"Lassen Sie uns diese Region entwickeln und lebenswert machen! Lassen Sie uns gemeinsam den Wegzug vor allem der jungen Leute stoppen!" Mit Leidenschaft und Nachdruck wandte sich Seelows Bürgermeister Jörg Schröder an die Vertreter der Bahn, der staatlichen Institutionen Polens und Deutschlands, der Bahnen sowie an die Kollegen aus den beteiligten Kommunen zwischen Schneidemühl (Pila) und Berlin: "Deutschland und Polen können auf der Schiene zusammenwachsen. Dabei werden keine Luftschlösser gebaut", so Schröder. Das habe man auch bei der EU in Brüssel deutlich machen können.
Gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung sei es nötig, dass die Ostbahnregion entwickelt werde. Gute Beispiele seien bereits die Umfeldgestaltung am Gusower Bahnhof, in dessen Gebäude dank der Sewoba in diesem Jahr neues Leben einziehen werde. Seelow freue sich, Sitz der Verwaltung des EVTZ zu werden.
Die Zufahrtsstraße zum Seelower Bahnhof werde saniert. "Denn sehr wichtig ist für uns auch der Erhalt der Bahnstrecke von Eberswalde nach Frankfurt. In den vergangenen drei Monaten haben wir intensiv daran gearbeitet, die Sanierung des Umsteigebahnhofs Werbig vorzubereiten", so Schröder. Als Rückschlag bezeichnete er die Ablehnung der Anlage des Miniaturparkes Oderbruch am Gusower Bahnhof durch die Leader-Arbeitsgruppe. "Damit wurde eine Chance vertan", erklärte Seelows Stadtchef. An die Vertreter des Landes gewandt - die Landtagsabgeordneten tagten zeitgleich in Potsdam zum Thema Großflugplatz-Baustelle - forderte Schröder mit Nachdruck die Einrichtung einer Kulturzugverbindung zwischen Landsberg (Gorzow) und Berlin.
Jörg Schröder begrüßte das Vorhaben der Bürgermeister von Küstriner Vorland und Kostrzyn, Bernd Korb und Dr. Andrej Kunt, eine gemeinsame Förderzone einzurichten.
Dr. Kunt, Bürgermeister der Gastgeberstadt Küstrin, würdigte das mit der Konferenz abgeschlossene gemeinsame Projekt "Kolej Wschodnia - Die Ostbahn". In Kooperation der Städte Vietz (Witnica), Seelow und Küstrin sowie des Polnischen Fernsehens TVP Gorzow Wielkopolskie sei eine beeindruckende Fernsehserie entstanden, die einem großen Publikum die historische Bedeutung der Ostbahn ebenso vor Augen führt wie die Möglichkeiten für die Zusammenarbeit auf touristischem, medizinischem, wirtschaftlichem und auf anderen Gebieten. Gefördert wurde das Projekt durch die Euroregion Pro Europa Viadrina.
Die Bahnstrecke zwischen Küstrin und Berlin gehöre zu den sich am dynamischsten entwickelnden in Brandenburg. Das erklärte Jürgen Hiller, Eisenbahn-Referent im Verkehrsministerium. Die Niederbarnimer Eisenbahn habe den Zuschlag für die nächste Periode ab 2014 erhalten. "Wir wissen auch, dass sich die Zahl der Reisenden erhöht, wenn wir die Taktzahl der Züge erhöhen", so Hiller. Bei einer Verdoppelung mache dies etwa 30 Prozent aus. Theoretisch. Das Problem aus Landessicht sei, dass die Gästezahl an einem Tag nicht kontinuierlich gleich sind. Zudem müsse geprüft werden, ob die Zahl der Pendler noch steigerungsfähig sei. "Allerdings wissen wir auch, dass eine funktionierende Infrastruktur zum Zuzug veranlasst", so der Referent