Der Zug der Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) auf der Regionalbahnstrecke 60 zwischen Frankfurt und Eberswalde hielt pünktlich um 12.41 Uhr am Bahnhof Schönfließ. Zweieinhalb Stunden war Michael Jungclaus von Hoppegarten aus mit seinem Fahrrad bis in den Lebuser Ortsteil unterwegs. Doch er hatte noch Glück: Ab Montag sind die zwei Monate Sonderhalt in Schönfließ während der Adonisröschenblüte vorbei. Bis April nächsten Jahres hält dort kein Zug mehr.
"Warum sind unsere Schulkinder eigentlich weniger wichtig als Touristen?", fragt wenig später, bei der Gesprächsrunde im Saal des Schönfließer Kulturhauses Petra Golze. Auch für die 17-jährige Tochter der Schönfließerin endet jetzt die Zeit, da sie mit dem Zug zur Ausbildung nach Frankfurt kam. Nun müssen Eltern und Großeltern wieder ran. Denn die Busse fahren zu unmöglichen Zeiten.
"Der Märkisch-Oderländer Busverkehr ist auf Seelow und seine Schulen und nicht auf Frankfurt ausgerichtet", erklärt der Lebuser Bürgermeister Herbert Radtke dem Gast. Und erinnert an die Proteste Lebuser Eltern, deren Kinder morgens im überfüllten Bus nach Frankfurt stehen müssen.
Ein Zughalt in Schönfließ am Morgen und Nachmittag könnte für viele Bewohner des "Frankfurter Speckgürtels", wie Radtke sagt, eine Alternative sein. Das sieht auch Uwe Köcher so. Der Zeschdorfer Abgeordnete, der gemeinsam mit Bürgermeisterin Margot Franke nach Schönfließ gekommen ist, kennt sich in der Materie aus: Er arbeitet in der Verkehrsaufsicht der Frankfurter Stadtverkehrsgesellschaft. Die Frankfurter hätten einst überlegt, Lebus selbst anzubinden, das sechs Kilometer vor den Toren der größeren Oderstadt liegt, seien aber gescheitert. "Es gab keine Konzession", erklärt Köcher. Und der Rufbus fährt auch nicht gen Frankfurt.
Den Lebuser Amtsdirektor Heiko Friedemann erstaunt Jungclaus' Information, dass jeder Zughalt das Land 3,50 Euro koste - plus etwa noch einmal so viel für den höheren Energieaufwand fürs Wiederanfahren. Das sei doch nicht viel, meint nicht nur Friedemann. Man ist sich in der Runde einig: Beim Zwei-Stundentakt könnte es auf der Strecke bleiben. Doch die Bewohner der Frankfurter Umlandgemeinden - und es werden, anders als im Seelower Umland, noch immer mehr - brauchen regelmäßige Halte am Morgen und Nachmittag in Schönfließ, um zur Schule, zum Arzt oder Einkaufen nach Frankfurt zu kommen. Mit dem Bus-Umsteigeplatz am Bahnhof ist eine Voraussetzung bereits da.
Michael Jungclaus notiert die gewünschten Zeiten: Um 6.41, 8.41, 15.15, 17.15 und 19.15 Uhr sollte der Zug in Schönfließ halten. Auf seine Frage, mit wie vielen Fahrgästen wohl zu rechnen sei, sagt die Schönfließer Ortsvorsteherin Hannelore Prescher: "Woher sollen wir das wissen, wenn es seit fast 20 Jahren keinen regulären Halt mehr gibt?" Eines sei jedenfalls sicher: Wenn die Mega-Gewächshausanlage bei Mallnow in Betrieb geht, werde der Verkehrsbedarf wachsen, sagen die Vertreter aus Lebus und Zeschdorf. Und fordern eine Testphase über mindestens ein Jahr.