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Erbauer des Brandenburger Tors bekommt erst jetzt einen Gedenkort

Historikerin Anette Winkelmann mit Abbildungen von Carl Gotthard Langhans (r.) und seines Sohnes Carl Ferdinand
Historikerin Anette Winkelmann mit Abbildungen von Carl Gotthard Langhans (r.) und seines Sohnes Carl Ferdinand © Foto: MOZ
Maria Neuendorff / 08.09.2017, 06:45 Uhr - Aktualisiert 08.09.2017, 07:31
Berlin (MOZ) Obwohl er Berlins bekanntestes Wahrzeichen geschaffen hat, ist nach Carl Gotthard Langhans nicht einmal eine Straße benannt. Eine neue Ausstellung in einem bisher ungenutzten Mausoleum in Kreuzberg soll ab Freitag an den Baumeister des Brandenburger Tores erinnern.

Das Mausoleum der Geschwister Massute auf dem Friedhof am Halleschen Tor wirkt mit seinen Säulen wie ein kleiner antiker Tempel. Doch statt einer Gruft mit Särgen finden Besucher im Inneren seit Freitag ein kleines Museum vor. An den frisch sanierten Ziegelmauern erzählen 14 Tafeln von dem Leben und Wirken des Architekten Carl Gotthard Langhans (1732 -1808).

Der preußische Baumeister hat unter Wilhelm II. nicht nur das Brandenburger Tor, sondern unter anderem auch die Mohrenkolonnaden, den ovalen Tanzsaal im Schloss Bellevue sowie das Belvedere im Schlosspark Charlottenburg gebaut. Auch das Marmorpalais und die Orangerie in Potsdam, der Muschelsaal in Schloss Rheinsberg und das Badehaus in Bad Freienwalde tragen seine Handschrift.

Während sein Werk die Jahrhunderte überdauert, erinnert in Berlin fast nichts an die Person Langhans. Er ist auch weder in dem Mausoleum, noch irgendwo sonst auf dem Friedhof am Halleschen Tor begraben. Dafür aber sein Sohn Carl Ferdinand. "Auch er war ein bedeutender Baumeister. Von ihm stammt unter anderem das Neue Theater in Leipzig", sagt Anette Winkelmann.

Die Historikerin hat vor zweieinhalb Jahren gemeinsam mit Architekten und Geschichtsinteressierten die Langhans-Gesellschaft gegründet. Die Idee geht auf einen Ingenieur zurück, der regelmäßig Statik-Messungen auf dem Brandenburger Tor durchführt. "Irgendwann fiel ihm auf, dass nirgendwo in der Hauptstadt an den Erbauer gedacht wird", berichtet Anette Winkelmann. Zwar gebe es eine Langhansstraße in Weißensee, doch die erinnere an einen Gutsverwalter, der sich um die Entwicklung Weißensees in der Gründerzeit verdient gemacht hat.

Die Spur des Architekten Langhans jedoch führt nach Schlesien. Der kriegszerstörte Friedhof in Breslau, wo sich sein Grab befand, wurde 1957 für eine Plattenbausiedlung abgerissen. "Damals war das deutsch-polnische Verhältnis noch frostig", erklärt Winkelmann.

Doch in den letzten 20 Jahren sei das Interesse an der deutschen Geschichte und somit auch am schlesisch-preußischen Oberbaurat im Nachbarland extrem gewachsen. An Langhans, der unter anderem auch das Stadtpalais in Breslau erbaute, erinnern in Polen inzwischen sogar mehrere Gedenkorte.

In Berlin stießen die Vereinsmitglieder bei ihren Recherchen dagegen nur auf das Grab des Sohnes. Auf dem Friedhof am Kreuzberger Mehringdamm fielen den Vereinsmitgliedern der Langhans-Gesellschaft sofort die völlig verfallenen Mausoleen aus dem 19. Jahrhundert ins Auge. "Die Decke der Grabstätte Massute war völlig eingestürzt, drinnen wuchsen vier Meter hohe Birken. Vermutlich begann der Verfall schon Anfang des 20. Jahrhunderts", glaubt die 55-jährige Geschichtsexpertin.

Über die ehemaligen Besitzer ist nur wenig überliefert. Die Massutes handelten um 1800 in der Friedrichstadt mit Lebensmitteln und Kolonialwaren. Wie viele reiche Kaufmannfamilien ließen sie sich 1826 eine Familiengrabstätte errichten. Wahrscheinlich nutzten sie das Gebäude aber nur als eine Art Kapelle. "Es gibt zwar eine Vertiefung im Boden, aber keine unterirdische Gruft, wie in vielen der Nachbarmausoleen", erklärt Winkelmann. Zudem sei alles mit Schutt verfüllt gewesen. Auch die Archäologen hätten bei ihren Probe-Grabungen keinerlei Überreste entdecken können.

So sprach auch aus Sicht der Evangelischen Kirche nichts gegen eine Umwidmung. Zumal der Friedhofsverband derzeit sowieso acht Mausoleen am Halleschen Tor mit Bundes- und Landesmitteln saniert.

Die Aufschrift "Ruhestätte der Geschwister Massute" und die Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg im Gemäuer haben die Stuckateure und Steinmetze als stumme Zeitzeugen erhalten. Die originale Eisentür, von der ein Flügel existiert, sei derzeit noch in der Restaurationswerkstatt, berichtet die Berlinerin, die auch gleich für umliegende Gräber Blumenschmuck mitgebracht hat. Am heutigen Freitag um 17 Uhr soll auf der Wiese vor dem Mausoleum Einweihung gefeiert werden. Zum Tag des offenen Denkmals am Wochenende können Besucher den neuen Gedenkort erstmals erkunden. Danach will die Langhans-Gesellschaft im Mausoleum mit regelmäßigen Ausstellungen, Vorträgen und Lesungen an Vater und Sohn erinnern.

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