Jörg Bernd befüllt ein PlastikSchnapsglas zur Hälfte mit der honiggelben Flüssigkeit aus eigener Produktion. Nussig ist der Geschmack. Wolfgang Schalow aus Marxdorf hat er schon überzeugt. Er kauft gleich mehrere Flaschen Rapsöl für sein Fischrestaurant. Knapp vier Euro kostet die 0,5 Literflasche. "Für den Salat", sagt er. Denn zum Braten eignet sich die neue Spezialität vom Rande des Oderbruchs nicht. Sie ist kaltgepresst - auf dem Etikett anderer Öle auch als "nativ" bezeichnet. Das bedeutet, dass es beim Herstellungsvorgang nicht über 40 Grad erhitzt wird. Je mehr ungesättigte Fettsäuren und Fettbegleitstoffe wie Vitamine, Aroma- und Farbstoffe ein Öl enthält, desto gesünder, aber auch hitzeempfindlicher ist es.
Durch den schonenden Herstellungsvorgang behält das Speiseöl aus der Diedersdorfer Produktion einen Großteil seiner einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. "Unser Öl ist gesünder als Olivenöl", wirbt Jörg Bernd für das Produkt. Seit Ende Februar wird in Diedersdorf Rapsöl hergestellt. Von Anfang an war der Diedersdorfer Ortsvorsteher und gelernte Küchenchef für die Überwachung der Produktion und den Vertrieb des Öls zuständig. Einige Gaststätten und Hotels der Region konnte er schon überzeugen, und auch in einigen Supermärkten, wie zum Beispiel in der Seelower Kaufhalle, kann der Kunde das "Diedersdorfer Rapsöl" - so der Markenname - bereits erwerben. Einen eigenen Hofladen betreibt die Landwirtschaftsgesellschaft nicht. Direkt wird das Öl aber in der Gaststätte "Zum Ulmenhof" und im Schloss des Dorfes an der B1 vertrieben.
Noch läuft die Presse der Landwirtschaftsgesellschaft auch nicht unter vollem Druck. Demnächst wird die Maschine, die den Betrieb einen höheren fünfstelligen Betrag kostete, dann maximal 3,5 Liter in der Stunde produzieren. "Dabei werden nur Pflanzen aus eigener Ernte verwendet", verspricht Jörg Bernd. Etwa 20 Hektar können im Jahr verarbeitet werden, weitaus weniger, als die Flächen des Betriebes hergeben. Aus einer Tonne Raps können etwa 330 Liter Öl gewonnen werden.
Dazu landen die Pflanzen zunächst in der Reinigungstrommel, in der ein Großteil des Strohs abfällt. Durch Rohre gelangt der Raps in den Mahltrichter. Hier sackt der Rohstoff nach und nach durch und wird schließlich durch eine Matte gepresst. Tropfenweise läuft die Flüssigkeit in eine Auffangwanne. Der trockene Pflanzenrest fällt in kleinen Würsten in einen Auffangsack unter der Mühle. Die weichen Pellets werden als Trockenfutter für Kühe beigemischt.
Das Öl läuft in einen Sedimentbehälter. Ist dieser voll, fließt es in den nächstkleineren. Insgesamt vier Gefäße muss die Flüssigkeit durchlaufen, bis Jörg Bernd das Öl in die dunkelgrünen Flaschen abfüllen und mit Deckel und Etikett versehen kann. Am Boden der Sedimentbehälter lagern sich die sogenannten Trübteilchen ab. "Ein steter langsamer Fluss", beschreibt Jörg Bernd den Vorgang. Auch für diese Trübteilchen könnte sich eventuell Verwendung finden. "Wir sind noch auf der Suche nach der ersten Beautyfarm als Abnehmer", sagt der Vertriebschef Jörg Bernd und meint das völlig ernst. Die breiige Masse soll angeblich gut für die Haut sein.
Zunächst aber wolle die Landwirtschaftsgesellschaft ihr Rapsöl verkaufen. "Es muss erst einmal anlaufen", sagt Geschäftsführer Jörg Henschke. Er hatte sich vorab andere Rapsmühlen wie zum Beispiel in Luckau und in der Prignitz angesehen. Seit knapp zwei Jahren reift die Idee der Rapsölproduktion in Diedersdorf. Wenn sie Erfolg hat, könnte die Firma in ferner Zukunft vielleicht auch andere Ölsorten pressen. Auch die Herstellung von Leinöl wäre mit der Diedersdorfer Mühle möglich.