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Maria Neuendorff 06.03.2015 13:42 Uhr

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ITB: Wenn Stille zum Luxus wird

Berlin (MOZ) Unendliche Weiten, gastfreundliche Nomaden und jahrhundertelange buddhistische Tradition - so will sich die Mongolei als Partnerland auf der ITB vorstellen. Munkhtsetseg Henrich organisiert seit zehn Jahren Touren in das bei vielen Europäern noch unbekannte Land.

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Munkhtsetseg Henrich (u.) bietet über die Internetseite www.mongolei-reise.de Touren in ihre Heimat an.

© privat

Wer Munkhtsetseg Henrich in ihrer Berliner Wohnung besucht, bekommt erst einmal einen Tee mit Milch und Salz angeboten. Ablehnen sollte man ihn nicht. Nicht nur, weil das warme, aus Kräutern gekochte Getränke erstaunlich mild schmeckt und Magen und Seele wärmt. Sondern weil es bei den gastfreundlichen Mongolen ein Affront wäre, gereichte Speisen nicht anzunehmen. "Wenigstens kosten", ist deshalb auch immer die erste Regel, die Munkhtsetseg Henrich ihren Reiseteilnehmern mit auf den Weg gibt, bevor sie mit ihnen durch Gebirge, Flusstäler, Steppen oder die Wüste Gobi zieht.

Seit 2004 organisiert die gebürtige Mongolin, die in Berlin Informatik studiert hat, Individualreisen in ihre Heimat. Die Idee entstand, als sie 2001 ihren Mann Falk mit in die Heimat zu ihren Eltern nahm. Der gebürtige Eisenhüttenstädter empfand schon die "Taxi"-Fahrt im alten Wolga-Bus mit fremden Familien als Abenteuer. "Irgendwann weckte er mich aufgeregt, weil der Fahrer plötzlich von der Straße runter und quer durch die Steppe fuhr", erinnert sich die 35-Jährige. Der Grund: Er wollte noch schnell einen Sack Mehl in einer Jurte abgeben.

Auch wenn bis heute aufgrund der unübersichtlichen Schotterstraßen Mietwagen in der Mongolei nur mit Fahrer verliehen werden - so chaotisch sind die Touren nicht, die Munkhtsetseg Henrich organisiert. Mit dem Flieger geht es von Berlin in rund neun Stunden in die quirlige Hauptstadt Ulan Bator. Dort haben die Teilnehmer etwas Zeit, um buddhistische Klöster und traditionelle Konzerte zu besuchen. Das eigentliche Highlight aber sind die unendlichen Weiten des dünn besiedelten Landes, das viermal so groß wie Deutschland ist, aber nur drei Millionen Einwohner hat. Auf dem Land sind das meist Nomaden, die mit ihren Tieren den Jahreszeiten hinterher ziehen. Diese werden erst im hohen Alter geschlachtet, auch weil sie so lange wie möglich Milch und Wolle geben sollen. So gibt es beim Besuch der Einheimischen auch mal Stuten-Schnaps zu kosten. Milchprodukte sind neben Fleisch Hauptnahrungsmittel. "Als ich mit den Touren anfing, gab es nirgends einen Salatkopf aufzutreiben", berichtet Munkhtsetseg Henrich. Inzwischen kann sie selbst Veganern drei Wochen lang passende Mahlzeiten bieten. Bei ihren Outdoor-Touren ab 2600 Euro pro Person im Geländebus hat sie eine mobile Küche und einen eigenen Koch dabei. Die Hotels, die in den vergangenen Jahren gebaut wurden, um den Tourismus anzukurbeln, sind sogenannte Yurten-Camps. Gäste schlafen in landestypischen Zelten mit Holztüren, gemeinschaftlichen Sanitäranlagen und Restaurants.

Die Berlinerin plant aber auch den Besuch in privaten Yurten ein. "Man muss bei den Nomaden nicht einmal anklopfen", sagt sie. Nur über die Schwelle stolpern sollte man nicht. Das bringe Unglück ins Haus, meinen die abergläubischen Gastgeber, erzählt die Reiseführerin. Als Multifunktion-Kleidungsstück empfiehlt sie einen Deel, den es auf jedem Dorfmarkt günstig zu kaufen gibt. Der traditionelle, wetterfeste Mantel schützt nicht nur bei Temperaturschwankungen von bis zu 20 Grad, sondern auch vor Blicken, wenn man sich in karger Gegend erleichtern muss. Denn es ist besonders die unberührte Natur, in der Himmel und Erde am Horizont noch aufeinander stoßen, die die Europäer so begeistert, weiß Munkhtsetseg Henrich. "Und die unglaubliche Stille, die für viele purer Luxus ist."

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