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Auf einer Berliner Messe versucht die Kreuzfahrtbranche Fachkräfte zu rekrutieren

Traumjob für Weltenbummler

Maria Neuendorff / 18.10.2017, 06:30 Uhr
Berlin (MOZ) Ein halbes Jahr über die Weltmeere schippern und dabei noch Geld verdienen? Obwohl das nach Traumjob klingt, hat auch die Kreuzfahrtbranche mit Fachkräftemangel zu kämpfen. Auf einer Messe warben Reedereien am Dienstag um Köche, Kindermädchen und Bühnentechniker.

Der Hotelsaal in Moabit wurde mit einem orangefarbenen Rettungsboot dekoriert. Wer auf einem Luxusliner anheuern will, darf nicht nur nicht zum flauen Magen neigen, sondern muss zur Härteprüfung sogar in die kalte Ostsee springen. "Ein mehrtägiges Sicherheitstraining ist schon Voraussetzung. Da muss man schon körperlich fit sein", erklärt Sven Wojzischke.

Seit vielen Jahren rekrutiert der 55-Jährige in Bremerhaven Personal für Reedereien aus aller Welt. An diesem Dienstag veranstaltet seine Firma Connect eine Jobmesse in Berlin. "Denn hier gibt es viele internationale Hotels mit internationalen Gästen", erklärt der Vermittler. Und somit auch Personal mit guten Kenntnissen für die berufliche Weltreise. "Wir sehen uns aber nicht als Konkurrenz zu den Hotels", betont Wojzischke. Sondern vielmehr als Zwischenstation auf der Karriereleiter für Fachkräfte mit Fernweh.

Doch auch, wenn ein Job inklusive Rundumverpflegung auf einem Fünf-Sterne-Luxusliner für viele verlockend klingt, Nachwuchs ist auch in dieser Branche schwer zu bekommen. "Die Reedereien könnten fünf bis zehn Mal mehr Personal einstellen, wenn es genug geeignete Bewerber geben würde", schätzt Wojzischke.

Die müssen nicht nur aus dem Hotel- und Restaurantbereich kommen. Auch für Kindergärtnerinnen, Friseure, Bühnentechniker und Fitnesstrainer gibt es auf den großen Schiffen genug zu tun. "Selbst Geisteswissenschaftler beispielsweise mit historischen Kenntnissen können gefragt sein, um Passagiere an Bord kulturell zu unterhalten", berichtet der Vermittler.

Musashi Iloff hat eine kaufmännische Lehre bei Karstadt Sport in Steglitz vorzuweisen. Ein Kumpel, der auf der AIDA Fahrräder für Landausflüge repariert, hat ihm von seinem Traumjob vorgeschwärmt. Die Vorstellung, als Shop-Mitarbeiter für Bordboutiquen bis in die Antarktis zu reisen, gefällt dem 23-jährigen Verkäufer. Allerdings sei sein Englisch ein bisschen eingerostet, gesteht der junge Mann. "Unsere Kunden sind zwar zu 95 Prozent Deutsche, aber an Bord arbeiten 24 verschiedene Nationen und die Sicherheitshinweise sind in Englisch", erklärt eine Personalerin, die im Auftrag der Heinemann Cruise Liner GmbH Personal sucht. Sie rät Iloff trotzdem seine Bewerbung online einzureichen. "Bei einem Telefon-Interview wird dann abgeprüft, wie fließend Sie Englisch sprechen."

An der Sprache scheitert auch Halyna Thikum. Die 59-Jährige hat 25 Jahre Erfahrung als Service-Kraft auf 13 verschiedenen Schiffen vorzuweisen. Mit Lebenslauf und Marine-Pass ist die aparte Frau extra aus Braunschweig angereist. Vor 15 Jahren hat sie ihre große Liebe auf einem Kreuzfahrtschiff getroffen und ihren Traumjob an den Nagel gehängt. Nach der Trennung will sie es nun noch einmal wissen. "Die Arbeit auf dem Schiff war mein Leben", sagt Halyna Thikum. Doch der Personaler der Firma Viking River Cruises AG, deren Passagiere zu 90 Prozent aus den USA kommen, schickt die Ukrainerin mit deutschem Pass gleich weiter an den Tisch für Flusskreuzfahrten. Dort schaut man nur auf ihr Geburtsdatum. "Das Durchschnittsalter bei uns liegt bei 22 bis 25 Jahren", sagt der Personaler von seachefs.com. "Eine Saison von acht Monaten mit sieben Tage-Wochen und zehn bis zwölf Stunden Schichten halten Sie nicht durch", vermutet er knallhart. "Vielleicht höchstens als Urlaubsvertretung für sechs Wochen."

Am Nebentisch geht es dagegen ganz schnell. Nach fünf Minuten überreicht die Vermittlerin einer jungen Frau die Einladung für ein Vorstellungsgespräch am kommenden Tag. Die 20-Jährige hat eine Koch-Lehre in einem Fünf-Sterne-Hotel in Berlin absolviert. Nun will sie etwas von der weiten Welt sehen. "Köche werden am dringendsten gesucht", sagt auch Organisator Wojzischke. Die würden auf der Messe von den Reedereien quasi "verhaftet" und nur noch nach der Unterschrift auf einem Vorvertrag wieder laufen gelassen.

Mehr unter www.connectjobs.de

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