"Ich habe Dich so lieb! Ich würde Dir ohne Bedenken eine Kachel aus meinem Ofen schenken." Ob der Dichter Joachim Ringelnatz an eine märkische Ofenkachel dachte, als er diesen Vers schrieb, ist nicht bekannt. Doch seine Geburtsstadt Wurzen ehrte ihn anlässlich seines 100. Geburtstages 1993 mit einer Porträtkachel, auf deren Rückseite der Satz verewigt ist. Erhalten hat sie Gretel Bauer "als Anerkennung für Ihre geschätzte Mitarbeit bei der Redaktion Rundblick". Exponate wie diese aus einem Nachlass lagern im Depot des Veltener Ofen- und Keramikmuseums. 140 werden seit Sonntag im ersten Teil einer Jubiläumsausstellung gezeigt. Ankäufe und Schenkungen aus den vergangenen 20 Jahren erinnern an den 20. Jahrestag der Wiedereröffnung des Museums, das 1905 gegründet worden war.
"Seit über 100 Jahren widmen sich die Veltener der Wärme, den Wärmequellen", sagt Museumsleiterin Nicole Seydewitz. Das besondere Thema verkörpere eins der elementaren menschlichen Bedürfnisse. Öfen stehen für Behaglichkeit, Wärme, Muse und Geselligkeit. Nicht selten dienten sie früher Repräsentationszwecken oder als Mobiliar. Doch aus den Tiefen des Museumsdepots haben die Mitarbeiter nun auch Dinge ans Licht geholt, die man nicht unbedingt in der Sammlung vermuten würde. Zwei gläserne Biertulpen mit der Aufschrift "Veltener Ofenkacheln - im Dienste der wohligen Wärme" zum Beispiel. Schon 1905 registrierte Kantor Gustav Gericke, der das Museum gründete, Schenkungen. Über 7 000 Objekte umfasst die Sammlung mit den Schwerpunkten Ofenkultur sowie Zier- und Gebrauchskeramik inzwischen. 6 943 davon sind inventarisiert. Eingeteilt werden sie in den Altbestand, der sich im Eigentum der Stadt Velten befindet, und den Neuerwerb, der dem Förderverein des Museums gehört. Zum Altbestand zählt alles, was nach zwischenzeitlicher Schließung und Verkauf der kompletten Sammlung nach Berlin in den 1970er-Jahren, 1994 zurück in die Ofenstadt kam.
Die Rangliste der Schenkungen muss momentan beinahe wöchentlich korrigiert werden. So liegen die jüngsten Ankäufe erst zwei Wochen zurück. Eine 1920 in Velten-Vordamm produzierte Vase ist nun zu bewundern. Von einer Veltenerin stammen Teile eines schwarz-grünen Streifenservices von Hedwig Bollhagen. Ein Tagebuch der Brigade "Freidreher" übergab kürzlich die Hohen Neuendorferin Claudia Jacob, die 1977 in den HB-Werkstätten lernte. "Das Wort Ankauf irritiert ein wenig, denn reine Ankäufe kann sich der Förderverein gar nicht leisten", sagt Vorstandsvorsitzender Udo Arndt. 2 650 Schenkungen in 20 Jahren bilanziert er. Darunter sind 740 Kacheln und 400 Fliesen, ein Großteil stammt aus dem Deutschen Historischen Museum. Hinzu kommen 60 Kachelöfen, 23 Gussöfen, 15 Küchenherde und 15 Dauerbrandöfen. 220 Exponate stammen von Hedwig Bollhagen, der zwei Vitrinen gewidmet. "Wir haben selten die Möglichkeit auszuwählen, was wir geschenkt bekommen", räumt Arndt ein. Da es keinen Ankaufsetat gibt und regelmäßig Sponsoren gesucht werden, so dass alle Ankäufe letztlich doch Schenkungen sind.