Seit mehreren Jahren verhandeln nun schon das Umweltministerium, das Landesumweltamt und der Zweckverband Wasserver- und Abwasserentsorgung Fürstenwalde und Umland (ZVWA) über die Erweiterung des Fürstenwalder Klärwerkes. Hauptknackpunkt ist die Frage, wohin das geklärte Abwasser entsorgt wird. Bisher wird es verrieselt. Das hätte der Zweckverband weiterhin auch gerne getan, ist es doch die kostengünstigste Variante. Da die Verrieselung aber nicht mehr erlaubt ist, hätte der ZVWA gerne eine Einzelfallprüfung gehabt. Das Landesumweltamt war dagegen.
Statt dessen soll das Abwasser, wie schon lange im Gespräch, in die Müggelspree geleitet werden. Das allerdings ist ein besonders geschütztes Gebiet, für das besondere Auflagen gilt. Im Laufe des Verfahrens forderte das Landesumweltamt deshalb eine 4. Reinigungsstufe. "Es war auch die Rede von einer Membrananlage", so Marlies Görsdorf, technische Geschäftsführerin des ZVWA. "Das hätte die Kosten für die Klärwerkserweiterung mehr als verdoppelt." Auch sei der Betrieb später teuer. Momentan geht der Zweckverband von Baukosten bis zu 7 Millionen Euro aus.
Im Vergleich dazu sind die Mehrkosten, von denen der Zweckverband nach weiteren Gesprächen und Gutachten nun ausgeht, fast bescheiden. Im Zuge der Klärwerkserweiterung, die aus Sicht des Verbandes längst überfällig ist, sollen nun zusätzlich zwei sogenannte Ablauf- speicher entstehen. Dort kann das gereinigte Abwasser zwischengespeichert werden und dosiert in die Müggelspree fließen.
Wobei die Speicher nur in Extremfällen zum Einsatz kommen sollen. Als Beispiel nennt Marlies Görsdorf Niedrigwasser in der Müggelspree und Dauerregen. Dann fällt viel Abwasser in der Kläranlage an, damit aber auch viel gereinigtes Wasser, das in die Müggelspree abgeleitet wird. In solch einem Fall besteht die Gefahr, dass sich die Qualität des FFH-Gebietes (Flora-Fauna-Habitat) verschlechtert - und das darf laut Gesetz nicht sein. Es gilt ein Verschlechterungsverbot. Marlies Görsdorf berichtete jüngst in der Zweckverbandsversammlung, dass nun die Chance besteht, das jahrelange Genehmigungsverfahren zu einem Ende zu führen. "Wir wollten eine ökologische Lösung, die auch vertretbar für die Bürger ist", so Marlies Görsdorf.
Die technische Geschäftsführerin geht davon aus, dass noch im November die Planungen für die Erweiterung vorliegen. Dann beginnt das Baugenehmigungsverfahren beim Bauordnungsamt. Der Auftrag, immerhin mehrere Millionen schwer, muss europaweit ausgeschrieben werden. Ob deshalb mit einem Bau im kommenden Jahr begonnen werden kann, ist eher fraglich.
Was nach jetzigem Stand aber sicher ist, dass die teure Investition nicht dazu führt, dass die Gebühren der ZVWA-Kunden erhöht werden müssen, unterstreicht Marlies Görsdorf.