Nach der Entscheidung der Kreisverwaltung, die Nutzungsgenehmigung für den früheren Kasernenbau im Schlosspark als Schule bis 2030 aus denkmalschutzrechtlichen Gründen nicht zu erteilen, beriet der Bildungsausschuss am Dienstag zusammen mit Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) über die Alternativen. Die Stadt will nun durchgängig vier Züge an der neuen Comeniusschule in Süd etablieren. Außerdem soll in der Havelschule künftig in fünf Zügen unterrichtet werden. Dazu soll neben der Schule ein Neubau entstehen mit Platz für die ersten Klassen und den Hort.
Der dort bestehende frühere Bürobau des VEB "Komplexer Wohnungsbau" soll nun doch nicht saniert werden. Das sei zu aufwendig, so Laesicke. Ein Neubau könne so geplant werden, dass er später ohne große Umbauten auch anders genutzt werden könne, wenn die Schülerzahlen sinken. Werde der "Schuhkarton" nicht mehr benötigt, sollte er abgerissen werden, wurde wiederholt gefordert.
Im Bildungsausschuss geht die Mehrheit aber von einem dauerhaften Einwohnerzuwachs aus. Deshalb müsse der Bau einer neuen Grundschule vorangetrieben werden, hieß es. Auch eine neue Kita mit großer Kapazität müsse entstehen. Die Stadt hält dafür ein Grundstück in der Julius-Leber-Straße bereit. Bürgermeister Laesicke warnte vor "schnellen Lösungen". Container als Übergangsvariante für Schul- oder Kita-Kinder seien der schlechteste Weg, auch aus städtebaulicher Sicht.
Mehrfach musste Laesicke erklären, warum der Comenius-Altbau nicht mehr nutzbar sei, dieser aber dennoch von der Stadtverwaltung zunächst zur Kita und später wieder zur Grundschule umgebaut werden sollte. "Sie spielen ein falsches Spiel", warf Bürgermeisterkandidat Enrico Rossius (Linke) Laesicke vor. Das wiederum sorgte für eine polemische Replik von SPD-Fraktionschef Dirk Blettermann, der seinen auf Rossius abgeschossenen Giftpfeil sogar mit einem Nazi-Vergleich versah.
Konstruktive Vorschläge kamen in der mehr als zweistündigen Sitzung seitens der Ausschussmitglieder allein von der CDU-Bürgermeisterkandidatin Kerstin Kausche. Zwar wurde die Idee, den Comenius-Altbau als Filiale der Havelschule einzurichten seitens der Verwaltung als nicht machbar eingestuft. Auf Wohlwollen stieß dagegen der Vorschlag, statt die Kinder der Fröbel-Kita während der Sanierung auf andere Einrichtungen und in Ersatz-Bauten unterzubringen, besser gleich nebenan neu zu bauen und nach Fertigstellung komplett umzuziehen. Der Platz sei da, das für die Modernisierung eingeplante Geld reiche auch für einen Neubau, sagte Kerstin Kausche.
Laesicke wollte derweil aufs Tempo drücken. Für Schuldzuweisungen sei keine Zeit: "Die Uhr tickt." Allerdings sind viele künftige Schul- und Kita-Standorte noch mit Fragezeichen versehen. Das Grundstück an der Rungestraße, wo die Hoffbauer-Stiftung eine Grundschule und eine Kita errichten und betreiben könnte, muss zunächst tiefgreifend von Altlasten befreit werden. Einen Termin für einen Baustart gibt es nicht.
Ob es mit dem Kreis Einigung zur Errichtung einer Schule auf dem früheren Kasernenareal in Lehnitz gibt, ist völlig unklar. Unklar ist auch, ob die geplante Innenstadt-Kita an der Speyerer Straße mit 150 Plätzen bis August 2019 realisiert werden kann. Dies hängt von der Entscheidung des Kreises ab, ob dort ein Bebauungsplan aufgestellt werden muss. Die Stadt will es nach jetzigem Stand ohne B-Plan schaffen.
Nahezu ausgeschlossen ist aus Sicht der Verwaltung der Bau eines zweiten Sportplatzes in Friedrichsthal. Dort werde das städtische Grundstück für den Bau der neuen zweizügigen Grundschule samt Trainingsplatz und Kleinspielfeld optimal ausgenutzt, sagte die Amtsleiterin für Grundstücks- und Gebäudewirtschaft Heidrun Gassan. Für mehr Fläche müsse dem Land Wald teuer abgekauft und dann langwierig planerisch umgewandelt werden. Der Fertigstellungstermin für die Schule zum Schuljahresbeginn 2021 wäre dann nicht zu halten, so Gassan.
Für weitere Investitionen müssen zunächst die beauftragten Machbarkeitsstudien fertig sein. Im März sollen dann die aktuellen Prognosen zur Entwicklung der Schülerzahlen vorliegen.
Die Verwaltung sei offen für Ideen, so Laesicke. Sein Vorschlag zur Fünfzügigkeit an der Havelschule stieß bei der Linken auf Ablehnung. Schulleiter Andreas Deutschländer sagte aber: "Wir stellen uns der Aufgabe. Ich will der Stadt helfen."