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Geschäftsleute klagen über steigende Kriminalität / Volksbegehren für mehr Videoüberwachung gestartet

Zahl der Straftaten am Alexanderplatz verdoppelt

Brennpunkt mitten im Zentrum: Im vergangenen Jahr wurden am Alex 7820 Straftaten registriert.
Brennpunkt mitten im Zentrum: Im vergangenen Jahr wurden am Alex 7820 Straftaten registriert. © Foto: MOZ
Maria Neuendorff / 13.09.2017, 21:56 Uhr
Berlin (MOZ) Die letzte Polizei-Meldung ist gerade einmal einen Tag alt: Eine Frau wird am Brunnen auf dem Alex von mehreren Männern bedrängt. Als ihr ein junger Passant helfen will, wird der 23-Jährige von der Gruppe mit Pfefferspray attackiert, zu Boden geschlagen und getreten.

Auf dem Alexanderplatz kommt es immer wieder zu Schlägereien, Überfällen und Diebstählen. "Dazu kommen betrunkene Pöbler, Hütchenspieler, Drogenopfer", sagt Oliver Hanna, Sprecher der Anrainer vom Alexanderplatz und Center-Manager des Einkaufscenters Alexa. Das feiert in diesem Tagen sein zehnjähriges Bestehen. Als Geburtstagsgäste hat sich Hanna am Mittwoch Innensenator Andreas Geisel (SPD), Handelsvertreter sowie Journalisten eingeladen. Er will über die Sicherheitslage vor der Tür diskutierten. Im vergangenen Jahr wurden am Alex 7820 Straftaten registriert. Der Platz gehört damit neben dem Kottbusser Tor zu einem der absoluten Brennpunkte der Stadt. "Die Beleuchtungssituation ist eine Katastrophe und die Vernetzung zwischen Bundes- und Landespolizei funktioniert nicht", kritisiert Hanna und gibt gleich ein Beispiel. So habe die für Bahnhöfe zuständige Bundespolizei neulich zwar 30 angetrunkene Fußball-Fans aus der Station gedrängt. Die völlig ahnungslosen Kollegen draußen wären aber untätig geblieben. "Warum kommt da nicht die Ansage: Seht mal zu, dass ihr die Horde vom Platz bekommt, sonst haben wir da ein Aggressionspotenzial", fragt Hanna.

Auch Björn Fromm, Präsident des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, macht sich Gedanken um das Image des Berliner Zentrums. "Schon seit dem Tod von Jonny K. ging es mit dem Ruf bergab", findet er. Wir dürfen den Alex nicht herunterreden. Aber es muss etwas getan werden."

Dieser Meinung ist auch der Innensenator. "Es gibt noch zu viele dunkle Ecken. Um die Angsträume zu beseitigen, muss ein besseres Lichtkonzept her und die Grünanlagen müssen verbessert werden", so Geisel. Mit der neuen Wache, die derzeit neben der Weltzeituhr gebaut wird, werde ab Dezember das Personal noch einmal um 20 Beamte erhöht", verspricht der Politiker.

Sorgen machen den Behörden vor allem eine Gruppe von etwa 100 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die sich regelmäßig rund um die Wasserspiele aufhalten und unter anderem mit Betäubungsmitteln dealten. Mehreren Intensivtätern seien Platzverweise erteilt worden, berichtet Geisel. Doch durch die Größe und Unübersichtlichkeit des Areals, das bis zum Rathausforum reiche, wären diese oft schwer durchzusetzen. Zudem seien den Beamten im Rechtsstaat oftmals auch die Hände gebunden. So hätten Teilnehmer der Messerstecherei am Wochenende nach der Aufnahme ihrer Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt werden müssen. "Einige waren gleich am nächsten Tag wieder auf dem Platz." Geisel macht kein Hehl daraus, dass sich die Straftaten am Alex in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt haben. "Es haben sich aber auch die Besucherzahlen verdoppelt." Mittlerweile passierten 360 000 Menschen den Platz. Im Vergleich zu anderen Metropolen sei Berlin immer noch sicher, so Geisel.

Die Initiatoren des Volksbegehrens für mehr Videoüberwachung, die seit Mittwoch auf dem Alex gemeinsam mit der Polizeigewerkschaft Unterschriften sammeln, sind da anderer Meinung. Das Bündnis will 50 Berliner Orte mit viel Kriminalität durch Kameras der Polizei rund um die Uhr überwachen lassen.

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