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Sein Modell ist die Kinder-Leichtathletik

Verfechter der Kinder-Leichtathletik: Jürgen Goß zieht nach Bernburg
Verfechter der Kinder-Leichtathletik: Jürgen Goß zieht nach Bernburg © Foto: Hagen Bernard
Hagen Bernard / 29.11.2016, 19:19 Uhr
Strausberg (MOZ) Am Sonnabend nimmt Jürgen Goß Abschied von den Leichtathleten der Region. Dann wird der 65-Jährige noch einmal als Kampfrichter für den KSC Strausberg bei den Hallen-Regionalmeisterschaften in Kienbaum helfen.

Eine Woche später zieht der langjährige Leichtathletik-Übungsleiter in Strausberg zusammen mit seiner Frau Edda zur Tochter Nadine nach Bernburg.

"Dort ist genügend Platz und man wird nicht jünger. Jetzt kann ich noch selbst umziehen." Im Gegensatz zu den Söhnen Christian und Nico, die ebenfalls erfolgreiche Leichtathleten waren, hatte die Tochter einst geturnt. Sportlich sind sie in der Familie alle.Christian war ein guter Hochspringer, Nico war wie seine Mutter Edda beim Wurf anzutreffen und Jürgen Goß irgendwie überall zu Hause. Als Sprinter, Springer, Werfer und vor allem Läufer. Sogar beim Marathon, bis ihn vor 14 Jahren gesundheitliche Probleme zwangen, sich nach anderen Ausdauer-Sportarten umzuschauen. Das tut er bis jetzt regelmäßig, hauptsächlich fährt der einstige Fuß- und Volleyballspieler mit dem Rad, zieht sich regelmäßig die Inliner an, schwimmt oft und joggt auch gelegentlich. Seine sportlich wetvollste Leistung sind wohl die 6,32 Meter im Weitsprung, als Berufsschüler.

Doch während viele mit den Jahren sich eine Spezialdisziplin aussuchen, kam der noch immer rank und schlank gebliebene gebürtige Lausitzer in vielen Sätteln zurecht. So auch in Strausberg beim militärischen Dreikampf mit Werfen, Schießen und Laufen, für die der gelernte Elektriker als Zivilbeschäftigter startberechtigt war. Doch bestritten hatte Jürgen Goß damals alle Fernwettkämpfe, also auch den Cross und die Sturmbahn. In die Region gekommen war er durch seine Lehre im Zementwerk Rüdersdorf, seit 1976 wohnte er in Hennickendorf. Über seine Brüder kam er dann zur Armee, Strausberg wurde ab 1989 die neue Heimat. Da war er schon längst Übungsleiter bei der dortigen ASG.

Während die damals hauptamtlichen TZ-Trainer Dagmar Peters und Klaus Pfeffer sich um die zu den Klubs zu delegierenden Talente kümmerten, fand Jürgen Goß ab 1983 sein Betätigungsfeld bei den Athleten, die es nicht ins Leistungszent-rum geschafft hatten, oder bei Armeeangehörigen, die einfach neben ihrem Dienst Sport treiben wollten. Darunter waren etliche ehemalige Asse, der Schnellste übrigens war ein DDR-Hockey-Auswahl-Spieler aus Leipzig. Die 2,14 Meter im Hochsprung von Mario Bauer sind noch gut in Erinnerung.

Prominenteste Athletin in seinem Umfeld war sicherlich die spätere Weltklasse-Marathonläuferin Uta Pippig. Die Petershagenerin fand sich noch regelmäßig bei Klaus Pfeffer ein und langte dann über den sogenannten zweiten Weg beim ASK Potsdam an. Unvergessen für Jürgen Goß ist auch die Eggersdorferin Nicole Kresse, die er einige Zeit trainierte. Kurz nach der Wende gehörte die zierliche Läuferin und heutige Krankenschwester im Raum Nürnberg der deutschen Junioren-Nationalmannschaft im Crosslauf an. Zu diesem Zeitpunkt beendete Jürgen Goß seine Übungsleitertätigkeit. "1990 kamen einfach keine Kinder mehr zum Training." So hatte er mehr Zeit für sich.

Bis im Jahr 2009 die Leichtathleten um Abteilungsleiter Jörg Oswald erneut bei ihm anklopften. Sven Buggel war als Sprinttrainer nach Berlin gewechselt, die erfahrene Pädagogin Luise Freytag hörte auf. "Jörg Oswald kannte ich gut. Außerdem habe ich schon immer gern mit Kindern zusammengearbeitet." Erneut legte er sich ins Zeug. Die Kindergruppe wuchs von 30 auf 75 Athleten. "Wir haben großen Zulauf, sind der größte Leichtathletik-Verein in der Region. Es kamen sogar Sportler aus dem Oderbruch."

Mittlerweile ist Jürgen Goß, aufgrund seiner langjährigen Erfahrungen war er schnell im Besitz einer Übungsleiter-C-Lizenz, der Andrang sogar zu groß. "Bei so vielen Athleten ist leistungsorientiertes Training schwer möglich. Ich musste einen Extra-Trainingstag einführen." Von der gegenwärtigen Sportler-Generation traut er dem frisch gebackenen Vierten der Cross-Landesmeisterschaft, Paul Fengler (U20), noch einiges zu. Stolz ist er auf dessen 6,28 Meter im Weitsprung. "Als Läufer ist das gut. Das zeigt jedoch, wie richtig mein Ansatz ist, mit den Kindern nicht zu schnell auf die längeren Strecken zu gehen. Laufen kann man auch später trainieren, Schnelligkeit und technische Abläufe lassen sich nur bis zu einem gewissen Alter gut schulen."

Übrigens ist Goß ein Verfechter der neu geschaffenen Kinder-Leichtathletik. Zur Premiere bei den Regionalmeisterschaften hatte er zwar geflucht, als ihm die Bananenkisten von der Bahn flogen, doch auf den Stadioncross hält er jetzt große Stücke. "Der schult koordinativ und ist nicht so lang. Wichtig ist aber, dass die Sieben- und Achtjährigen Spaß an der Leichtathletik haben." Jürgen Goß hofft, dass diesen weiterhin viele Nachwuchsathleten beim KSC Strausberg finden.

Auf alle Fälle wird er als Übungsleiter und Kampfrichter dort eine Lücke reißen. Manche hoffen, dass der zweite Abschied wie beim ersten Mal erneut kein endgültiger ist.

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