"Er kommt, er kommt!", ruft Billy seiner Mutter Eva Polenz aufgeregt zu. Sie hatte mit ihrem achtjährigen Sohn sowie den Töchtern Julie (6) und Sally (1) die Wartezeit auf die Fahrbibliothek am Mönchwinkler Spreeufer überbrückt. Das ist jetzt uninteressant, denn der Junge freut sich schon auf neuen Lesestoff. Tierbücher sind sein Favorit, Julie mag eher welche mit Prinzessinnen. "Und wenn ich nicht aufpasse, räumt Sally die Regale aus", erzählt die junge Mutter, die seit dem Sommer alle zwei Wochen dem Bücherbus einen Besuch abstattet. Genau wie Angela Broz. Allerdings kam die heute 31-Jährige schon als Jugendliche hier her und jetzt erneut - mit ihren Kindern. Florian (6) und Miriam (4) suchen sich nicht nur Bücher sondern auch Hör-CDs aus. Den angeboten Medien bescheinigt die Mönchwinklerin eine sehr gute Qualität.
Der Zuwachs der Leserschaft in dem Grünheider Ortsteil hat dazu geführt, dass der Bücherbus - ein umgebauter Lkw - dort inzwischen statt 20 sogar 45 Minuten hält. Trotzdem gibt es jede Menge Arbeit. Edgar Bunde, der die Fahrbibliothek seit 2002 steuert, kommt stets mit Verstärkung an. "Anders wäre das mit der Ausleihe und Rückgabe nicht zu meistern", erläutert seine Kollegin Susann Klose. Allerdings lasse das Internet an den Standort zu wünschen übrig, brauche sie etwas mehr Geduld.
Von der längeren Standzeit profitieren auch Stammleser wie die Hangelsbergerin Eva Netta. Die 78-Jährige leiht nicht nur Bücher aus, sondern hinterlässt stets noch einen handgeschriebenen Wunschzettel für ihren nächsten Besuch. Andere Leser wählen für ihre Bestellung den moderne Weg. Seit einer Weile kann der Katalog online eingesehen, die Lektüre so geordert und die Ausleihe von zu Hause auch online verwaltet werden. "Und wir bieten rund um die Uhr digitale Medien zur Ausleihe an", verweist Susann Klose auf das Angebot unter www.onleihe.de/los24. Dahinter verbirgt sich ein Verbund von Bibliotheken und steht allen Lesern dieser Einrichtungen zur Verfügung.
Der Bus begibt sich allwöchentlich mit rund 4000 Medien im Gepäck auf seine rund 500 Kilometer lange Tour. Dabei weiß Edgar Bunde ganz genau, wann die Fuhre im Heckteil in Gefahr gerät. "Es gibt Straßen, die können wir bei Eis und Schnee nicht benutzen", sagt der 51-Jährige. Zweifelsohne eine der schlimmsten sei die Weinbergstraße in Woltersdorf. Da purzele seine Fracht regelmäßig aus dem Regal. "Ich hatte die Bücher schon mal mit einem Gummi gesichert, das ist aber ungünstig fürs Herausnehmen und wieder Einsortieren." Auch die Straße nach Kienbaum habe ihre Tücken. Bunde kennt jede Delle.
Dass er in Mönchwinkel so viel zu tun hat, empfindet er als Freude. "Besser, als wenn ich auf Leser warten muss." Der Beeskower kennt die Leseneigungen seiner Gäste, kann so auch Passendes empfehlen. Und er beobachtet, dass bei dem Besuch der Fahrbibliothek Bekanntschaften gepflegt werden. "Da wird sich über das Neueste aus dem Ort ausgetauscht oder sich zur Tasse Kaffee eingeladen."
Und nutzt Edgar Bunde den Bücherbus für sich? "Ich will schon lange das Buch ,Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand' lesen, aber es ist immer ausgeliehen und hat eine lange Warteliste." Obwohl der 51-Jährige an der Quelle sitzt, gehen die Wünsche der Leser für ihn stets vor. "Das ist doch selbstverständlich."