Das Bad Saarower Helios-Klinikum schließt seine Patienten-Bibliothek. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgegangen, wird der Schritt begründet. Patienten konnten dort kostenlos Bücher ausleihen.
In punkto Größe konnte es die Bibliothek im Helios-Klinikum Bad Saarow locker mit der ein oder anderen Gemeindebücherei aufnehmen. Etwa 12?000 Bücher warteten dort darauf, gelesen zu werden. Damit ist jedoch bald Schluss. Die Bibliothek schließt für immer ihre Pforten. Seit der Helios-Konzern vor fünf Jahren das Krankenhaus übernommen hatte, war sie nur noch von ehrenamtlichen Kräften betreut worden. Der Grund für das Aus liegt nach Angaben von Klinikums-Sprecherin Anja Paar jedoch schlicht in der sinkenden Nachfrage - und auch im medizinischen Fortschritt. „Unsere Patienten halten sich im Schnitt immer kürzer bei uns auf“, sagt sie. Außerdem brächten mehr und mehr Patienten ihren Lesestoff selber von zu Hause mit.
Genau genommen wird mit dem Ende der Bibliothek eine Art Rückzug auf Raten abgeschlossen, der mit dem Einstieg von Helios begann. Als die Humaine-GmbH Träger des Krankenhauses war, arbeitete noch eine hauptamtliche Kraft in der Bibliothek, zu der damals auch eine wissenschaftliche für die Ärzte gehörte. Unter dem Helios-Dach können die Mediziner auf digitalisierte Werke zurückgreifen. Als in diesem Jahr der Neubau des Klinikums eröffnet wurde, behielten die Bücher ihren angestammten Platz im alten Pförtnergebäude, rechterhand des Weges zum neuen Haupteingang.
Das Klinikum hat mittlerweile begonnen, den Bestand zu veräußern. „Ein Buch kostet ein bis zwei Euro. Was wir dadurch einnehmen, wollen wir einem sozialen Zweck zur Verfügung stellen“, sagt Anja Paar. Das Klinikum droht jedoch, auf vielen Büchern sitzen zu bleiben. Denn wie Anja Paar, zu Humaine-Zeiten selber für die Bibliothek verantwortlich, beobachtet hat, ist der „Markt“ für gebrauchte Bücher quasi übersättigt. „Wir haben Antiquariate kontaktiert, sind dabei aber nicht auf Interesse gestoßen“, berichtet sie. Im Gegenzug habe es immer wieder Anfragen von Privatpersonen gegeben, die Bücher aus ihren Beständen an das Klinikum abgeben wollten. „Es gibt zu viele Bücher“, folgert Anja Paar. Was das Klinikum mit den übrigen Büchern mache, sei noch offen. Vorerst jedoch ist die Bibliothek weiter zwei Mal pro Woche zum Verkauf geöffnet. Annemarie Schramm, Irene Hauptstein, Ulf-Dieter Muschlin und Gerda Klatt, über die zuletzt auch die Ausleihe lief, kümmern sich darum. Dass die vier Ehrenamtler dann aber aufhören wollen, kann Anja Paar verstehen. „Wenn das Interesse der Patienten stetig nachlässt, wird natürlich auch die Lust der Ehrenamtlichen geringer“, sagt sie.
Die Bibliothek ist dienstags und donnerstags von 14 bis 16 Uhr zum Verkauf geöffnet.