Bis heute seien "mit Sicherheit" weitere Straftaten dazugekommen, gestand Jürgen Huber ein. Und: "Das Dunkelfeld ist mit Sicherheit groß." Denn Verstöße gegen das BTM sind sogenannte Kontrolldelikte. Das heißt, sie werden nur dann festgestellt, wenn durch Polizei oder Ordnungsamt zielgerichtet kontrolliert wird. "Es gibt sicher auch etliche Straftaten die uns nicht bekannt sind", so der PI-Chef.
Noch zu Beginn der Pressekonferenz hatte Jürgen Huber festgestellt: "Der Lennépark bildet aus unserer Sicht keinen Schwerpunkt." Und: Die Polizei stelle lediglich fest, "dort werden in geringen Mengen Drogen konsumiert". Vom Handel mit Drogen hatte er zunächst nichts erwähnt. Wenig später bestätigte aber Frank Bonack, Leiter des Polizeireviers in der Halben Stadt, dass im Lennépark sehr wohl mit Drogen gehandelt werde oder zumindest gehandelt worden ist. "Wir haben dieses Phänomen ja direkt vor der Haustür", sagte er, "seit Beginn der wärmeren Jahreszeit ist uns das Problem bekannt." Die Polizei habe deshalb schon frühzeitig zivile Fahnder eingesetzt und Streifen - zum Teil gemeinsam mit dem Ordnungsamt - aktiv werden lassen.
Die MOZ hatte mehrfach auf die Probleme mit Drogenhändlern hingewiesen. Leser hatten sich an die Redaktion gewandt. Im Nachhinein berichtete etwa Frederike Rönitz (17) aus Frankfurt von einem Rollstuhlfahrer, der ihr im Park nicht nur Cannabisprodukte, sondern auch Kokain und Speed anbot. Und der Gastronom Torsten Bechmann erzählte davon, wie seinem elfjährigen Sohn im Lennépark von zwei Männern Drogen angeboten wurden. "Ich war in der Nähe, habe die Männer aber leider nicht mehr erwischt."
Revierleiter Frank Bonack schätzte ein: "Wir konnten die Szene beunruhigen, es ist eine klassische Verdrängung erfolgt." Bei den von der Polizei ertappten festgestellten Drogenhändlern handle es sich ausschließlich "um Personen aus dem Umland bis Berlin. Diese Händler sind keine Frankfurter." Und es seien auch "keine in Frankfurt untergebrachten Asylbewerber".
Die Polizei wird den Kontrolldruck im Lennépark aufrechterhalten. Zivilstreifen werden auch weiterhin eingesetzt. Wie lange noch, ist allerdings offen.