Das Ergebnis der Arbeitsgruppe "zukunftsfähige Verwaltung" wird von den Vierlindener Abgeordneten nicht gewollt. Den Grundsatzbeschluss zur Eingliederung nach Seelow haben sie am Mittwoch mehrheitlich abgelehnt.
Wie eine Löwin hatte Amtsdirektorin Roswitha Thiede für einen positiven Grundsatzbeschluss gekämpft. "Wir leben am Limit. Das Geld wird immer knapper", so die Verwaltungschefin. Die Arbeitsbedingungen im Amt seien miserabel. Mitarbeiter stolperten über Kabel. Es fehle an Mobilar. "Ich appelliere daher an den Mut der Abgeordneten, dem Beschluss zuzustimmen", sagte sie. Erst dann würde man in die Verhandlungen mit Seelow treten, könne Bedingungen für den Zusammenschluss stellen und letztlich einen Bürgerentscheid herbeiführen. "Es wäre schade, wenn es wieder an den Abgeordneten scheitern würde", so Thiede. Sie befürchte zudem, dass sich ein Zerwürfnis zwischen den Gemeinden des Amtes anbahnt, die Solidarität verloren gehe. Falkenhagen und Lindendorf sind für die Eingliederung. Fichtenhöhe und Lietzen tendieren dazu, gegen den Beschluss zu stimmen.
Und nun hat mit Vierlinden bereits die einwohnerstärkste Gemeinde des Amtes gegen die Eingliederung votiert. Der emotionale Appell der Amtsdirektorin half nichts. Sieben Abgeordnete waren gegen, vier für den Beschluss. Beinahe wäre die Entscheidung noch einmal vertagt worden. Bürgermeister Dirk Ilgenstein wollte das Papier bereits zurückstellen, um die Formulierung zu ändern. Die "Eingliederung" in "mögliche Eingliederung" zu ändern, lautete ein Vorschlag. Letztlich war es Hans-Georg von der Marwitz, der sich gegen eine Rückstellung wehrte. Seinem Antrag, der vorsah, in der laufenden Sitzung über die Eingliederung wie im Beschlusstext zu befinden, wurde zugestimmt. Nach mehrheitlicher Ablehnung des Papiers hielt Bürgermeister Dirk Ilgenstein die Tür noch einen Spalt offen. Nach Mehrheitsentscheidung für seinen Antrag soll den Gemeindevertretern in ihrer nächsten Sitzung ein Exemplar mit geändertem Beschlusstext vorgelegt werden.
Ob das etwas bringt, bleibt mehr als fraglich. Die Positionen sind klar: Der Mehrheit der Dörfer geht es längst nicht mehr ums Geld, sondern die Identität ihrer Orte, wie Hans-Georg von der Marwitz bereits in der Sitzung des Gemeinderates in Friedersdorf vor mehreren Wochen deutlich machte. Die überwiegende Zahl der Vierlindener Abgeordneten favorisiert statt einer Eingliederung nach Seelow das Amtsmodell mit der Kreisstadt als amtsangehöriger Gemeinde. Das wird von den Seelower Stadtverordneten und ihrem Oberhaupt Jörg Schröder allerdings rigoros abgelehnt. Seelow befürchtet dadurch den Status als Mittelzentrum und Kreisstadt zu verlieren und damit hohe finanzielle Einbußen.
Ulrich Fischer von der Kommunalaufsicht des Kreises machte noch einmal deutlich, dass man sich noch in der Freiwilligenphase befinde. Es gebe keinen Druck der übergeordneten Verwaltungsbehörden.
Ähnlich wie Hans-Georg von der Marwitz argumentierte auch Görlsdorfs Ortsvorsteherin Christine Schlicht, dass die Diskussion nicht offen geführt werde. Worins Dorfchef Olaf Hennes schlug vor, erst den Bürger entscheiden zu lassen und dann in die Diskussion einzusteigen, bevor man sich "grundlos zerfleische". Für Bürgermeister Dirk Ilgenstein als Befürworter des Beschlusses ist das der falsche Weg. "Wir müssen zunächst eine Grundlage schaffen, zu der wir die Bürger befragen können", sagte er.