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Wenn der Stintgraben austrocknet

Kümmern sich um Oranienburgs Wasserhaushalt der Zukunft (v.l.): Thomas Schlegel und Ulrich Hofmann von den Stadtwerken, Stefan Kaden, Birgit Kodian und Sabine Grande von der Lokalen Agenda und TKO-Geschäftsführer Jürgen Höhn.
Kümmern sich um Oranienburgs Wasserhaushalt der Zukunft (v.l.): Thomas Schlegel und Ulrich Hofmann von den Stadtwerken, Stefan Kaden, Birgit Kodian und Sabine Grande von der Lokalen Agenda und TKO-Geschäftsführer Jürgen Höhn. © Foto: MZV
Klaus D. Grote / 26.10.2016, 20:59 Uhr
Oranienburg (OGA) Die Steine im Bett des Stintgrabens sind trocken. Wo früher Fische, eben Stinte, schwammen, wachsen heute Brennnesseln. Seit vier Monaten fließt kein Wasser mehr zwischen Grabowsee und Lehnitzsee. Die aus Schmachtenhagen kommende Bäke ist zum Rinnsal verkommen. Vor zwei Jahren sei der Stintgraben einen Monat lang ohne Wasser gewesen, vergangenes Jahr waren es drei Monate, sagt Stefan Kaden von der Lokalen Agenda 21. Daraus lasse sich noch kein Trend ableiten, doch sei die Entwicklung ausbleibender Niederschläge deutlich sichtbar. Berufs- und Freizeitkapitäne müssten vorsichtig durch den Lehnitzsee fahren, weil der Wasserstand um 30 Zentimeter gesunken sei.

Künftig könnte sich die Wasserknappheit noch verstärken. Dabei ist das Wasser nach Ansicht der Lokalen Agenda 21 Oranienburgs wichtigste Ressource. Wie diese erhalten und künftig nachhaltig genutzt werden kann, soll das "Forum Oranienburger Wasser im Klimawandel - Anpassungsstrategien" (Fowaks) erforschen. Das Bundesumweltministerium fördert die Zusammenarbeit des Vereins mit dem Institut für angewandte Gewässerökologie in Seddin bei Potsdam sowie den städtischen Gesellschaften TKO und Stadtwerke. Von diesem Leuchtturmprojekt erhoffen sich die Initiatoren und das Ministerium auch Effekte für andere Kommunen und Regionen. Denn der Wasserrückgang, der mit einem Absinken des Grundwasserspiegels zu tun hat, gilt als Folge des Klimawandels.

Um diese Folgen abzumildern und auch, um präventiv entgegenzuwirken, muss langfristig geplant werden. So müssten Bäume und Stauden gepflanzt werden, die Hitze und Trockenperioden aushalten. Im Schlosspark könnten beispielsweise neue Rasenmischungen gesät werden, sagt Sabine Granda von der Lokalen Agenda. Bei vielen heimischen Pflanzenarten seien heute schon die Folgen von hitzebedingten Stresssituationen zu erkennen. Viele Äpfel hätten in diesem Jahr Flecken durch starke Sonneneinstrahlung. "Die Zellstruktur ist regelrecht verkocht", erklärt Sabine Granda. Dieses Phänomen sei früher die Ausnahme gewesen und habe sich in den vergangenen Jahren gehäuft und teilweise zu Totalausfällen bei Apfelbauern geführt.

Ökonomische Folgen hätte der Wasserrückgang beispielsweise auch für die Binnenschifffahrt. Um Wasser in den Kanälen zu halten, könnte das Wasser aus Schleusen zurückgepumpt werden, sagt Stefan Kaden. Das sei technisch möglich, aber energieaufwändig. Vermutlich würde für das Schleusen dann eine Gebühr anfallen.

Der Entwässerungsbetrieb Oranienburg beschäftigt sich ebenfalls mit den Niederschlagsmengen. Grundsätzlich solle Regenwasser auf den Grundstücken verbleiben, sagt Thomas Schlegel, Leiter des Bereichs Kanalnetz bei den Stadtwerken. Um Überflutung und Rückstau durch Extremniederschläge zu vermeiden, müsse das Kanalsystem angepasst werden, so Stadtwerke-Prokurist Ulrich Hofmann. Ablaufendes Regenwasser könne aber nur dann abgeleitet werden, wenn es gereinigt sei. In der Gustav-Hempel-Straße, an der sich das Wasserwerk und eine Wasserschutzzone zur Entnahme von Trinkwasser befinden, sei dies nicht der Fall. Die Stadtwerke bemühten sich daher um eine Ableitung in den Oder-Havel-Kanal, so Hofmann.

Am Wasserforum sollen sich möglichst viele Oranienburger beteiligen. Am 24. November ab 15 Uhr findet die erste Sitzung im Konferenzraum des Schlosses statt. Maßnahmen zur Verbesserung des Wassersystems seien nur im Konsens erreichbar, sagte Birgit Kodian, Vorsitzende der Lokalen Agenda. "Deshalb brauchen wir eine große Beteiligung."

Nach drei Jahren sollen Ergebnisse des Forums vorliegen. Dazu soll auch ein Blaues Klassenzimmer gehören. An der Entwicklung dieses Unterrichtsraums will sich die Grundschule Sachsenhausen beteiligen. Eine weitere Idee könnte eine Kanurundfahrt um Oranienburg sein - wenn die Schleusen dies wieder zulassen. Die Tour könne die Gewässerökologie mit allen Aspekten anschaulich machen und wäre zugleich ein touristischer Anziehungspunkt, sagte Birgit Kodian.

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