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Ehepaar wollte sein Haus im Oderbruch verkaufen und klagt inzwischen wegen Einmietbetrugs und auf Räumung

"Für uns ist die Situation ein Albtraum"

Anett Zimmermann / 02.11.2017, 06:20 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Familie N.* weiß, dass sie weiter kämpfen muss. Für sich und ihr Haus im Oderbruch. Die Bewohner zahlen schon lange keine Miete mehr. Und eigentlich müsste das Haus nach einem Wasserschaden saniert werden. Doch Frau N. kommt nicht in ihr Haus. Dabei hatte sie es schon einmal fast geschafft.

Vor 20 Jahren hat Ehepaar N. im Oderbruch gebaut. Zuvor hatte es mit den Kindern in der Region selbst zur Miete gewohnt. Doch nach dem Wechsel des Arbeitsortes sei die Fahrerei für ihren Mann einfach zu anstrengend geworden, erzählt die Mittfünfzigerin. Also entschieden sie vor etwas mehr als zweieinhalb Jahren, das Haus im Oderbruch zum Kauf anzubieten.

Mehrere Interessenten hätten sich gemeldet. "Doch wir haben uns für die falschen entschieden", weiß Familie N. heute. Für sie war der Verkauf noch aus anderem Grund wichtig. "Durch meine Berufsunfähigkeit waren unsere finanziellen Rücklagen erschöpft", gibt Frau N. offen zu.

Doch Geld, so habe der kaufwillige Familienvater glaubwürdig versichert, sei nicht das Problem. "Also haben wir einen Notartermin vereinbart und den Kaufvertrag vorbereiten lassen", berichtet Herr N. "Weil wir daran glaubten, dass nichts mehr schiefgehen kann, übergaben wir unser Haus an die Familie - mit einem einfachen Mietvertrag bis die Finanzierung klar ist." Sie hätten auch keinen Verdacht geschöpft, als erste Zahlungen herausgezögert worden seien und nur kleckerweise kamen. Der Kaufinteressent hätte immer wieder sehr glaubhaft dargestellt, dass er nicht so schnell an seine Geldanlage kommen würde.

Kurz darauf folgte eine Absage beim Notar, auch weitere Zahlungen kamen nur verspätet. "Da wurde ich skeptisch und fragte fortan jeden Monat nach, wo das Geld bleibt, und wie weit die Finanzierung ist", erzählt Frau N. und fügt hinzu: "Das ist inzwischen auch schon mehr als zwei Jahre her." Sie hätten daraufhin Kündigungen und Abmahnungen geschrieben - und sich doch immer wieder überreden lassen. So sei dann ein Mietkauf ins Gespräch gekommen, aber schon der erste Notartermin von den Mietern abgesagt worden. "Ich schrieb wieder E-Mails und kündigte erneut den Mietvertrag", sagt Frau N. Kurz darauf sei auch der Mietkauf gescheitert.

Aufgrund unpünktlicher Mietzahlungen und der Gefährdung ihres Eigentums hätten sie jetzt im Sommer schließlich den Mietern gekündigt, fristlos und hilfsweise mit einer ordentlichen Kündigung. "Doch unser Haus haben wir noch immer nicht zurück", können die Eheleute die Welt kaum mehr verstehen. Denn nach zwischenzeitlich schweren Wasserschäden - das Wasser war bereits kniehoch in die Wände gesickert - hatten sie es fast schon wieder. "Als ich eines Tages mit Handwerkern kam, lief das Wasser außen die Wände herunter", erzählt die Frau N. Die Mieter hätten ihr dann die Schlüssel überlassen. "Also habe ich die Schlösser ausgetauscht, um weiteren Schaden abzuwenden." Nur mit dem Eingreifen der Polizei hatte sie nicht gerechnet, wobei sich die Beamten auf die Seite der Mieter stellten. "Nach stundenlangem Hin und Her im Beisein unseres Anwalts und auch der Androhung der Festnahme mussten wir unser Haus wieder den Mietern überlassen." Dass Familie N. inzwischen zwei Entschuldigungsschreiben der Polizei vorliegen, kann sie nicht trösten. "Danach wurde alles noch schlimmer. Die Mieter räumten weder das Haus noch kümmerten sie sich um eine Ersatzwohnung, obwohl das Haus nicht mehr mit Wasser versorgt werden konnte." Einstweilige Verfügungen gingen hin und her. Nur Miete sei, so Familie N., weiter nicht gezahlt worden. Auch nicht nach einer Notreparatur der Wasserversorgung.

Natürlich habe sie auch selbst eine Ersatzwohnung für die Familie besorgen wollen. Die angesprochene Wohnungsgesellschaft hätte sogar helfen können. "Nur als die Mitarbeiter den Namen der Familie hörten, wusste ich sofort, was los ist", erzählt Frau N. Die Familie hat inzwischen weitere geschädigte Hauseigentümer in der Region ausgemacht. In einem Fall habe der zwischenzeitlich ebenfalls angestrebte und vereinbarte Mietkauf rückgängig gemacht werden können. "Für uns dagegen ist die Situation ein Albtraum", sagt Herr N. "Die Familie zieht nicht aus unserem Haus, kommuniziert auch nicht mit uns. Inzwischen gibt es weitere offene Rechnungen. Der Gasanbieter hat die Versorgung bereits Mitte September eingestellt." Bei den zunehmend kalten Temperaturen mag er sich nicht ausmalen, was passiert, wenn das Haus nicht ordentlich beheizt wird. Inzwischen hat Familie N. sowohl eine Klage wegen Einmietbetrugs als auch eine Räumungsklage eingereicht.

Laut Haus und Grund kommen Fälle wie dieser immer wieder mal vor. "Wir können deshalb nur raten, sich vorab von der Bonität der Miet- oder Kaufinteressenten zu überzeugen und die entsprechenden Unterlagen einzufordern", sagt Petra Höhne vom in Strausberg ansässigen Ortsverband Märkisch-Oderland und verweist unter anderem auf eine Bescheinigung, dass keine Mietschulden vorliegen. "Den Vorvermieter mal anzurufen, ist da auch keine schlechte Idee."

*Der richtige Name ist der Redaktion bekannt.

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