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Josephin Hartwig 22.07.2015 20:47 Uhr

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Zwischen Weltstadt und Provinz: Buch-Neuerscheinung über Berlin-Tempelhof

Berlin (MOZ) Die Mischung aus Weltstadt und Provinz macht Tempelhof für Familien immer attraktiver. Die Berlinerin Katrin Schwahlen hat ein Buch über den Bezirk geschrieben. Es ist das erste seiner Art seit vielen Jahren. Dafür spazierte sie unter anderem mit dem Regierenden Bürgermeister durch die Straßen.

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Erster Blick ins eigene Buch: Die Journalistin und Autorin Katrin Schwahlen hat über den Bezirk Tempelhof geschrieben.

© MOZ

Autorin Katrin Schwahlen hält ihr erstes eigenes Buch "Rundum Tempelhof" in den Händen. Erst kurz bevor sie es der Öffentlichkeit präsentiert, trifft die Lieferung der frisch gedruckten Bücher ein. Für das Projekt traf sie sich mit Persönlichkeiten des Bezirks - auch mit dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD).

"Die Kontaktaufnahme war ganz unproblematisch", erzählt Schwahlen. Damals im November sei Müller allerdings noch nicht als Bürgermeister-Kandidat angetreten. "Aber er überlegte schon", sagt die Autorin. Sie sei mit ihm durch sein persönliches Tempelhof spaziert. "Er nahm sich eine Stunde Zeit und gab mir einen persönlichen Eindruck." Die Druckerei seines Vaters, in der der Berliner Bürgermeister auch einige Jahre gearbeitet hat, war ihm wichtig, aber auch das Tempelhofer Feld. Michael Müller erzählte Katrin Schwahlen, er habe eigentlich keinen Lieblingsplatz in dem Bezirk, in dem er aufgewachsen ist. Doch die Autorin ist sich sicher, dass Müller besonders von der "Kleinen Nachtmusik" angetan ist. Eine Art "Jazz im Park", die einmal im Monat unter der Boelke-Brücke stattfindet.

Wenn die 58-Jährige auf das Buch in ihren Händen blickt, wirkt sie stolz und erleichtert. Drei Monate recherchierte sie über die vier Ortsteile Lichtenrade, Marienfelde, Tempelhof und Mariendorf. "Jeder Bezirk hat seine schönen Ecken. Ich lebe seit 25 Jahren in Tempelhof und konnte selbst noch viel Neues entdecken", sagt Schwahlen. Die Mischung aus Weltstadt und Provinz sei es, die nicht nur sie, sondern mittlerweile auch immer mehr Menschen in den Süden Berlins zieht. "Bei meinen Spaziergängen war es auch toll, dass ich immer wieder Bekannten begegnet bin. Man kennt und grüßt sich hier."

Katrin Schwahlen, die nach einem Biologiestudium als Journalistin und inzwischen als Multimediafachfrau arbeitet, ist seit vielen Jahren Stammkundin in der Tempelhofer Institution, der Buchhandlung Menger. Seit 1947 besteht das kleine Geschäft am Tempelhofer Damm. Als der Verleger des L&H Verlags die Buchhändler fragte, ob sie eine Autorin für ein Buch über Tempelhof kennen würden, dachten sie gleich an ihre schreibende Kundin. "Ich fand es unvorstellbar, dass es kein Buch über den Bezirk gibt, der so viele Bürgermeister stellt", sagt Verleger Thies Schröder, denn auch Klaus Wowereit ist dort geboren.

"Es sind viele sehr interessante Menschen dabei, wie die Leiterin eines Gospelchors, Julia Lahner, oder ein Prinz aus Westafrika, der in Mariendorf eine Autowerkstatt hat", sagt Katrin Schwahlen. Sie habe auch mit Horst Milde gesprochen, dem Erfinder des Berlin Marathons, oder der Olympiasiegerin Iris Zscherpe (heute Iris Hoffmann). Die Ufa-Fabrik, Berlins älteste Dorfkirche und der geschichtsträchtige Flughafen seien es unter anderem, was den Bezirk so bunt und spannend machen.

"Es fehlte ein Buch, dass nicht nur die schönen Ecken des Bezirks darstellt, sondern auch die Geschichten der Menschen erzählt, die hier leben", sagt Buchhändlerin Susanne Prochnow, die seit 32 Jahren in der Buchhandlung Menger arbeitet und Bezirk und Einwohner gut kennt.

Die Buchhandlung hatte zur Präsentation im Hinterhof etwa 75 Kunden untergebracht. Bei mildem Wetter und der Atmosphäre eines künftigen Szenebezirks hallt die sonore Stimme der Autorin nach. "Lichtenrade ist Musik", beginnt sie zu lesen, und die Zuhörer sind sofort gebannt. Auf den Stühlen liegen Postkarten mit Tempelhofer Motiven, auch ein Pilotfilm zum Buch wurde gedreht.

Die Autorin ist mit dem Verlag schon im Gespräch über das nächste Projekt. Sie erstellte eine Website, auf der Tempelhofer ihre Geschichten erzählen können. Aus den besten soll ein neues Buch, ein neues Porträt über den Bezirk im Süden von Berlin entstehen.

Dass der Plan eines Buches für, über und mit Tempelhofern aufgeht, daran hatte der Verlag keinen Zweifel. "Vor den Ureinwohnern, die den Bezirk so gut kennen, zu lesen, ist eine Herausforderung", sagt Katrin Schwahlen. Doch Gelächter und Applaus des Publikums lassen die Sorgen schnell verfliegen.

"Rundum Tempelhof", L & H Verlag, ISBN: 978-3-939629-37-5, 144 Seiten, 19,80 Euro, www.rundum-tempelhof.de

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