Am 6. Juni haben Vertreter aus der Seelower Stadtverordnetenversammlung und aus dem Neuhardenberger Amtsausschuss sowie der Stadt- und Amtsverwaltung über die künftige Zusammenarbeit "sowie einen möglichen Zusammenschluss ihrer Verwaltungen beraten". Man sei sich über das Ziel einig geworden, "ab dem 1. Januar 2019 eine gemeinsame Verwaltung für die Stadt Seelow und Gemeinden vorzuhalten, die bürgernah und effizient arbeitet", heißt es in einer von Amtsdirektorin Grit Brinkmann und Bürgermeister Jörg Schröder unterzeichneten gemeinsamen Pressemitteilung.
Zur Vorbereitung soll eine paritätisch besetzte Arbeitsgruppe gebildet werden, der sowohl haupt- als auch ehrenamtliche Vertreter angehören. Doch entscheiden müssen letztlich die Abgeordneten der Stadt und der drei Neuhardenberger Amtsgemeinden. Im September und Oktober werden die Seelower Stadtverordneten und Gemeindevertreter von Neuhardenberg, Gusow-Platkow und Märkische Höhe "mit Grundsatzbeschlüssen über den Zusammenschluss beider Verwaltungen entscheiden", heißt es in der Erklärung.Vor allem aus Märkische Höhe, dessen Ortsteile einst zum Altkreis Strausberg gehörten, soll es Gegenwind geben, war bereits zu hören.
Die Neuhardenberger gehen damit einen Schritt weiter als die Nachbarn aus den Ämtern Seelow-Land und Golzow. Die haben zunächst ihre Meldebehörden und Standesämter mit der Seelower Verwaltung zusammengelegt. Grundlage sind öffentlich-rechtliche Vereinbarungen. Denn eine gesetzliche Grundlage gibt es bislang weder für die Verwaltungsstruktur- noch für eine Gemeindegebietsreform.
"Wir warten noch auf den großen Wurf der Landesregierung für die Gemeinden im ländlichen Raum", sagt Seelows Bürgermeister Jörg Schröder. Wie das im Leitbild favorisierte Modell der Amtsgemeinden konkret aussehen soll, sei "noch nicht klar definiert", so Schröder. Er sei für ein Amts- oder auch Verbandsgemeinde-Modell unter der Maßgabe offen, "dass Seelows Kreisstadt- und Mittelzentrumsstatus nicht gefährdet wird", erklärt der Bürgermeister. Zu seinem "Nein" zu einem gemeinsamen Amt, das die Gemeinden aus Seelow-Land einst wollten, steht er weiterhin.
Bevor jedoch Entscheidungen zur Gemeindegebietsreform fallen, wird noch viel Wasser die Oder hinunter fließen. Die Verwaltungskooperation ist indes auch ohne gesetzliche Grundlage möglich. Sie werde vom Land sogar gefördert, sagt Schröder.
Auf die Frage, ob Außenstellen der gemeinsamen Verwaltung von Seelow und Neuhardenberg vorgesehen seien, erklärt der Bürgermeister: "Auf jeden Fall!" Im gemeinsamen Gespräch sei von einem möglichen Bürgerbüro in der neuen Kita II in Neuhardenberg die Rede gewesen.
Dass Seelow unter dem Aspekt der Immobilien-Sicherung für eine kommunale Groß-Verwaltung zeitlich unter Entscheidungsdruck stehe, verneint Jörg Schröder. Zwar sei unstrittig, dass das Seelower Rathaus dafür deutlich zu klein sei. Doch ob eine künftige Stadt-Land-Verwaltung ins jetzige Gebäude der Seelower Sparkassen-Geschäftsstelle einzieht, die ins einstige Kaufhaus umziehen soll, dessen Um- und Ausbau ansteht - das sei noch ungewiss, sagt Schröder. Und: Er wolle ja nicht spekulieren, aber "wenn Seelow den Kreissitz verlöre, könnte ja auch im Kreishaus plötzlich viel Platz sein".
In den umliegenden Ämtern Lebus, Seelow-Land und Golzow sowie in der Gemeinde Letschin wird der Neuhardenberger Vorstoß jedenfalls mit großem Interesse verfolgt. Man dürfe den Anschluss nicht verlieren, hieß es in dieser Woche im Lebuser Amtsausschuss, der eine Arbeitsgruppe "Verwaltungsstrukturreform" gebildet hat. Und auch die Führung des "Kragen"-Amtes Seelow-Land hat Jörg Schröder in dieser Woche Gesprächsbereitschaft zu weitergehenden Schritten der Kooperation signalisiert.