"Papa, wie ist die Welt?" Mit dieser einfachen und doch so schwer zu beantwortenden Frage eines Jungen begann die gut einstündige "Jugendfeier", wie der Verband seine Veranstaltungen nennt. Die Antwort von Schauspieler Tassilo-Elenor Ebersbach, der die meisten Texte und viele der Lieder schrieb, fiel mit "ziemlich bunt" zunächst relativ knapp aus. Aber im weiteren Verlauf des Programms erfuhren der "Sohn", auch im wirklichen Leben Ebersbachs Sprössling, und die anderen Jugendlichen so einiges darüber, was auf sie in den nächsten Jahren zukommen könnte.
Songs wie "Setz die Segel" und "Das erste Mal" zeigten, wo es lang geht: in eine Zukunft mit Hoffnungen und mancher Enttäuschung, mit Freude und gelegentlich Schmerz. Die Jungen und Mädchen der Gruppen "Grooves in Motion", "Step & Dance" sowie Captain Delta mit Dan, Anne und Marianna führten auf unterhaltsame Weise vor, wie sich Erwachsenwerden anfühlt.
Die 24 Jugendlichen, um die es eigentlich ging und die in Fürstenwalde, Erkner, Hangelsberg, Briesen, Bad Saarow und Königs Wusterhausen zur Schule gehen, verfolgten gebannt das Bühnengeschehen. Fast schien es ihnen die Sprache verschlagen zu haben, als Moderator Ebersbach fragte, wie ihnen das Programm gefalle. Denn zurück kam nur ein müdes: "Äh, gut." Deutlich begeisterter reagierten die Eltern, Verwandten und Freunde, als sie um ihre Meinung gebeten wurden.
Der Humanistische Regionalverband Ostbrandenburg gehört mit dem Bildungswerk Berlin-Brandenburg zu den großen Anbietern von Jugendweihen in der Region. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diesen Lebensabschnitt mit den "Humanisten" zu begehen. Empfohlen wird unter anderem, für 35 Euro an einem Wochenendkurs teilzunehmen. Die Teilnahme an der Feier mit Verwandten und Freunden kann dann nochmal deutlich über 100 Euro kosten. Jugendweihen werden als Alternative zur Konfirmation (protestantisch) und der Firmung (katholisch) seit mehr als 150 Jahren gefeiert. Zwischen 1919 und 1933 war die Jugendweihe fester Bestandteil der Feierkultur der Arbeiterbewegung. Während der Zeit des Nationalsozialismus war das Fest verboten. Nach 1954 entwickelte sich die Jugendweihe in der DDR zum weit verbreiteten gesellschaftlichen Ritual.
Und wie fühlt man sich nach der Feier - ein Stück erwachsener? Die 14-jährige Kimberly-Elaine Burmeister aus Briesen sagt: "Ja, ein bisschen schon. Man hat seinen eigenen Abend mit einer schönen Feier. Außerdem war es interessant, die Songs und die Texte zu hören." Christoph Ehrt, ebenfalls 14, aus Trebus bestätigt: "Ja. Jetzt beginnt der Ernst des Lebens." Und die Show sei "super" gewesen.