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"Der Schimmelreiter" von Regisseur Christian Schmidt aus Neulewin feiert Premiere im Theater am Rand

Drama am Deich

Zwischen Tradition und Moderne: Hauke Haien, eindringlich gespielt von Jan Krauter, kämpft in "Der Schimmelreiter" im Theater am Rand Zollbrücke für seine Vision und um sein Leben.
Zwischen Tradition und Moderne: Hauke Haien, eindringlich gespielt von Jan Krauter, kämpft in "Der Schimmelreiter" im Theater am Rand Zollbrücke für seine Vision und um sein Leben. © Foto: Günter Linke
Nadja Voigt / 17.11.2017, 06:40 Uhr
Zollbrücke (MOZ) Nur einen Steinwurf vom Oderdeich in Zollbrücke entfernt, fand am Mittwochnachmittag die Vorpremiere der Aufführung "Der Schimmelreiter" statt. Nach der Novelle von Theodor Storm hat Regisseur Christian Schmidt ein packendes Drama am Deich inszeniert.

Noch bevor sich der Vorhang hebt, ziehen Nebelschwaden durch das Theater am Rand. Dort präsentierte Regisseur Christian Schmidt vor ausverkauftem Haus am Mittwochnachmittag seinen "Schimmelreiter". Als sich der Vorhang öffnet, ist außer dem Nebel auf der Bühne weiter nichts zu sehen. Nur ein Akkordeon ist zu hören. Dann treten die Schauspieler aus dem Nebel ins gedämpfte blaue Licht der Bühnenscheinwerfer. Und schon muss der Musiker mit seinem Instrument gegen die Brandungsmaschine, die Windmaschine und den Donnerbalken anspielen. Wie ein roter Faden ziehen sie sich durch das Stück - und lassen das Publikum die Naturgewalten unmittelbar miterleben. Denn Wasser und Wind bestimmen noch heute das Leben hinter dem Deich.

"Die Nähe der Oder inspiriert natürlich", sagt Theaterbesucher Karl-Wilhelm Schweitzer aus Berlin. Und kann sich noch an das Hochwasser von 1997 und den damaligen "Deichgrafen", Matthias Platzeck, erinnern. "Das passt genau", so sein Resümee. Begeistert zeigt sich auch Angelika Schröder aus Berlin. "Besonders spannend finde ich die Rollenwechsel auf der Bühne und wie der Akkordeon-Spieler den Szenen entsprechend lauter und leiser spielt."

Friedrich Bassarak, Schüler von Theater-Intendant Tobias Morgenstern, und sein Instrument spielen in der Tat neben Jan Krauter als Hauke Haien die Hauptrolle. Keine Szene kommt ohne ihr atmosphärisches Spiel aus - seien es die konfliktreichen Szenen zwischen Hauke und seinem Vater oder auch mit seinem Gegenspieler im Stück Ole Peters (Holger Daemgen), der sich als rechtmäßigen Nachfolger des alten Deichgrafen (Benjamin Kramme) sieht - oder die Inszenierung der Liebesgeschichte zwischen Hauke und Elke (Charlotte Puder). Sie ist stets an Hauke Haiens Seite, wartet auf ihn, wartet jahrelang vergeblich auf ein gemeinsames Kind, wartet, bis der neue Deich gebaut wird und überträgt ihm schon vor der Hochzeit den ganzen geerbten Besitz ihres Vaters, des alten Deichgrafen. "Nur wer ein Amt regieren kann, der hat es", ist sie überzeugt. "Ich bin um meiner selbst Willen Deichgraf", verteidigt sich Hauke gegen die ihn anfeindenden Gegenspieler, die seinen Deich-Neubau in Frage stellen.

Nach der Pause befindet sich das Publikum mitten drin im Baugeschehen, in Haukes Hadern mit Gott und seinem Schicksal. Und der Sturmflut, mit der das Stück ein dramatisches Ende nimmt. Bildgewaltiger Höhepunkt der Inszenierung von Regisseur Christian Schmidt ist das Ende seines "Schimmelreiters": Bevor sich der Vorhang schließt, öffnet sich der Bühnenraum des Theaters - und lässt den nebligen Novemberabend und das Oderbruch hinein.

In nur wenigen Wochen und mit kleinem Budget hat Regisseur Christian Schmidt das Stück, das ihn schon lange beschäftigt, mit seinem Ensemble geprobt, erarbeitet und gemeinsam mit Dramaturg Helge-Björn Meyer auf die Bühne gebracht. In Erinnerung an die verheerenden Oderfluten 1947 und 1997. Und weil es für ihn, der seit längerem ein Haus in Neulewin im Oderbruch besitzt, kein Stück gibt, das mehr Bezug und Aktualität besitzt. "Zu welchen Spannungen und Umbrüchen es führt, wenn der Fortschritt unerbittlich fortgetrieben wird und Tradition keinen Platz mehr hat", fasst der 47-Jährige zusammen.

"Der Schimmelreiter" im Theater am Rand Zollbrücke. Vorstellungen: Freitag 15 und 19.30 Uhr sowie Sonnabend 19.30 Uhr. Für alle Vorstellungen sind Kartenbestellungen per Telefon unter 033 457 665 21 oder unter www.theateramrand.de möglich.

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