26 Jahre alt ist Marcel Stegen und seit einiger Zeit Kindergärtner in Lehnitz. Sechs Wochen im Jahr hat der Erzieher Urlaub, um sich von der Arbeit mit den Kita-Kindern erholen zu können. Und was macht er dann? Er kümmert sich um andere Kinder, als Betreuer im Ferienlager des Landkreises Oberhavel in Neuglobsow. Allein im vergangenen Jahr hat er dort vier Wochen verbracht. "Im Urlaub nur am Strand zu liegen und nichts zu tun, ist nicht unbedingt meine Sache. Es macht mir Spaß, im Ferienlager zu helfen, auch wenn das mal stressig ist. Aber ich freue mich auch immer, mit den Kindern schöne Sachen zu unternehmen und die anderen Betreuer zu treffen."
Junge Menschen, die sich ohne Verpflichtung engagieren, gibt es viele im Landkreis. Und die Liste der Geehrten war am Freitag solang wie die der Aufgaben, die sie nach Schulschluss oder Feierabend erledigen. Viele engagieren sich in Sportvereinen, Jugendclubs oder Jungen Gemeinden, organisieren Veranstaltungen, konzipieren Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche, starten Projekte für Toleranz oder helfen Flüchtlingen ganz konkret, wie die beiden Lehnitzer Schülerinnen Laura Klemp und Jasmin Dölle, die afghanischen Asylbewerbern nach Unterrichtsschluss selbst noch Deutschunterricht geben. In Bötzow haben Jugendliche durch ein Sportprojekt erreicht, dass Konflikte zwischen Altersgenossen aus dem Dorf und zugezogenen Spätaussiedlern der Vergangenheit angehören. Der Jugendbeirat aus Hohen Neuendorf hat langen Atem bei der Planung eines Skaterparks gezeigt. Jetzt wird er gebaut.
Welche Wertschätzung die Jugendlichen genießen, war schon an der Gästeliste erkennbar. Als Laudatoren traten der Bundestagsabgeordnete Uwe Feiler (CDU), die Landtagsabgeordneten Gerrit Große (Linke), Thomas Günther und Björn Lüttmann (SPD) sowie Kreistagsabgeordneten Karsten Peter Schröder, Benjamin Grimm (beide SPD) und Thomas von Gizycki (Bündnisgrüne) auf. Schirmherr der Veranstaltung war Oberhavels Bildungsdezernent Dieter Starke (SPD), der das Wirken der Jugendlichen in einer Ansprache würdigte. "Man kann dafür nicht genug danken", sagte Starke, der auch auf die vielen bei den Feuerwehren und im Technischen Hilfswerk verwies. "Ohne sie würde eine Gesellschaft nicht funktionieren, jede helfende Hand wird gebraucht."
Dirk Budach im Vorstand des Kreisjugendringes sagte, die Jugendlichen zeichnen ein anderes Bild als das einer egoistisch werdenden Gesellschaft, in der jeder nur noch an sich denke. "Sie kämpfen für eine bessere Welt, zeigen Zivilcourage und helfen Flüchtlingen, ihnen unsere Gesellschaft näher zubringen. Solche Menschen brauchen wir und nicht die, die alles immer nur schlecht reden."