Enrico Stief steht das Wasser nicht erst seit gestern bis zum Hals. Bereits vor zwei Wochen musste der Spreenhagener Landwirt seine Rinder von seinen Weideflächen nehmen. Jetzt stehen sie bei einem Kollegen. Das ist nicht das Schlimmste. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, sagt er. Die Grasnarbe sei vernichtet, alles voll „Moder und Unrat“. Seit einem Monat füttere er Heu zu. „Ich habe kein Futter für den Winter mehr“, sagt Stief. Seit 37 Jahren betreibt er Landwirtschaft in und um Spreenhagen. „So schlimm, wie dieses Jahr, war es mit dem Hochwasser noch nie“, sagt er.
Für das Wochenende rechnet das Landesumweltamt erneut mit steigenden Pegeln. An der Spree gilt Hochwasserwarnstufe I. Um zwei Zentimeter in zehn Stunden stieg das Wasser am Freitag. Am selben Tag ordnete Landrat Manfred Zalenga an, dass Landwirte Tiere und Technik von den Spreewiesen evakuieren müssen.
„Bei uns rief das Ordnungsamt an“, sagt Ursula Brettschneider, von der Brettschneider GbR aus Hartmannsdorf. „Wohin sollen wir die Tiere treiben?“, fragt sie. Bei Kirchhofen und Hartmannsdorf sei längst alles überflutet. Selbst in Neu Hartmannsdorf bekommen Kühe und Kälbchen nasse Füße. Noch schlimmer trifft es Volker Schmohl, mit seinen 800 Tieren. „Der Betrieb Dr. Lehmann muss wahrscheinlich aufgelöst werden“, sagt er. An die Rinder komme er nicht mehr ran. „Aber darum sollen sich die kümmern, die das Hochwasser verursachen“, sagt er mit Blick auf das Landesumweltamt. Dort wollte sich am Freitag niemand äußern.