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Maria Neuendorff 18.05.2017 19:44 Uhr

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Zum Kirchentag:Gebaut nicht für die Ewigkeit

Berlin (MOZ) Die Wände sind aus Metallstangen, der Altar aus Plastiktanks, und auf dem Dach wird es ein Café mit Liegestühlen geben: Der Bau der neuen Kirche am Anhalter Bahnhof dauert gerade mal anderthalb Wochen.

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Die Initiatoren: der evangelische Jugendreferent Matthias Reim (l.) und Kreisjugendpfarrer Frederik Spiegelberg auf der Baustelle

© MOZ

Der 17 Meter hohe Turm aus orangefarbenen Stoffbahnen leuchtet schon von Weitem zwischen Bahnhofsruine und Bäumen hervor. Gerüststangen zeichnen darunter ein Kirchenschiff nach. Manche sind angemalt oder mit Aufklebern geschmückt. "Sie wurden von Jugendlichen von der Uckermark bis zum Fläming gestaltet", sagt Frederik Spiegelberg.

Der Jugendpfarrer aus dem Kirchenkreis Berlin-Nord-Ost wird in der Gerüstkirche am Himmelfahrtstag um 15 Uhr den ersten Gottesdienst halten. "Die Gerüste werden nur noch mit farbigen Netzen umspannt. Sodass man von außen sieht, was drin passiert, und umgekehrt", erklärt der 35-Jährige, der das ungewöhnliche Projekt mitinitiiert hat. In der temporären Kirche sollen während des Evangelischen Kirchentages Andachten und Diskussionen für bis zu 200 Jugendliche stattfinden. Die jungen Christen wollen zudem auf dem Dach Rollrasen auslegen und ein Café einrichten.

"Es soll ein Ort der Begegnung sein, so wie wir uns Kirche wünschen", sagt Matthias Reim, Jugendreferent der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Nämlich mehr als ein Haus, in dem sonntags um zehn der Gottesdienst stattfindet. "Natürlich hätten wir einfach ein Zelt hinstellen können", sagt Reim. Doch der Gerüstbau stehe im Luther-Jahr für Rekonstruktion, Erneuerung und Umbau.

Dass die eindrucksvolle Kulisse mit der Restwand des kriegszerstörten Anhalter Bahnhofs dazukommt, ist eher dem Zufall geschuldet. Denn das Areal in Kreuzberg wurde für das Glaubensfest als Zentrum der Jugend ausgewiesen.

Neben Ständen und Mitmachangeboten wird es im nahen Tempodrom Konzerte und Gesprächsrunden geben. Viele der rund 200 Programmpunkte für Jugendliche werden sich mit den Herausforderungen des digitalen Zeitalters befassen. Schwerpunkte werden der Umgang mit Sozialen Medien und mit radikalen Gruppierungen, der interreligiöse Dialog sowie die Themen Flucht und Frieden sein.

Für die ganz Jungen gibt es ein eigenes Kinder-Zentrum auf dem Gelände der Stadtmission am Hauptbahnhof. Auf dem Vorplatz des Poststadions wird in Kooperation mit dem FEZ Berlin ein Mittelalterdorf aufgebaut. Dort sollen Familien erforschen, wie das Leben vor 500 Jahren war, als Martin Luther seine Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche schlug. In Sachsen-Anhalt findet dann am Sonntag das große Abschlussfest statt. An den drei Tagen vorher werden in Berlin 140 000 Dauer- und 45 000 Tagesteilnehmer erwartet.

Und so wird es viele praktische und nachhaltige Provisorien wie die Gerüstkirche geben. In den Charlottenburger Messehallen werden Helfer am Sonnabend 30 000 Papphocker falten, die man später als Andenken mitnehmen kann. Für die Reise zum Abschlussgottesdienst nach Wittenberg will sich die Deutsche Bahn Sonderzüge aus Baden-Württemberg und Bayern ausleihen. Matthias Reim und seine Kollegen von der Gerüstkirche werden nicht mitfahren. "Wir müssen an dem Sonntag ja alles wieder abbauen."

36. Kirchentag vom 24. bis 28. Mai in Berlin und Wittenberg. Die Tageskarte kostet 33, ermäßigt 18 Euro. Abendkarten ab 16 Uhr kosten 16 Euro. Kinder unter 13 Jahren sind frei. Der Eintritt in die Gerüstkirche ist von Donnerstag bis Sonnabend für jeden frei. www.kirchentag.de

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