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17.07.2017 09:21 Uhr

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Royale Gäste im "Bolle": Kate und William bei Berliner Straßenkindern

Berlin (dpa) In Berlin wollen Prinz William und Kate einen Verein für Straßenkinder besuchen. Seit Jahren unterstützen die Sozialarbeiter dort verwahrloste Kinder und junge Erwachsene.

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Prinz William und Herzogin Kate besuchen Berlin, Heidelberg und Hamburg.

© dpa

Ob Prinz William und seine Gemahlin Kate Crêpes mögen? Das ist in Berlin nicht bekannt. Die elfjährige Kimberley könnte ihnen aber in der Küche des Kinder- und Jugendhauses "Bolle" welche auftischen, wenn das britische Thronfolgerpaar (beide 35) am Mittwoch (19.7.) den Verein "Straßenkinder" in Berlin-Marzahn besucht. Für Kimberley ist die Küche ihr Lieblingsort. "Gestern haben wir Crêpes gemacht", schwärmt sie, während sie mit anderen Kindern Karten spielt.

Das "Bolle" gehört zum Verein "Straßenkinder", der sich um verwahrloste Kinder kümmert. Wie Kimberley betreut der Verein in dem Haus täglich mehr als 100 Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 18 Jahren. Sie kommen aus dem Viertel und werden von ihren Eltern häufig vernachlässigt, manchmal sind Gewalt und sexueller Missbrauch im Spiel.

"Mitunter sind da Jugendliche dabei, die kurz vor dem Gang in die Obdachlosigkeit sind", erzählt der Vereinsvorsitzende Eckhard Baumann. Im "Bolle" finden sie, was ihnen zuhause meist fehlt: Unterstützung und ein offenes Ohr. Das Angebot reicht von Gesprächen über Hausaufgabenhilfe bis hin zu Freizeitaktivitäten. Es gehe vor allem darum, die Kinder zu ermutigen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken.

Der Verein steht auch Jugendlichen im Alter von 14 bis 21 zur Seite, die auf der Straße leben. Die Gründe dafür seien vielfältig, betont Baumann. Eines hätten sie alle gemein: "Sie leben in einer prekären Situation."

Straßenkinder - damit assoziiert man eher Slums und Schuhputzer in Lateinamerika. Dabei sind obdachlose Jugendliche und Kinderarmut auch in reichen Industriestaaten ein großes Problem. Für die Bundesrepublik zählt das Deutsche Jugendinstitut 37 000 Jugendliche unter 26 Jahren, die keinen festen Wohnsitz haben. Allein in Berlin sollen einige Tausend junge Menschen auf der Straße leben.

Um etwa 50 bis 80 von ihnen kümmern sich zurzeit die Streetworker von Baumanns Verein. Dazu sind sie quer in der Stadt unterwegs. Mal suchen die jungen Obdachlosen ein warmes Mittagessen, mal einen Schlafsack für die Nacht. Häufig auch Beratungsgespräche, mit denen die Sozialarbeiter ihre Klienten bei der Rückkehr in ein Leben ohne Nächte auf der Parkbank unterstützen.

Ende der 1990er Jahre hatte Baumann (49) begonnen, sich in seinem Kiez im Wedding ehrenamtlich um benachteiligte Jugendliche zu kümmern. Langsam baute er ein Sozialprojekt auf, in dem heute 25 festangestellte Sozialarbeiter und Pädagogen arbeiten. Baumann schmiss dafür sogar seinen Beruf als Konstrukteur hin; 2010 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Dann nahm auch die Zahl der Spender zu, auf die der Verein bis heute angewiesen ist.

Auf ihren Reisen besuchen der Prinz und die Herzogin von Cambridge stets ein soziales Projekt. Warum die Wahl auf das "Bolle" fiel - darüber kann Baumann nur spekulieren. Erhoffen tut er sich vom Besuch weitere Aufmerksamkeit und neue Spender. Die elfjährige Kimberley ist jedenfalls sehr gespannt auf die Royals - Crêpes hin oder her. Und eins will sie dann von ihnen wissen: "Ich würde fragen, wie es ist, zur königlichen Familie zu gehören."

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