Ersten Fahrplan-Veröffentlichungen der Deutschen Bahn AG im Internet zufolge soll eine Fahrt von Fürstenberg nach Berlin günstigstenfalls sieben Stunden dauern, schlimmstenfalls 21 Stunden. Bahnsprecher Gisbert Gahler ließ gestern keinen Zweifel an der Seriosität der Internet-Information aufkommen: „Das ist schon ernst gemeint, sonst würden wir so etwas nicht veröffentlichen. Unsere Kunden müssen ihre Reisen planen können.“ Detailabstimmungen über den Schienen-Ersatzverkehr seien zwar noch nötig, „aber das Gerüst steht“, sagte Gahler.
Dass die Kunden die Online-Fahrpläne nicht ernst nehmen sollten, rät hingegen die Sprecherin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), Elke Krokowski. „Die Verbindungen, die man jetzt im Internet findet, bilden nicht das Ersatzkonzept ab“, sagte sie. Dieses Ersatzkonzept müsse bis spätestens Ende April vorliegen.
Auch in Zehdenick herrscht bereits dicke Luft unter den Pendlern, denn auch die Verbindung Richtung Templin wird von der siebenmonatigen Vollsperrung der Hauptstrecke betroffen sein. Die Fahrzeit der Pendler von Zehdenick nach Berlin könnte sich von einer auf zweieinhalb Stunden verlängern. Statt des Frühzuges morgens um 5.43 Uhr sollen die Kunden auf den Bus ausweichen. Die Fahrt mit zweimal umsteigen nach Oranienburg dauert zwei Stunden. Zurzeit weist die Bahn in ihrer Veröffentlichung nur existierende Buslinien als Ersatzverkehr aus. Dass es dabei bleiben wird, bezweifelt allerdings der Chef der Oberhavel-Verkehrsgesellschaft (OVG), Klaus-Peter Fischer. Der Schienenersatzverkehr sei nicht ausgeschrieben worden. Bei dem zu erwartenden Umfang der einzusetzenden Busse müsse eine solche Ausschreibung in spätestens sechs Wochen erfolgt sein. Mit der Organisation des Ersatzverkehrs ist Fischer allerdings alles andere als zufrieden: „Es gibt erhebliche Probleme bei der Koordination.“ Verärgert reagierte die Prignitzer Eisenbahn (PEG) auf die Veröffentlichung der Bahn AG. Eine Sprecherin betonte, dass sich ihr Unternehmen noch in der Abstimmung unter anderem mit dem Infrastrukturministerium Brandenburg befinde.
Die Darstellung entspricht im Prinzip auch dem derzeitigen Kenntnisstand der Kommunen. Fürstenbergs Bürgermeister Robert Philipp (parteilos) erklärte gestern auf GZ-Nachfrage, das letzte Wort sei noch längst nicht gesprochen. Voraussichtlich werde die Bahn neben dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einen eigenen Schienen-Ersatzverkehr einsetzen.
Auf Pendler kommen schwere Zeiten zu: Ab 10. September ist die Bahnlinie zwischen Oranienburg und Neustrelitz gesperrt. Schienenersatzverkehr soll eingerichtet werden. Die Busse dürften jedoch länger unterwegs sein. Strittig ist noch, wie lange die Fahrt tatsächlich dauert