Die Lackierei von Beltec unweit der Zehdenicker Straße ist Ausgangspunkt eines gefährlichen Feuers. Erst wütet es in der Werkhalle, anschließend greift es auf benachbarte Gebäude über. Schwerverletzte müssen ausfindig gemacht und gerettet werden. So lautet das im Vorfeld erarbeitete Szenario.
Binnen Sekunden muss das Team der Einsatzleitung um Stadtbrandmeister Dirk Stolpe die Situation erfassen und schwerwiegende Entscheidungen treffen. Gemeinsam mit der Sondereinsatzgruppe des DRK Kreisverbandes Gransee müssen die Feuerwehrleute eine komplette Infrastruktur der Rettung organisieren. Nahezu zeitgleich ist der Brand unter Kontrolle zu bekommen - Schläuche sind auszurollen, Verbindungsstutzen müssen herangeschafft, CO2-Düsen angeschraubt werden. Nicht weniger als das Zusammenspiel aller Brandschützer der Wasserstadt wird geprobt - in Echtzeit, also bei vollem Tempo. Zudem fahren Kollegen der städtischen Feuerwehr Lychen vor, die nahtlos zu integrieren sind.
Die Einsatzkräfte springen in voller Montur aus den Fahrzeugen, einige haben bereits die Atemschutzausrüstung angelegt. Die Vorhut macht sich auf den Weg zum Brandherd, versucht in die aus allen Ritzen qualmende Lackiererei einzudringen. Zwei Brandschützer rutschen auf den Knien ins Gebäude - weil der Qualm in Kopfhöhe die Sicht total versperrt. Totale Finsternis umgibt sie, Hilfeschreie dringen zu ihnen. Zehn zum Teil schwer Verletzte werden nach draußen bugsiert, kommen auf Tragen und anschließend zu den DRK-Helfern. Geschafft, aber Pause kommt nicht in Frage: Sofort geht es zurück zum Unglücksort. Bevor gelöscht wird, müssen alle Opfer in Sicherheit gebracht. Unterdessen hat das DRK bereits ein kleines Zeltlager errichtet, macht sich für die Erstversorgung bereit.
Das Zusammenspiel klappt bestens, freuen sich die Zaungäste, Fürstenbergs stellvertretender Bürgermeister Sebastian Appelt und Ordnungsamtsleiterin Undine Wunderlich. Und die Gastgeber an diesem Vormittag, die Beltec-Geschäftsführer Tom Harm und Willi Grossmann, sind erleichtert. Eine Selbstverständlichkeit sei für das Unternehmen zwar, mit der Stadt und der Feuerwehr zu kooperieren, betont Grossmann. Er bewundere, wie reibungslos die Handgriffe sitzen und mit welchem Engagement die Ehrenamtler dabei sind. "Aber es ist doch so, man nimmt sie im Alltag nicht wahr, wenn man sie benötigt, freut man sich, wenn alles funktioniert", erklärt Grossmann. Freilich gibt es bei der Firma, wo etwa 70 Mitarbeiter beschäftigt sind, eine Tradition des Brandschutzes - schon zu DDR-Zeiten, als das Unternehmen noch "VEB Schiffselektronik" hieß und größter Arbeitgeber der Region war. Damals wurde wegen des Umgangs mit gefährlichen Farben und Lösungen eine Betriebsfeuerwehr gegründet und ein kleiner Löschteich errichtet. Eng verbandelt ist Beltec auch jetzt personell mit der Wehr: Der Chef der Schweißaufsicht, Detlef Zander, leitet zum Beispiel Lychens Wehr.