Ab 1. April, so wie üblich, können Sportbootfahrer wieder über die Storkower Gewässer schippern, jene Bundeswasserstraße, die aus Richtung Berlin kommt und am Scharmützelsee-Nordufer in Bad Saarow endet. Montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 9.30 Uhr bis 19 Uhr können die automatisch arbeitenden Anlagen in Kummersdorf, Storkow und Wendisch Rietz von Ausflüglern betätigt werden.
Die Uhrzeiten sind es, die Ellen Rußig, der Geschäftsführerin des Tourismusverbands Seenland Oder-Spree mit Sitz in Bad Saarow, zu einer drastischen Aussage veranlasst. "Das ist eine Frechheit", schimpft sie. Die Schleusenzeiten entsprechen denen der vergangenen zwei Jahre - doch angekündigt gewesen sei anderes, sagt Ellen Rußig. Vom Bundesverkehrsministerium habe es im Vorfeld eine Zusage gegeben, die Schleusenzeiten wieder zu erweitern, um in etwa auf den Stand bis 2014 zurückzukehren. Damals wurde an Wochenenden bis 22 Uhr geschleust, ehe die Zeiten wegen Personalmangels, so die Begründung des Wasser- und Schiffahrtsamtes (WSA) Berlin, einer Bundesbehörde, verkürzt wurden.
"Wir hatten uns darauf verlassen, dass dieses Jahr wieder länger geschleust wird", sagt die Verbandschefin. "Nun ist es ohne Vorankündigung und ohne Kommentar doch anders. Wir sind entsetzt und deprimiert." Bereits in den vergangenen Jahren hatten Touristiker vor einem Gäste-Rückgang gewarnt, wenn eine Rückkehr Richtung Berlin für Sportbootfahrer abends nicht mehr möglich ist.
Eine letzte vage Hoffnung, dass sich dieses Jahr noch etwas tun könnte, hat Ellen Rußig immerhin. Für Anfang Mai sei ein Gespräch zwischen Touristikern und dem WSA angesetzt. "Wir hoffen, dass die Zusagen der Behörden dann doch noch eingehalten werden", sagt sie.
Bis Gründonnerstag ist vom Scharmützelsee aus nur ein Pendelverkehr bis zur Schleuse Kummersdorf möglich. Denn an der Anlage im Storkower Kanal laufen noch Bauarbeiten. Im Schleusenvorhafen in Richtung Storkow wird eine neue Spundwand errichtet, die eine beschädigte alte Konstruktion ersetzt. Das teilte Lars Doering, zuständiger Sachbereichsleiter im WSA Berlin, am Dienstag auf Nachfrage mit. Bootsfahrer nutzen den Bereich, an dem jetzt gebaut wird, um während des Wartens auf die Schleusung am Ufer festzumachen.
An dieser Verzögerung stört sich Ellen Rußig weit weniger als an den nach ihrer Sicht zu kurzen Betriebszeiten. "So richtig geht die Saison ohnehin erst Ostern los", sagt sie. Dass die Arbeiten dann pünktlich beendet sind, wollte Doering allerdings nicht versprechen. Der Start der Maßnahme sei erst Ende Februar möglich gewesen, nachdem der Kanal eisfrei war.