Berlin (DPA) Gut fünf Monate nach der „Maserati-Affäre“ erwächst der Berliner Treberhilfe Konkurrenz um Klienten und Mitarbeiter. Der neue Anbieter heißt Neue Chance und ist ein hundertprozentiges Tochterunternehmen des Diakonischen Werks Berlin- Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Erst Mitte Juli verließen die beiden Wohnprojekte der Treberhilfe in Mitte und Hellersdorf ihren alten Arbeitgeber und wechselten zur Neuen Chance, wie deren Geschäftsführer Rainer Krebs am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa erläuterte. Zuvor war bereits das Treberhilfe-Wohnprojekt Neukölln „übergelaufen“.
Nach den Worten von Krebs beschäftigt die Neue Chance derzeit rund 30 Mitarbeiter, zumeist Ehemalige der Treberhilfe. 90 bis 100 Bewerbungen von Treberhilfe-Mitarbeitern lägen noch auf seinem Schreibtisch, sagte der Geschäftsführer. Er kenne den Miteigentümer und früheren Geschäftsführer der Treberhilfe, Harald Ehlert, seit gut 25 Jahren und wisse, dass Ehlert eine exzellente Personalpolitik betrieben habe. Dessen gut ausgebildete und qualifizierte Leute hätten auch bei der Personalauswahl für die Neue Chance beste Möglichkeiten.
Krebs ist seit rund 30 Jahren für die Diakonie tätig. Zu seinen Plänen mit der Neuen Chance gGmbH sagte er: „Meine Pläne sind nach oben offen.“
Die Obdachlose betreuende Treberhilfe war im Februar in die Schlagzeilen geraten, weil sich Ehlert einen teuren Maserati als Dienstwagen leistete. Zudem verstärkten ein hohes Geschäftsführergehalt und Ehlerts Wohnung in einer Dienstvilla in Caputh Vorwürfe, das Unternehmen werde wie ein Selbstbedienungsladen geführt. Gegen Ehlert, der im März aus der Geschäftsführung ausgeschieden war, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts der Untreue. Außerdem prüfen seit geraumer Zeit die Finanzbehörden, ob der Treberhilfe die Gemeinnützigkeit aberkannt werden muss. Dies hätte erhebliche Steuernachzahlungen zur Folge, was zu Spekulationen führte, ob am Ende die Insolvenz stehen würde.
Die Neue Chance war im Frühjahr gegründet worden. Dahinter standen die Idee und das Versprechen der Diakonie, den Mitarbeitern und Klienten der Treberhilfe für Fall einer Pleite eine Auffanggesellschaft zu bieten, wie Krebs erläuterte. Vermutet wurde aber auch, dass die Neugründung nach und nach der Treberhilfe finanziell das Wasser abgraben sollte.
Krebs will seine gemeinnützige Gesellschaft aber nicht als Kampfansage an die Treberhilfe verstanden wissen. Er sieht sie als normale Einrichtung in der Sozial- und Jugendhilfe und will bei ihrem weiteren Aufbau Versorgungslücken in den Berliner Sozialsystemen angehen. Es müsse darum gehen, Jugendlichen und jungen Müttern, die Arbeitslosengeld II beziehen, Qualifizierungsmöglichkeiten zu geben.
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