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In Brandenburg Preise am höchsten - viele Kunden wechseln Anbieter trotzdem nicht

Ost-Strom besonders teuer

Windrad-Montage: In Brandenburg ist Strom besonders teuer.
Windrad-Montage: In Brandenburg ist Strom besonders teuer. © Foto: Peter Kochan
Hajo Zenker / 11.04.2017, 07:35 Uhr
Berlin (MOZ) Beim Strom zeigt der Preistrend weiter nach oben. Das hat vor allem mit Steuern und Abgaben zu tun. Den Osten trifft das überproportional, hier sind die Preise besonders hoch, während die Kaufkraft unter der im Westen bleibt. Am teuersten ist Elektrizität in Brandenburg.

Laut dem Vergleichsportal Check24 hat fast jeder zweite Stromgrundversorger seit Jahresbeginn die Preise erhöht oder Erhöhungen angekündigt. Dass der Strom immer teurer wird, liegt - kaum überraschend - auch am Erneuerbare-Energien-Gesetz. Die daraus resultierende Umlage beträgt in diesem Jahr 6,88 Cent pro Kilowattstunde. Fünf Jahre zuvor waren es 3,59 Cent gewesen. Damit nicht genug - es steigen auch die Netzentgelte, also quasi die Maut für die Benutzung der Stromtrassen.

Steuern, Umlagen und Abgaben auf Strom sind dem Portal Verivox zufolge in diesem Jahr auf ein Rekordhoch gestiegen. Sie machten 56 Prozent des Strompreises für Privatkunden aus - ein Plus von 17 Prozentpunkten gegenüber 2007. Die Stromkosten für einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden belaufen sich den Angaben von Montag zufolge auf 994 Euro pro Jahr. Davon entfallen 255 Euro (26 Prozent) auf die Netznutzungsentgelte, 180 Euro (18 Prozent) bleiben den Stromversorgern für Beschaffung, Marge und Vertrieb. Die restlichen 559 Euro (56 Prozent) machen Steuern, Abgaben und Umlagen aus.

Am teuersten ist Strom laut Verivox für Verbraucher in Brandenburg. Sie mussten zu Anfang des Jahres im Schnitt 1180 Euro für zwölf Monate berappen - im Jahresvergleich hat sich Strom in Brandenburg nicht nur um 3,1 Prozent verteuert, sondern die Kluft zum günstigsten Bundesland Bremen wurde noch größer: Hier werden demnach nur 1054 Euro fällig, 126 Euro weniger als in Brandenburg. 2016 betrug diese Differenz 101 Euro und vor zwei Jahren 73 Euro.

Kein Wunder, dass die Verbraucherzentrale Brandenburg gerade wieder Stromspartipps veröffentlicht hat, obwohl man wisse, dass Energiesparen für viele Menschen "ungefähr so reizvoll wie eine Brennnesseldiät" klinge, so Energieexpertin Marlies Hopf. Doch könne man die Kosten fast mühelos senken. So fielen bis zu zehn Prozent des Stromverbrauchs in einem typischen Haushalt durch Stand-by-Verluste an. Mit Steckerleisten ließen sich elektrische Geräte schnell wirklich ausschalten.

Aber das haben viele Ostdeutsche offenbar schon begriffen. Laut Check24 verbraucht ein Ost-Vier-Personen-Haushalt im Schnitt 4287 Kilowattstunden, neun Prozent weniger als im Westen. Wie groß die Unterschiede sein können, zeigt die Tatsache, dass die Großverbraucher im Saarland (5028 Kilowattstunden) ein Viertel mehr als die sparsamen Sachsen (4037) benötigen. Brandenburg kommt auf 4428 Kilowattstunden. Als möglichen Grund für den niedrigeren Verbrauch gibt das Portal an, dass der Strompreis im Osten im Schnitt um fünf Prozent höher als im Westen sei.

Verivox wiederum hat ausgerechnet, dass der Anteil am Einkommen, den ostdeutsche Haushalte für Strom aufwenden müssen, 32 Prozent größer sei als im Westen. Der Grund: "Im Osten des Landes trifft eine schwache Kaufkraft auf besonders teuren Strom", erklärt Jan Lengerke, Mitglied der Geschäftsleitung. Brandenburg kommt dabei trotz der höchsten Strompreise noch vergleichsweise gut weg. Da die durchschnittliche Kaufkraft pro Haushalt und Jahr mit 39 443 Euro über allen anderen Ost-Ländern rangiert, liegt die Mehrbelastung im Vergleich zum Bundesdurchschnitt bei "nur" 23 Prozent und damit auf Platz 6.

Trotz all der traurigen Fakten in Sachen Strompreis wissen die Vergleichsportale, die ihr Geld ja mit Provisionen für neu abgeschlossene Energielieferverträge verdienen, Rat: Ein Vier-Personen-Haushalt könne durch den Wechsel des Anbieters jährlich mehrere hundert Euro sparen. Aber auch die Verbraucherzentrale betont: Wenn die Versorger die Preise anheben, sei man nicht wehrlos. Marlies Hopf rät, einen Tarif- oder Anbieterwechsel zu prüfen. Und offenbar muss man das immer wieder betonen: Seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 haben nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft insgesamt gerade 41,5 Prozent der Haushalte den Anbieter mindestens einmal gewechselt.

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Rainer Ebeling 12.04.2017 - 10:11:00

Brandenburg erreicht Europaweit die höchsten Stromkosten

E.DIS-Kunden haben vor kurzem eine Preiserhöhung von über 10% hinnehmen müssen, der Strompreis liegt dann ab Mai bei 32,09 Cent/KWh. Damit erreicht Brandenburg im Europäischen Vergleich mit Abstand einen Spitzenwert. Besonders Problematisch ist das u.a. für die Mittelstands-Betriebe, aber auch Stromabschaltungen im Privathaushalt werden zunehmen. Dem wirtschaftlich immer noch abgehängte Osten werden also weitere Steine in den Weg gelegt. Industriebetriebe werden sich günstigere Standorte suchen. Dabei gehört Brandenburg mit seiner Braunköhle zu den Ländern, die den Strom am preiswertesten produzieren. Alles eine Folge der sogenannten "Energiewende". Traut sich denn niemand hier die Reißleine zu ziehen.

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