Heute Abend schon wird Heiko Friedemann Gast der Einwohnerversammlung in Niederjesar sein. Er ist von Ortsvorsteher Lutz Bräuer eingeladen worden. Die Einwohner des Fichtenhöher Ortsteils sollen sich entscheiden, ob sie nach Seelow oder lieber ins benachbarte Zeschdorf eingemeindet werden möchten.
Zeschdorfs Bürgermeisterin Margot Franke, die dem Lebuser Amtsausschuss vorsteht, sprach in Reitwein von "engen Verbindungen" nach Niederjesar und zeigte sich optimistisch, was das Zusammengehen betrifft.
Vor allem der Lebuser Bürgermeister Herbert Radtke aber will sich mit Niederjesar nicht zufrieden geben: "Wir müssen um Falkenhagen kämpfen", meinte er, speziell mit Blick auf den Erhalt des Schulstandortes Alt Zeschdorf. Für Radtke rächt sich derzeit die "Holzhammer-Propaganda" von Seelows Bürgermeister Jörg Schröder in der Fusions-Debatte mit Seelow-Land.
Denn so dramatisch, wie von Jörg Schröder dargestellt, werde die nächste, vom Land verordnete Kommunalreform wohl nicht ausfallen. Das hatte Heiko Friedemann zu Beginn der Debatte im Lebuser Amtsausschuss erklärt. Der Amtsdirektor berichtete von zwei Treffen mit Innenminister Dietmar Woidke (SPD). In denen sei deutlich geworden, dass es vor 2016 kein Reformgesetz geben wird. Die Umsetzung stehe frühestens 2017 an. Für ihn sei "kein vorauseilender Gehorsam nötig", erklärte Friedemann.
Er bekannte erneut, das Zusammengehen der Ämter Lebus und Golzow sowie der Gemeinde Letschin zu favorisieren. Denn dass es größere Verwaltungseinheiten geben muss, stehe auch für die Landesregierung fest, berichtete der Lebuser Amtsdirektor. Allerdings suche man in Potsdam nach Wegen, die politische Eigenständigkeit der Kommunen zu erhalten", so Friedemann.
Damit würde man dem Wunsch vieler Gemeinden entsprechen. Zum Beispiel dem der Lietzener. Die Gemeindevertreter der Seelow-Länder Amtsgemeinde haben in ihrer Beratung am Dienstagabend ihr Nein zur Hochzeit mit Seelow noch einmal bekräftigt. Er könne einer Eingliederung in die Stadt Seelow nicht zustimmen, äußerte sich Lietzens Bürgermeister Frank Kasper. Der Abgeordnete Henrik Wendorff stellte noch einmal klar, dass es sich beim geplanten Vorhaben nicht um eine Fusion, sondern um eine Eingemeindung handele. Im Stadtparlament hätte ein Ortsbeirat der Gemeinde kein Stimmrecht. Die politische Selbstbestimmung wäre Geschichte. Einfluss könnten lediglich Lietzener nehmen, die vom Bürger in die Stadtverordnetenversammlung gewählt werden. Die Abgeordneten favorisieren daher die Erweiterung des Amtes Seelow-Land um die Kreisstadt als tragfähiges Modell für eine zukunftsfähige Verwaltung. Eine Alternative, die Seelows Bürgermeister Jörg Schröder eindeutig abgelehnt hatte.
Allerdings wollen die Gemeindevertreter nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden. Ein Grundsatzbeschluss über die geplante Eingliederung, wie er auf der Tagesordnung des Gremiums am Dienstag vorgesehen war, wurde daher noch nicht gefasst. Die Lietzener wollen sich mit einer endgültigen Stellungnahme nicht drängen lassen. Eine Einwohnerversammlung zum Thema soll erst nach den Herbstferien am 26. Oktober stattfinden. Es gebe diesbezüglich keinen Zeitdruck, hieß es. Um 19Uhr wollen die Abgeordneten dann gemeinsam mit den Dorfbewohnern beraten. Ein Veranstaltungsort wird noch bekannt gegeben. Nach Abstimmung der Volksvertreter soll Seelows Bürgermeister Jörg Schröder nicht explizit zur öffentlichen Versammlung eingeladen werden. Für Fragen möchte man lediglich Amtsdirektorin Roswitha Thiede sowie eventuell einen Sachverständigen der Kommunalaufsicht zum Treffen mit den Bürgern begrüßen. Seelow-Lands Amtsdirektorin hatte ihr Verständnis zum Hardern der Lietzener ausgedrückt, gab allerdings die schrumpfenden Einwohnerzahlen in der Region zu bedenken.