Neben Annika Frenz-Funk von Café "Cup & Cake", die die Idee eines Pfandbechersystems für die Stadt beim Bürgerhaushalt 2019 einreichte, und der Dr.-Hugo-Rosenthal-Oberschule meldete sich lediglich noch Heike Marzahn vom "Fashion Outlet". Dabei verkauft sie gar keinen Kaffee. "Ich finde das Projekt toll und habe meine Unterstützung angeboten", erklärt sie ihr Interesse. Sie kann sich vorstellen, die Becher in ihrem Geschäft neben der Kirche zu vertreiben. "Die Becher müssen ja unter die Leute kommen", sagt die Geschäftsfrau.
Eher skeptisch steht Domenico Caci von der Eisdiele "Il Pistacchio" der Idee gegenüber: "Das lohnt sich bei uns nicht. Unsere Kunden kaufen sehr selten einen Kaffee zum Mitnehmen", sagt der gebürtige Sizilianer. Ähnlich sieht es auch Birgit Reiter vom "Arcaden-Café" am S-Bahnhof. "Die Leute setzen sich lieber auf unsere Terrasse und genießen in Ruhe ihren Kaffee." Sie verkaufe nicht oft einen Kaffee außer Haus. Trotzdem steht sie dem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber. Sie will sich jetzt im Rathaus dafür anmelden.
Die Idee von Annika Frenz-Funk, Hohen Neuendorf zu einer Einwegbecher-freien Stadt zu machen, stieß bei der Abstimmungsveranstaltung zum Bürgerhaushalt 2019 auf viel Zustimmung. Mit 128 Stimmen landete der Vorschlag auf dem dritten Platz insgesamt und auf dem ersten Platz in der Kategorie "Umwelt & Natur". Die Stadtverwaltung überlegt, einen Grundstock an Bechern zu kaufen und an beteiligte Geschäfte zu verteilen. "Über ein Pfandsystem soll sichergestellt werden, dass die Becher für lange Zeit im Umlauf bleiben", erklärt Stadtsprecherin Ariane Fäscher erste Überlegungen. Um das Projekt vorzustellen, plant die Stadt zunächst ein Stadtgespräch im Rathaus, um die Idee bekannter zu machen und Hintergründe sowie Probleme bei der Umsetzung zu erläutern. Ein Termin steht noch nicht fest.
Damit trifft die Verwaltung das Ansinnen der Initiatorin. "Mit einem Pfandbechersystem gibt es die Möglichkeit, das Denken aller anzuregen und alle Bäcker, Supermärkte, Cafés, Eisdielen ins Boot zu holen", schrieb Annika Frenz-Funk damals in die Begründung für ihre Idee. Wenn es in Hohen Neuendorf keine Wegwerfbecher mehr geben würde, würde der Slogan "Der grüne i-Punkt von Berlin" noch passender sein. Sie regt an, eine breite Kampagne zu starten.
Geschäftsleute, die diese Idee unterstützen möchten, können sich per E-Mail an marketing@hohen-neuendorf.de wenden.

So machen esandere Städte


Viele größere Städte nutzen für den Kaffee-to-Go im Mehrwegbecher das System der Firma "Recup", die deutschlandweit agiert.

Laut Internetseite bietet beispielsweise die Shell-Tankstelle als einzige Stelle in Hohen Neuendorf diesen Service an. Weitere Anlaufstellen gibt es in Glienicke (Biocompany) und Hennigsdorf (Shell) .

So funktioniert es: Interessenten zahlen beim Kauf einen Euro Pfand. Das Getränk wird direkt in einen sauberen Kunststoffbecher gefüllt. Der Pfandbecher wird später in irgendeinem der teilnehmenden Geschäfte wieder zurückgegeben – gegen den ausgelegten Euro oder einen neuen Becher.

Die Leih-Tassen werden von den Geschäftsleuten selbst gespült und wieder in Umlauf gebracht.

Bis zu 500 Befüllungen halten sie laut Hersteller aus. zeit