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Lastenradbau nach Lego-Manier

Ellen Werner / 30.11.2016, 06:50 Uhr
Eberswalde (MOZ) In großen Städten hat es sich längst durchgesetzt. Nun könnte auch Eberswalde das Lastenfahrrad entdecken. Eine Handvoll Enthusiasten will den Trend ankurbeln. In einem Workshop haben sie zwei Dreirad-Modelle zusammengeschraubt, eins davon mit E-Motor.

Muttern, Schrauben, Unterlegscheiben und ein Haufen Vierkantrohre aus Alu. Insgesamt 1200 Teile. Daraus wird ein Lastenrad? Es wird, wie sich am zweiten Workshop-Tag unschwer erkennen lässt. Die Grundgerüste der dreirädrigen Vehikel stehen schon.

Die Transportmittel im Kantendesign könnten den Eberswaldern bald mehr Lust aufs Lastenrad machen. Das jedenfalls hoffen die Enthusiasten vom Hebewerk-Verein und der wandelbar-Initiative, die mit einem Lastenrad-Workshop die offene Werkstatt im "Zwischenraum" eingeweiht haben. "Wir wollen gern mehr Lastenräder im Stadtbild sehen", sagt Fabian Wulf.

Ihr erstes Transportrad hatten sie vor vier Jahren geschweißt. Das aus alten Fahrradteilen nach Bauplänen aus dem Internet produzierte Gefährt ist seit 2013 im Verleih des Regionalladens "Krumme Gurke". Erfolgreich, wie die Hersteller finden. "Es wird ungefähr 50 Mal pro Jahr ausgeliehen", sagt Ingo Frost.

Dank Soundbox und Kochkiste, beides im Rahmen der Eberswalder Freiwilligentage entstanden, sind die Einsatzmöglichkeiten vielfältig. Bei kleinen Umzügen half der Draht-Packesel schon, auch als Geschirrtransporter beim FinE-Stadtfest und sogar bei Hochzeiten. "Es hat schon mal jemand seine Braut vom Standesamt damit abgeholt", erzählt Wulf.

Aber nicht jede Fracht lässt sich mit dem eher herkömmlichen Zweirad transportieren. Mit zweispurigen Fahrzeugen, zumal mit Elektromotor, könne man noch viel mehr Mobilitätsmöglichkeiten aufzeigen, dachten sich die Workshop-Initiatoren und holten Cargo-Bike-Entwickler Till Wolfer aus Hamburg nach Eberswalde. Der hat sich mit einem dänischen Designkollektiv das Lastenrad zum Selberbauen einfallen lassen. "Das ist ein bisschen wie Legotechnik für Erwachsene", beschreibt er die Bauweise. Das Grundprinzip für die xyz-Cargo Trikes, die in Eberswalde entstehen, ist die zwischen zwei Vorderrädern angebrachte Transportkiste. Mit unterschiedlichen Aufbauten lässt sich das Rad auch vom Viersitzer für Kinder ins Essensrad oder für andere Zwecke verwandeln und erweitern.

"Unter sieben Kilometer ist man immer schneller als mit dem Auto", wirbt Till Wolfer für das grüne Verkehrsmittel. Speziell für die xyz-Modelle, die 1400 bis 3000 Euro kosten, spreche, dass die Produktion nicht erst Zehntausende Kilometer nach Übersee geht. "Wir und Bakfiets aus Holland sind die Einzigen, die noch in Europa produzieren", so Wolfer. Zudem können sie gut nachgebaut werden. Für einige Modelle haben Wolfer und Team die Baupläne ins Internet gestellt. Die Workshop-Teilnehmer dürfen auch die geschützte Eberswalder Variante nachbauen. Spezialwissen sei nicht nötig. "Jeder, der einen Akkuschrauber und eine Handsäge halten kann, kriegt das hin", sagt Wolfer.

Ganz so leicht ist das offenbar doch nicht. Der Niederfinower Philipp Hänschke kam aus Interesse an der modularen Bauweise zum Workshop. Vor allem, um größere Einkäufe bewerkstelligen zu können, dachte der Regionalmanagementstudent daran, ein Lastenrad zu bauen. "Sicher bin ich noch nicht. Ich merke jetzt schon, wie aufwendig das ist", sagt er.

Die Workshop-Gastgeber wollen nun weitere Aufbauten für die zwei neuen Lastenräder konstruieren. Außerdem tüfteln sie am Verleihkonzept. Mit einem Lebensmittelladen, der das Gefährt für die Einkäufe an seine Kunden verleihen könnte, sei man schon im Gespräch.

Der Lastenradbau war zugleich die erste größere Aktion in der Metall- und Holzwerkstatt vom "Zwischenraum" in der Havellandstraße 15. "Es ist eine offene Werkstatt", betont Fabian Wulf. "Hier können die Leute ihre Kleinprojekte bauen, Wissen teilen, die Geräte und Maschinen mitbenutzen."

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