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Maria Neuendorff 20.03.2017 20:07 Uhr

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Streit um Flughafen Tegel: Zwischen Freud und Leid

Berlin (MOZ) Mit der erfolgreichen Unterschriftensammlung der Tegel-Befürworter scheint ein Weiterbetrieb des Flughafens möglich. Während sich viele Fluggäste einen Parallelbetrieb nach der BER-Eröffnung wünschen, sind die Anwohner in Reinickendorf von der Entwicklung enttäuscht.

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Stammt aus den 70er Jahren: der Flughafen Tegel.

© dpa

Die Nachricht von den über 200 000 Unterschriften für die Offenhaltung Tegels hat sich im Einkaufszentrum am Kurt-Schumacher-Platz schnell herumgesprochen. "Das regt mich so auf", sagt Angelika Jankowski. Seit 33 Jahren wohnt sie an der Scharnweberstraße, mitten in der Einflugschneise. "Es ist so ein Krach und Gestank, das macht mich krank", klagt die 68-Jährige.

Wie zum Beweis werden ihre Worte vom ohrenbetäubenden Lärm einer Air-Berlin-Maschine im Landeanflug verschluckt. Manche Wartende an der Bushaltestelle lässt das Dröhnen regelrecht zusammenzucken. Die Maschine wirkt zum Greifen nah. Die Abstände zwischen den Fliegern seien in den vergangenen Jahren immer geringer geworden, berichtet Angelika Jankowski. "Morgens haben wir hier in einer Minute mehrere Starts und Landungen."

Doch die Hoffnung auf eine baldige Erlösung ist für die Reinickendorferin mit jeder BER-Verschiebung weiter in die Ferne gerückt. Dass die FDP nun mit einer Volksinitiative sogar den Weiterbetrieb erreichen will, gleicht für sie einer Katastrophe.

Andrea Schütte, die gerade die Kunden im dm-Markt abkassiert, findet die Initiative dagegen super. "Tegel ist für uns Nordbrandenburger eben der nächste Flughafen", erklärt die 33-Jährige aus Hohen Neuendorf (Oberhavel). Bis nach Schönefeld würde sie mit Bus und Bahn an die zwei Stunden brauchen. "Bei der Strecke kannst Du auch nicht einfach mal einen Freund fragen, ob er dich abholt."

Obwohl Tegel noch nie eine Schienenanbindung hatte, sind es vor allem die kurzen Wege, mit denen der 1974 eröffnete Airport punktet. Das gilt auch für den Gang zum Gate. "Die Leute, die ich hier ablade, laufen zehn Meter und sind am Schalter", erzählt ein türkischer Taxifahrer. Am Imbiss auf dem riesigen Parkplatz, wo er gerade Kaffeepause macht, waren die Unterschriftenlisten für den Tegel-Erhalt schnell vergriffen. "Wir haben ja immer noch kein Recht, in Schönefeld hinter der Stadtgrenze Fahrgäste aufzunehmen", sagt der 47-Jährige. Tegel dagegen binde am Tag 3000 bis 5000 Taxis. "Wenn hier die größte Taxihalte der Stadt schließt, werden die Taxen stattdessen Straßen und Stellplätze in der City blockieren", mischt sich ein älterer Kollege ins Gespräch ein. "Das ist vom Senat alles nicht richtig durchdacht."

In der achteckigen Flughafen-Halle herrscht eine entspannte Betriebsamkeit. Von chronischer Überlastung ist an diesem Montagvormittag nichts zu spüren. "Ja, es ist schon erstaunlich, dass das hier immer noch alles so gut funktioniert", wundert sich ein ehrenamtlicher Fluggastbetreuer. Er kann aber auch die Argumente von Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) nachvollziehen, die in Tegel lieber Industrie und Gewerbe sowie Wohnungen ansiedeln will. "Sicher werden in einer wachsenden Stadt Flächen gebraucht, aber ob es gerade hier sein muss, ist eine andere Frage", sagt der 68-Jährige.

"Ich hoffe sehr, dass wir hier bleiben dürfen", sagt auch Lucia Ventunini, die ein paar Schritteweiter in einer kleinen Boutique Schuhe verkauft. Die Schweizer Firma, bei der sie angestellt ist, will zur BER-Eröffnung nach Schönefeld wechseln. "Ich fühle mich hier viel sicherer. Auf einem so großen Flughafen, wo alles so unübersichtlich ist, steigt auch die Gefahr für Terroranschläge", glaubt die junge Frau.

Die Anwohner im Afrikanischen Viertel, fünf Kilometer weiter, sehen das anders. "Seit 40 Jahren kann ich im Sommer nicht mein Wohnzimmerfenster öffnen, weil man sonst kein Wort versteht", berichtet Barbara Larsen. "Für uns alle hier wäre die Schließung eine große Erleichterung", sagt die 70-Jährige. Ich glaube aber langsam nicht mehr daran, dass ich das noch erleben werde."

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