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19.06.2017 21:22 Uhr

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Träumchen und Schätzchen

Berlin (fl) Der Tierpfleger Christian Toll ist in der Panda-Stadt Chengdu auf Tuchfühlung mit seinen künftigen Schützlingen, den neuen Berliner Pandas Mengmeng und Jiao Qing. Die Drei gehen bereits vertraut miteinander um.

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Ein Panda der Zuchtstation in Chengdu

© dpa

Panda-Dame Meng Meng kommt zutraulich ans Gitter des Geheges. Als Christian Toll ihr die Hand entgegenstreckt, reicht sie ihm ihre Tatze. Er krault sie. Sie beschnuppert ihn neugierig. Die Blicke: vertraut, fast schon liebevoll.

Zu Gesicht bekommen hatte der 34-jährige Tierpfleger vom Berliner Zoo die beiden Großpandas zwar vorher schon. Zum ersten Mal konnte er einen seiner beiden künftigen Schützlinge nun auch anfassen. Und es ist zu spüren, dass diese Berührung etwas ganz Besonderes wird. Schließlich wird er sich künftig jeden Tag um diese vier Jahre alte Panda-Dame kümmern - es ist sein Hauptberuf, und seine Gedanken dürften sich auch nach Feierabend um ihr Wohl drehen. Die beiden haben einen guten Start an diesem Vormittag in der westchinesischen Stadt"Freust du dich auf Berlin?", fragt er sie durchs Gitter.

Tierpfleger Toll freut sich auf jeden Fall. Er ist nach China gereist, um sich von chinesischen Kollegen ein paar letzte Tipps zu holen. "Das war schon ein besonderer Moment", gibt der ansonsten gelassen wirkende Tierpfleger aus Berlin-Pankow hinterher zu. "Er ist im Moment noch sehr ruhig und schläft viel", ist sein Eindruck von Panda-Männchen Jiao Qing (zu deutsch: Schätzchen). Sie sei "aufgeregter, aktiver, aber äußerst freundlich", sagt er über Panda-Dame Meng Meng (Träumchen). "Ich freue mich schon sehr auf die neue Aufgabe."

Noch sind die beiden Großpandas im Quarantänebereich der Zuchtstation vonDoch bereits in den kommenden Tagen werden sie in 1,40 Meter mal 1,40 Meter große Boxen aus Plexiglas verfrachtet und mit einer Cargo-Maschine nach Berlin geflogen. Am 24. Juni sollen sie in der deutschen Hauptstadt ankommen. Es wird das erste Mal seit 2012 sein, dass die extrem seltenen Bären wieder in einem deutschen Zoo zu sehen sein werden. Panda Baobao war bis zu seinem Tod im Jahr 2012 mehr als 30 Jahre lang ein Star des Berliner Zoos. In China wird die Vergabe von Pandas wie eine Staatsaffäre behandelt. Nur an ausgewählte Tiergärten von "befreundeten Staaten" werden diese vom Aussterben bedrohten Bären verliehen, von denen in der freien Wildbahn nur noch rund 2000 Exemplare existieren - allesamt in China. Und auch nur, wenn der Staats- oder Regierungschef persönlich darum bittet. Von "Panda-Diplomatie" ist daher die Rede.

Mao Zedong hatte 1972 die USA zum ersten Mal beglückt, als der damalige US-Präsident Richard Nixon nach einem Peking-Besuch mit zwei Exemplaren dieser seltenen Tiergattung nach Washington zurückkehrte. 1980 erhielt Bundeskanzler Helmut Schmidt zwei Pandas, die er für den Berliner Zoo entgegennahm.

Nach Baobaos Tod bat Kanzlerin Angela Merkel im Herbst 2015 um zwei Exemplare. Bei seinem Deutschlandbesuch am 5. Juli wird Chinas Staatspräsident Xi Jinping nun persönlich mit ihr den Berlinern das Panda-Paar präsentieren. Als "Zeichen der Freundschaft", wie es in China offiziell heißt.

Zugleich lässt sich China die Leihgabe aber gut bezahlen. Eine Million Dollar Miete pro Jahr und Paar kostet sie. "Diese Summe war nicht verhandelbar", berichtet Tierpfleger Toll. Das Geld soll in China in den Artenschutz fließen. Der Berlin-Aufenthalt für Meng Meng und Jiao Qing ist auf 15 Jahre angesetzt, so der Vertrag. "Im Rentenalter dürfen sie wieder zurück in ihre Heimat", sagt Pfleger Yin Hong, der beide aufgezogen hat. Etwas Wehmut ist aus seiner Stimme herauszuhören, als er auf seinen Zögling Jiao Qing blickt, wie er sich in seinem Freigehege faul auf den Rücken fallen lässt und über das Gras kugelt. Dabei wird der chinesische Pfleger genau über das Wohl seiner Zöglingen informiert bleiben. Denn auch bei der Haltung macht China strenge Vorgaben. Diese sieht vor, dass in den ersten Monaten chinesische Pfleger bei der Eingewöhnung in Berlin dabei sein werden. Pfleger Toll muss zudem regelmäßig Protokolle führen und sie der Zuchtstation in Chengdu übermitteln. Selbst über den Stuhlgang will die chinesische Seite informiert werden. "Den Pandas wird es in Berlin sehr gut gefallen", ist sich Toll sicher. Seit November baut der Berliner Zoo für neun Millionen Euro ein neues Panda-Gehege.

Kostspielig werden dürfte auch die Nahrung. 50 bis 60 Kilogramm frischen Bambus verputzen die Bären am Tag - und nur bestimmte Sorten. In Berlin soll er zunächst aus den Niederlanden geliefert werden. In Berlin erwägt der Zoo aber auch die Zucht von eigenem Bambus - eventuell im Tierpark im Ostteil der Stadt.

Damit Meng Meng und Jiao Qing auch nicht auf ihr "Panda-Brot" verzichten müssen, hat Pfleger Toll gleich am zweiten Tag seines Chengdu-Aufenthaltes einen "Backkurs" belegt. Aus verschiedenen Mehlsorten, Haferflocken und Erdnussöl bestehe das Gemisch, berichtet Toll. Ein zusätzlicher Energiebringer. "Damit sie auch mal was anderes zu Essen bekommen als Bambus."

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