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André Bochow 31.05.2017 19:57 Uhr

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Neuer Beschluss für Einheitswippe

Berlin (MOZ) "Bürger in Bewegung" heißt der siegreiche Entwurf für jenes Denkmal, das der Revolution in der DDR und der deutschen Einheit gewidmet ist. Wegen hoher Kosten wurde das Projekt gestoppt. Jetzt bekräftigt das Parlament alte Beschlüsse.

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© Milla&Partner/Sasha Waltz

Schon die Überschrift über dem Papier verweist auf einen Neuaufguss. "Beschlüsse zum Freiheits-und Einheitsdenkmal konsequent umsetzen", heißt es da. Im Text aber wird Druck gemacht. "Der Bundestag fordert die Bundesregierung auf, den Siegerentwurf "Bürger in Bewegung' von Milla & Partner auf der Berliner Schlossfreiheit zu realisieren und eine Einweihung zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution im Herbst 2019 anzustreben." So steht es im gemeinsamen Antrag der Unions-und der SPD-Fraktion. Noch in dieser Legislaturperiode soll der Bau "durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien veranlasst" werden.

Die Vorgeschichte der "Wippe" ist lang. Nach fast einem Jahrzehnt, in dem erst einmal diskutiert wurde, folgten 2007 und 2008 Entscheidungen des Bundestages. Schon damals wurde beschlossen, das Denkmal auf dem Sockel des Kaiser-Wilhelm-Denkmals zu errichten. Ein offener Wettbewerb um die Gestaltung dessen, was auf dem Sockel platziert werden sollte, geriet zur Blamage. 533 Entwürfe wurden eingereicht. Keiner genügte.

2010 startete ein zweiter Wettbewerb. Am Ende wählte eine Jury den Entwurf der Agentur Milla & Partner aus. Motto der Agentur: "Menschen mit Menschen, Marken, Produkten und Themen - durch Kommunikation im Raum" verbinden. Ursprünglich gehörte die Tanz-Legende Sasha Waltz zum gestaltenden Team. 2012 stieg die Choreografin allerdings aus. Waltz war von dem Konzept nicht mehr überzeugt, wollte eine flache Schale, statt einer Wippe, die eigentlich eine Waage sein soll. Ihr ging es um Schwerelosigkeit. Ihre ehemaligen Partner sind mehr an Begehbarkeit und Beweglichkeit interessiert. "Das Konzept wurde in dem Geist geschaffen, dass jeder Mensch durch kreatives Handeln zum Wohl der Gemeinschaft beitragen kann. Die Besucher - die Bürger, die das gesamte Objekt in Bewegung setzen, werden dadurch selbst zum aktiven Teil des Denkmals." Sind sich genügend Besucher einig, dann kann gewippt werden.

Unglücklicherweise stiegen nach "Fortentwicklung und Präzisierung des Entwurfes" die Kosten. Von 10 auf 15 Millionen Euro. Der Haushaltsausschuss des Bundestages stoppte im Juni 2016 das Projekt. Neun Jahre nach dem ersten Beschluss für die Errichtung des Denkmals. Das löste Protest aus. An der Spitze jener, die mit glühendem Eifer für das Freiheits- und Einheitsdenkmal kämpften, stand der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD). Als der Haushaltsausschuss dann im November für die historischen "Kolonnaden" am Schloss sage und schreibe 18 Millionen Euro bereitstellte, war auch das finanzielle Argument gegen das Denkmal pulverisiert.

Mittlerweile wollen die Regierungsfraktionen von der "Rekonstruktion der Kolonnaden" absehen. Und was die Kosten für die wippende Waage betrifft, heißt es nun, dass man den entsprechenden Haushaltstitel "gegebenenfalls verstärken" würde.

Unterstützung bekommen Union und SPD von den Grünen. Anders als 2007 und 2008 wollen sie für die Projektrealisierung stimmen. Ulle Schauws, Kulturpolitikerin der Fraktion, begründet die Meinungsänderung mit der Jury-Entscheidung, an die man sich halten müsse. Das Denkmal selbst biete "Gelegenheit für Erinnerung an und Diskussion über die Revolutionszeit." So werden die Linken die einzigen sein, die sich gegen den neuen Antrag stellen. Nicht zuletzt Berlins Kultursenator Klaus Lederer hatte immer wieder seine Ablehnung deutlich gemacht. Unter anderem befürwortete er einen Vorschlag, den Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in die Debatte eingebracht hatte. Grütters wollte das Brandenburger Tor zum Symbol der Einheit erklären. Dabei wehren sich die Linken gegen den Vorwurf aus ideologischen Gründen "Nein" zu sagen. "Wir sind nicht gegen ein Einheitsdenkmal", versichert Sigrid Hupach, die im Bundestags-Kulturausschuss sitzt. "Wir halten aber im konkreten Fall weder die Form noch den Ort für angemessen. Die zentralen Plätze der friedlichen Revolution waren der Platz vor der Nikolaikirche in Leipzig und der Alexanderplatz in Berlin." Hupach verweist auch auf eine Umfrage, die gezeigt habe, dass eine Mehrheit der Berliner und auch der Bundesbürger das geplante Denkmal ablehnt. Und die Thüringerin sieht "möglicherweise die Zeit noch nicht reif für ein zentrales Denkmal.

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