Hatten Rehböcke bislang eine Schonzeit von 15. Oktober bis 15. Mai sind sie nunmehr auch im Winter nicht mehr sicher. "Der Rehbock wird zum Sündenbock gemacht und zum Wildschädling degradiert", sagt Werner Glanzer, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Oberhavel.
Ende Juni hatte das zuständige märkische Ministerium das Jagdgesetz geändert, um den jungen Landeswald vor Wildverbiss zu schützen, da das Land ab 2015 auf den Bau von Wildschutzzäunen verzichten will. Doch fällt der Zaun, müssen auch die Liebhaber junger Triebe fallen. "Nur um zu sparen, wird geschossen", regt sich Werner Glanzer auf. Glanzer geht allerdings davon aus, dass die Initiative für die Schonzeitveränderung von den Privatwaldbesitzer ausging. Er sagt: "Wildschutzzäune sind teuer." Die Verlängerung der Jagdzeit auf den Rehbock kann der Kreisjagdverband "aus tier- und artenschutzrechtlicher Sicht" nicht nachvollziehen. Rehwild habe wie jede andere Tierart eine Existenzberechtigung und "darf nicht Opfer von Wirtschaftsinteressen werden", so Glanzer. Schon jetzt werde durch eine "konsequente Bejagung" ein angemessener Rehwildbestand gewährleistet.
Nun befürchtet Glanzer, dass es insbesondere bei den Drückjagden im Herbst und Winter zu einem verstärkten Abschuss kommt. Dann haben auch Ricken keine Schonzeit mehr und der Jäger muss nicht mehr unterscheiden, bevor er abdrückt. Glanzer empfiehlt seinen Jagdgenossen weiterhin, die alte Schonzeitreglung anzuwenden und sich damit an das Bundesjagdgesetz zu halten. Denn Brandenburgs Fristregelung weicht von der des Bundes ab. (Kommentar Seite 2)