Da stand er nun vor ihr - Tim Brown, der Geschichtsprofessor aus Mississippi (USA) - und wollte wissen, was er wohl mit dem Tag noch Sinnvolles anfangen könnte. Der Eisenbahn-Fan war in Buckow gewesen undhatte einfach noch Zeit, bis am nächsten Tag sein Flieger ging.
Ilka Bautz im Tourismuspavillon am Bahnhof Rehfelde wusste Rat. Wie gut, dass Englisch für die junge Frau kein Problem ist, und sie auf ein reiches Reservoir verschiedenster Flyer zurückgreifen kann. Nicht nur auf Deutsch, auch Englisch oder Polnisch.
Und die 34-Jährige, die mehr per Zufall auf die Stellenausschreibung für diesen Platz gestoßen war und sich dafür beworben hatte, erzählte von der Heimatstube und der Pyramide in Garzau, vom benachbarten Strausberg mit einem Heimatmuseum, das der Amerikaner dank ihrer telefonischen Vermittlung auch gleich noch ansteuerte.
Die schwungvolle, aber knappe Eintragung im Gästebuch des Tourismuspavillons am 20. Juni legt Zeugnis von diesem Besuch ab. Die Geschichte, die sich dahinter versteckt, erzählt die seit wenigen Monaten hier Beschäftigte mit so viel Begeisterung, dass einem um die Zukunft dieser Einrichtung nicht bange zu sein braucht.
Fünf Jahre liegt es jetzt zurück, dass die Gemeinde Rehfelde nach Bürgerprotestaktionen, manchen Kämpfen und langen Verhandlungen mit der Bahn das geförderte Großvorhaben Revitalisierung des Bahnhofsgebäudes begann und anstelle des früheren Güterschuppens einen Tourismuspavillon eröffnete.
Für Bürgermeister Reiner Donath war das am Dienstag Anlass, Blumen und eine Urkunde über das noch kleine Jubiläum zur neuen Mitarbeiterin zu tragen. In dieser Zeit sei aus dem zarten Pflänzchen, das Martin Tesky, Viktor Porodjuk und weitere Akteure heranzogen, eine richtige Pflanze geworden, bemühte er einen Vergleich. Dank gelte auch dem Arbeitskreis Rehfelder Tourismus (ART), der es hegte, und denjenigen, die wie Sylvia Peiker hier über Jahre präsent waren und sind.
Es bedürfe einigen Mutes und allerhand Duchhaltevermögens, eine solche freiwillige Aufgabe überhaupt in Angriff zu nehmen, sprach die Leiterin des Kultur- und Tourismusamtes Riamara Sommerschuh der Kommune Anerkennung aus. Sich Tourismus und Kultur zuzuwenden, sieht sie als Ausdruck von Identität.
Rehfelde und Tourismus? Diese Frage würden die nicht wenigen Kritiker dieser von Amt und Gemeinde gemeinsam geführten Einrichtung verneinen. Der Besucher braucht nur wenige Schritte vor den Pavillon zu treten, schon "stolpert" er über den ersten Lieder-Stein und ein ausführliches touristisches Leitsystem. Dieser Platz und der Pavillon sind in den vergangenen Jahren nachweislich zu einem gefragten Anlauf- und Treffpunkt für unterschiedlichste Gruppen geworden: Wanderer, Radwanderer, Touristen aus Polen, der Prignitz und aus Berlin.
Auch die Statistik der fünf Jahre zeigt sich positiv. "Die Zahl der Besucher hat sich in den ersten Monaten dieses Jahres gegenüber 2015 sogar verdoppelt", verweist Sylvia Peisker, die Ilka Bautz im Urlaub vertreten wird, auf die Zahlen: 2013 wurde mit 308 Gästen begonnen, 2014 wurden 753 gezählt, 2015 insgesamt 788, 2016 stieg deren Zahl auf 994 und aktuell ist man bei 1562 angelangt.
Ziffern, hinter denen Arbeit steckt. Und - Stichwort Tourismus - auch mit dem Wirken des Arbeitskreises Tourismus, der Heimatfreunde und solcher Vereine wie dem Rehfelder Sängerkreis zu tun hat. Lilienweg, Zisterzienser-Kirchen-Stationen, der deutsch-polnische Liederweg haben inzwischen zahlreiche Besucher zu Streifzügen im Gemeinde-Territorium animiert.
Auf das und mehr freut sich die gelernte Mediengestalterin für digitale und Printmedien Ilka Bautz, die nicht nur Ansprechpartner für Gäste ist, sondern die kleine Galerie betreut, Anmeldelisten für den Lilienlauf führt, Poster für Pfingstkonzert oder Erntefest gestaltet und mehr.