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Umbenennung von Straßen in Wedding entwickelt sich zur Posse

Streitpunkt: Der nach Gustav Nachtigal (1834-1888) benannte Platz in Wedding soll einen neuen Namen erhalten.
Streitpunkt: Der nach Gustav Nachtigal (1834-1888) benannte Platz in Wedding soll einen neuen Namen erhalten. © Foto: Wikimedia
Henning Kraudzun / 09.06.2017, 19:58 Uhr
Berlin (MOZ) Die seit Jahren diskutierte Umbenennung von Straßen im Afrikanischen Viertel, die den Namen deutscher Kolonialisten tragen, entwickelt sich immer mehr zur Posse. Nachdem eine Jury sechs afrikanische Persönlichkeiten vorgeschlagen hatte, die auf diese Weise eine Würdigung erfahren sollten, steht einer der Namen schon wieder zur Disposition: Ana Nzinga (1583-1663), Königin im heutigen Angola, lehnte sich zwar gegen die portugiesischen Kolonialherren auf, betrieb aber gleichzeitig einen schwunghaften Sklavenhandel. Dieser Umstand war der Jury nicht aufgefallen und sorgt jetzt für massive Kritik. Tenor: Wenn Gustav Nachtigal und Adolf Lüderitz als Namenspatrone ungeeignet seien, warum sollte dann eine umstrittene Herrscherin geehrt werden?

Die zuständige Bezirksstadträtin Sabine Weißler rudert jetzt zurück. "Unser Ziel ist, dass die neuen Namen vermittelbar sind", sagt die Grünen-Politikerin, die der Jury angehörte. Die öffentliche Kritik nehme sie ernst. Gleichzeitig verteidigt Weißler die Auswahl: "Die Angolaner verehren Nzinga. Sie sollte differenziert beurteilt werden."

Doch Zweifel meldet auch die Wissenschaft an. "Man kann diese Königin nicht zur Widerstandskämpferin hochjubeln", sagt der Berliner Afrikaexperte Andreas Eckert. "Keiner kennt sie." Angesichts der aufgeladenen Debatte hätte er einen Vorschlag: Es gebe bedeutende Frauen, die gegen die Apartheid gekämpft hätten. "Nach ihnen sollten Straßen benannt werden."

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