Im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung der Deutschen Bahn vom 30. Januar hatte Bombardier mit deutlichen Worten die Absicht des Staatsunternehmens kritisiert, sich bei der Bewerbung um den Berliner S-Bahn-Auftrag bereits auf Stadler und Siemens als Lieferanten der 388 Wagen festzulegen. Indirekt war auch mit juristischen Schritten gedroht worden. "Das war eine gute Entscheidung der Bahn, die einen offenen und fairen Wettbewerb garantiert", kommentierte Bombardier-Sprecher Dr. Sebastian Heindrichs den eingeschlagenen Weg der DB AG.
Zwar hat sich Bombardier ebenfalls um den vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg ausgeschriebenen Auftrag beworben, ab 2017 fünf Berliner S-Bahn-Linien zu betreiben und die Fahrzeuge zu bauen. Doch das Unternehmen möchte gern mehrgleisig fahren. Für den Fall, dass die DB AG die Ausschreibung Ende des Jahres gewinnt, will der Hennigsdorfer Schienenfahrzeugbauer zumindest die Chance haben, die benötigte S-Bahn-Flotte zu produzieren. "Wir werden gegenüber der Deutschen Bahn unseren Hut in den Ring werfen", kündigte Heindrichs an. Er ließ auch durchblicken, dass Bombardier unter bestimmten Bedingungen überlegen könne, von der eigenen Bewerbung zurückzutreten. "Aber dafür ist jetzt noch nicht der richtige Zeitpunkt."
Der Bau der neuen S-Bahn sei für das Hennigsdorfer Werk sehr lukrativ, weil der Auftrag für mindestens 15 Jahre die Wartung und alle Reparaturen der Fahrzeuge beinhalten würde.
Für "sehr ambitioniert" hält Heindrichs die Vorgabe, dass der künftige S-Bahn-Betreiber 2017 bereits mit neuen Fahrzeugen starten soll. "Vielleicht kann man zum Start eine Tranche liefern", gibt sich der Sprecher optimistisch. Auf jeden Fall würde der Bau mehrere Jahre in Anspruch nehmen.