Dies sei jedoch erst der Anfang eines langen Wachstumsprozesses, denn bis die noch kleinen Bäume einmal Frucht tragen und Schatten spenden, wird es noch lange dauern, sagte Stiftsamtfrau Gabriele Pielke.
Sie erinnerte an die Geschichte des Ortes: Das Kloster Zehdenick wurde 1250 als ein Zisterzienser-Nonnenkloster gegründet. Im Zuge der Reformation erfolgte im Jahre 1541 die Umwandlung in ein adliges Damenstift im Eigentum des Staates. Die Gartenräume bildeten die Außenanlagen des Klosters. Nonnen, Stiftsdamen und Pfarrer hatten innerhalb der Klostermauer Parzellen zur eigenen Nutzung.
Im Zuge der Bodenreform wurde das Stift der Kirche übereignet, die ihrerseits die Gebäude als Wohnraum für Mitglieder der Kirche nutzte. Das rund zwei Hektar große Areal wurde als Kleingartenfläche mit mehr als 50 Kleingärten genutzt.
Nach der Wende wurden die Kleingärten nach und nach verlassen. Neue Pächter fanden sich nicht. Schließlich waren mehr als die Hälfte der Kleingärten nicht mehr verpachtet und befanden sich in einem mehr und mehr verwahrlosten Zustand. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, den Garten wieder so zu gestalten, dass er zum Kloster passend erscheint, und auch dem historischen Bild nahe kommt, entschied sich das Stiftskapitel für die Anlage einer Streuobstwiese. Diese war vermutlich schon in frühesten Zeiten auf dem Gelände außerhalb der Gartenmauer des Klosters vorhanden. Das Problem bei der Umgestaltung der großen Gartenfläche waren die Finanzen. Das arme Stift hatte nämlich nicht die Mittel. Zuschüsse von der Kirche, wie sie bei manchen Baumaßnahmen gewährt werden können, waren ausgeschlossen. Ein Gartenarchitekt, den man um ein Angebot ersuchte, schätzte die Kosten mit einer Million Euro ein, was außerhalb aller Möglichkeiten gelegen habe.
Nach längerer Suche konnte Stiftsamtfrau Pielke den Kontakt zur Flächenagentur Brandenburg herstellen. Denn diese Gesellschaft setzt Projekte im Sinne der naturschutzfachlichen Eingriffsregelung um. Da die Fläche so außerordentlich stark mit den Hinterlassenschaften, die großenteils aus Asbest bestanden, vermüllt war, eignete sie sich auch für eine Renaturierung. Das Stift habe daher mit der Flächenagentur einen Vertrag geschlosen, wonach die Flächenagentur auf eigene Kosten die Streuobstwiese herstellte und sie auf 25 Jahre unterhält. Gleichzeitig kündigte das Stift die noch verbliebenen Kleingärten bis auf einige wenige. Bei der Planung durch Berliner Landschaftsarchitekten wurden die Geschichte der Gärten, die vorgefundene Terrassierung, Bäume und historische Mauern berücksichtigt. Blickbezüge zur Landschaft und aus der Landschaft zum Kloster seien freigehalten und die Bäume mit ausreichend großen Abständen gepflanzt worden. Eine große Vielfalt an Obstarten wurde mit dem Nutzer abgestimmt. Vornehmlich sind stark wachsende und langlebige historische Sorten gepflanzt worden. Indem das Augenmerk auf die Naturnähe gelenkt wurde, also alle Anklänge an eine Parklandschaft vermieden wurden, konnte das Vorhaben wesentlich preiswerter realisiert werden.
Im Frühjahr 2014 erfolgten Abriss und Rückbau von Versiegelungen durch die Firma Gerth sowie die Anlage der Streuobstwiese als extensiv genutzte Frisch- und Feuchtwiese mit Verzicht auf Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Der Klostergarten präsentiert sich seit diesem Frühjahr als eine mit Obstbäumen bestandene Wiesenfläche, die den historischen Gebäuden und Mauern einen würdigen Rahmen verleihe, so Pielke. Eine Streuobstwiese als Element der traditionellen Kulturlandschaft bedeute hier im Klostergarten eine besonders hohe Aufwertung, da sich die Fläche in besonderer historischer Lage befinde und eine ausgleichende Funktion auf das Stadtklima habe. Der Bereich des Gartens befinde sich gut einsehbar direkt unterhalb der B 109.
Die Flächenagentur hat mit Reiner Merker einen kompetenten Partner gefunden, mit dem sie einen auf 15 Jahre laufenden Vertrag zur Pflege der Streuobstwiese geschlossen hat. Er habe die Bäume gepflanzt, werde in Zukunft die Rasenfläche mit Schafen beweiden und sich um die Pflege der Bäume kümmern. Damit sie gut bestäubt werden können, hält Wolf Winter auf dem Areal seine Bienenvölker.
Das Stiftskapitel sei zuversichtlich, dass mit diesem Schritt ein langfristiger Prozess eingeleitet wurde, der sowohl einen Beitrag zum Umweltschutz leiste, als auch der Stadt und dem Kloster zu einem erfreulichen Blickpunkt verhelfe, so Pielke. Die erste Apfelernte wird allerdings noch zehn Jahre auf sich warten lassen. Ein wenig früher werden voraussichtlich die erste Kirschen und Mirabellen verkostet werden können, sagte Merker.
Der Stiftsgarten ist, wie schon früher, zu Fuß für jedermann zugänglich. Es wird gebeten, sich dem Kloster als Ort der Stille entsprechend zu verhalten.