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Harriet Stürmer 01.09.2010 19:31 Uhr

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Die Berliner trinken und rauchen zu viel

Berlin (moz) Übermäßiger Alkoholkonsum und Rauchen sind die Hauptursachen für viele Erkrankungen und Todesfälle von Berlinern im erwerbsfähigen Alter. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Berliner Gesundheitsbericht, den Senatorin Katrin Lompscher (Linke) gestern vorgestellt hat.

Der Gesundheitsbericht 2009 beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Gesundheit von Berlinern im erwerbsfähigen Alter, also mit der Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen. Insgesamt habe sich die Gesundheit dieser Altersgruppe verbessert, betonte Lompscher. Die Lebenserwartung ist abermals gestiegen, sie beträgt gegenwärtig für Frauen 82 Jahre und für Männer 76,9 Jahre. Allerdings offenbart der Bericht auch negative Entwicklungen.

So liegt etwa die Sterblichkeit infolge von Alkoholsucht in der 3,42-Millionen-Stadt bei Frauen um mehr als zwei Drittel über dem Bundesdurchschnitt – 2,2 Sterbefälle je 100 000 Einwohner. Bei Männern liegt die Quote um 84 Prozent über dem Bundesdurchschnitt – 8,6 Todesfälle je 100 000 Einwohner. Das Problem sei keine Bagatelle, die Zahlen seien dramatisch, meinte Lompscher. Eine Erklärung dafür, dass die Hauptstädter so gerne zu Bier, Wein und Schnaps greifen, könnte etwa sein, dass „Alkohol in der DDR eine größere Rolle gespielt hat“. Zumindest auf die Ostbezirke würde dies zutreffen. Daneben gebe es ein deutliches Nord-Süd-Gefälle, wobei im Norden traditionell mehr Alkohol getrunken werde.

Betrachtet man nur mal die 35- bis 64-Jährigen, so fällt auf, dass die meisten Todesfälle auf Alkohol- und Nikotinmissbrauch zurückgehen. Auf Rang 1 steht sowohl bei Frauen als auch bei Männern Lungenkrebs. Auf Rang 2 steht bei Frauen Brustkrebs – wobei Experten meinen, dass neben hormonellen und genetischen Ursachen auch der Lebensstil Einfluss auf die Tumorentstehung hat. Bei Männern steht der Herzinfarkt auf Rang 2. Rang 3 belegen bei Frauen und Männern alkoholbedingte Leberkrankheiten und Alkoholabhängigkeit.

Auffallend ist auch, dass Männer gegenüber Frauen ein höheres Sterberisiko haben. Im Jahr 2008 starben 6400 Berliner im Alter von unter 65 Jahren (4200 Männer und 2200 Frauen). Die Hälfte der vor dem 65. Lebensjahr Verstorbenen zählt zu den sogenannten vermeidbaren Sterbefällen, von denen wiederum etwa drei Viertel (2400) zu Lasten des individuellen Gesundheitsverhaltens gehen. Ursachen für einen frühzeitigen Tod sind in Berlin neben Rauchen und Alkoholmissbrauch auch körperliche Inaktivität und ungesunde Ernährungsgewohnheiten. Die meisten vermeidbaren Sterbefälle werden in der Hauptstadt durch Lungenkrebs verursacht.

Offenkundig ist auch der Anstieg der Krankschreibungen wegen psychischer und Verhaltensstörungen – von zehn Prozent im Jahr 2006 auf zwölf Prozent im Jahr 2008. Die durchschnittliche Krankheitsdauer infolge einer solchen Erkrankung steht mit rund 38 Tagen mittlerweile an erster Stelle. Als mögliche Ursache vermutet die Gesundheitssenatorin einen steigenden Druck auf Arbeitnehmer. Für viele sei es immer schwieriger, der hohen Arbeitsbelastung standzuhalten. Aber auch Nichterwerbstätige hätten mit psychischen Erkrankungen zu kämpfen. Ihnen würde die Arbeitslosigkeit als solche Probleme bereiten. Bei gesundheitsbedingter Frühberentung spielen psychische Erkrankungen sogar die entscheidende Rolle. Im Jahr 2008 wurden 1800 Frauen (53 Prozent aller Rentenneuzugänge) vor allem wegen Depressionen früher berentet und 1400 Männer (43 Prozent aller Neuzugänge).

Psychische Störungen stehen bei Männern zudem an der Spitze der Klinikeinweisungen (21 300 Fälle). Frauen sind häufiger schwangerschaftsbedingt im Krankenhaus (38 430). Psychische Störungen folgen auf Rang 2 (15 705 Fälle).

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