Philipp Heim will seine Biogasanlage an der Strausberger Straße erweitern. Um ein zweites 150 mal 24 Meter langes Fahrsilo, direkt parallel zum vorhandenen. "Da waren früher Gleise", grenzt der Unternehmer das Gebiet noch enger ein. Beantragt hat er zudem den Bau eines zweiten Gärproduktlagers. Also ein zweites dieser großen runden Gebilde, dessen grünes Dach an eine Zipfelmütze erinnert. Rund 3800 Kubikmeter soll der Lagerbehälter fassen. Und wofür braucht er den? "Wir bereiten uns auf künftig kommende Bestimmungen vor", sagt der 41-Jährige. Und die besagen, dass bundesweit Biogas-Betreiber das organische Material länger lagern müssen. "Bisher durften wir diese Grünmasse, die vor allem in diesen sandigen Bereichen hier ein Super-Humusbildner ist, bis 30. Oktober ausbringen, künftig nur noch bis Ende September. Und im Frühjahr geht es erst los, wenn der Schnee verschwunden ist. Deshalb wollen wir mehr zeitlichen Puffer haben", sagt der Ulmer.
Aber, er will noch mehr. Vier Blockheizkraftwerke stehen auf dem 20 Hektar großen Areal und alle sollen gut in Betrieb sein. Vorteil von Biogas, weiß der Geschäftsmann, ist es, dass es speicherbar ist. Und je nachdem, wenn Strom gebraucht wird, kann er seine BHKW produzieren lassen.
Und Philipp Heim hat beim Landesumweltamt beantragt, dass der Input erhöht wird. Sprich, der Geschäftsmann will auf 1000 Kubikmeter Rindergülle im Jahr verzichten, dafür neben der Mais-, Gras- und Ganzpflanzensilage mehr Pferde- und neu Hühnermist annehmen und verarbeiten dürfen. Dafür will Philipp Heim eine mehrteilige, überdachte und nach drei Seiten geschlossene Halle, 22 Meter lang und knapp elf Meter hoch, auf dem zweiten Fahrsilo errichten. "Ich überlege sogar, ob wir diese Halle nicht sogar noch zur vierten Seite, offen sollte die zum Betriebshof sein, mit einem Rolltor verschließen", sagt der Unternehmer.
Er versteht, dass es Diskussionen um den Hühnermist gibt, aber er sagt: "Das Gefährliche beim Hühnermist ist, wenn er nass wird. Und das verhindern wir mit der Halle, dort können die Lkw direkt einfahren und abladen." Es geht um maximal 1500 Tonnen Hühnermist im Jahr und 7000 Tonnen Pferdemist.
Die Pflanzensilage soll jedoch weiter in den dann zwei Fahrsilos gelagert werden. "Zwei hätten den Vorteil, dass wir die Silage nur halb so hoch stapeln müssen und auch der Anschnitt geringer wäre", erläutert er.
Philipp Heim weiß, dass es im jüngsten Umweltausschuss Diskussionen um seinen Antrag gegeben hat. Vor allem die Mitstreiter der Bürgerinitiative (BI) "Gesund leben am Stienitzsee" hörten ganz genau hin, was Sabine Löser aus der Verwaltung vortrug. Sie hatte in groben Zügen die Heimschen Anträge erläutert und auch, dass es Sache der Verwaltung sei, zu prüfen, ob die bauliche Genehmigung nach Paragraph 34 möglich wäre. "Doch ich mache mir Sorgen um eventuelle Gerüche und wir sollten eine Umweltverträglichkeitsprüfung fordern", regte sie an. Auch Renate Schmid von der BI sieht das so. Es bräuchte einen Ist-Daten-Zustand, um daraus ableiten zu können, was sich mit dem Mehr an Materiallieferung geruchlich und luftbelastend verändert. Sachkundiger Einwohner Jörg Löser verwies auf Arbeitsschutzfragen. Die Silage im Fahrsilo sei so hoch, dass man das Ganze nicht gut abdecken könne. Darauf hatte vorher auch Ausschussvorsitzender Volker Müller (Linke) verwiesen. Sachkundige Einwohnerin Dr. Christina Hanke machte sich Sorgen um die Aerosole aus dem Hühnermist. Renate Schmid warf ein, dass es Staubmessungen geben solle. Denn die Arbeiter seien ja diesen Lüften ausgesetzt.
Der Ausschuss fordert nun die Erfassung des Ist-Zustandes bei Geruch und Stäuben. Am liebsten wäre ihm eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Aber vielleicht sollten die Ausschussmitglieder die Einladung von Philipp Heim annehmen, sich vor Ort noch einmal umschauen, ihn ausfragen, was was er plant und beantragt hat.