleichheit entschied der Trefferindex (Verhältnis zwischen gegebenen und erhaltenen Treffern) über die Platzierung.
Die ersten beiden Gefechte gegen den Hamburger Stefan Möller und den Berliner Martin Zuska konnte Müller jeweils mit 5:3 für sich entscheiden. In seinem dritten Gefecht musste er gegen Michael Albrecht vom FV 1860 Bremen antreten. Dabei kam es zur Neuauflage des Finales beim Niclot-Pokal-Turniers im Juni in Schwerin. Dieses Finale hatte Müller im Sudden-Death mit 9:8 nach Treffern für sich entschieden. Auch das Berliner Gefecht war hart umkämpft. Müller ging mit 1:0 in Führung, bekam aber postwendend durch eine schnelle Parade Riposte den Ausgleich. Bis zum 4:4 wechselte die Führung immer wieder und der letzte Treffer musste entscheiden. Diesmal hatte Albrecht das bessere Ende für sich (5:4).
Um bei der Medaillenvergabe weiter ein Wörtchen mitzureden, galt es für den Frankfurter, sich keine weitere Niederlage einzufangen, denn Dominik Nagel (FC Gröbenzell) blieb lange Zeit unbesiegt. Der Bremer Michael Albrecht leistete sich insgesamt drei Niederlagen und landete mit sieben Siegen und einem Trefferindex von acht auf dem 4. Platz. Auch Ole Maiwald (BSG Stahl Nordhausen) gewann sieben Mal. Er hatte jedoch gegenüber Albrecht den besseren Trefferindex von 18 und bekam Bronze.
Markus Schibillsky vom KSV Weißwasser, der 2014 Berliner Seniorenmeister in dieser Konkurrenz war, kam nur schwer ins Wettkampfgeschehen und leistete sich gleich zu Beginn des Wettkampfes zwei Niederlagen. Der Weißwasseraner konnte gegen Dominik Nagel überraschend gewinnen. Schibilsky hatte am Ende sechs Siege im Tableau zu stehen und wurde Fünfter mit einem Trefferindex von 13. Detlef Becker vom OSC Potsdam brachte es ebenfalls auf sechs Siege, war aber mit dem schlechterem Trefferindex (minus 5) gegenüber Schibilsky Sechster.
Welche Bedeutung der Trefferindex haben würde, zeigte sich auch bei Jürgen Dittmar vom FC Kassel und Ralf Gretzler vom FC Uni Kiel. Beide hatten in der Endabrechnung vier Siege zu verbuchen. Dittmar mit einem Index von minus 3 wurde Siebter und Gretzler mit minus 9 in der Endabrechnung Achter.
Sowohl Nagel als auch Müller leisteten sich keine weitere Niederlage. Beide trafen mit jeweils nur einer Niederlage im Tableau im 48. von 55 Gefechten dieses Wettbewerbes aufeinander.
Nach der vorgegebenen effektiven Kampfzeit von drei Minuten stand es immer noch 0:0 nach Treffern. Keiner wollte etwas riskieren. So blieb es ein nervenaufreibendes Abtasten.
Das Gefecht musste bei diesem Gleichstand um eine weitere Minute verlängert werden. Zuvor hatte Müller Glück und bekam den Vorteil zugelost. Das hieß, Müller würde zum Sieger erklärt werden, wenn kein weiterer Treffer in der verbleibenden letzten Minute fallen würde. Nagel musste nun aktiv werden. In dessen Angriffsvorbereitung konnte Müller eine schnelle Konterattacke setzen und den entscheidenden Siegtreffer landen. Somit wurde Dirk Müller mit neun Siegen in der Endabrechnung der Degenkonkurrenz der AK 50+ Berliner Seniorenmeister 2015 und Dominik Nagel gewann mit acht Siegen die Silbermedaille.
Dirk Müller hat bei den 18. Offenen Berliner Senioren-Meisterschaften im Fechten den Titel mit dem Degen geholt.